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SPD: Wir müssen euer Chaos ausbaden

Stralsund SPD: Wir müssen euer Chaos ausbaden

Stralsunder Sozialdemokraten blicken fassungslos nach Berlin / Sie fordern personellen Neuanfang

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Schlimmer kann es für die SPD nicht mehr kommen.Heike Carstensen SPD-Mitglied in der Bürgerschaft

Stralsund. Mit Martin Schulz oder ohne ihn? Für die GroKo oder dagegen? Soll Andrea Nahles die Partei führen oder eine andere Person? Die Diskussionen in der SPD hören einfach nicht mehr auf. Und während die Parteispitze in Berlin von einer Katastrophe in die nächste schlittert, geraten die Sozialdemokraten in Stralsund in Erklärungsnot. Sie müssen den Leuten auf der Straße erklären, was da eigentlich bei ihnen los ist – dabei erkennen sie ihre Partei selbst kaum wieder.

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Stralsunder Sozialdemokraten blicken fassungslos nach Berlin / Sie fordern personellen Neuanfang

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„Wenn ich Leute frage, wie es ihnen geht, dann höre ich Sprüche wie: Mir gehts gut, ich bin ja nicht in einer Partei, die ihre eigenen Werte verrät“, berichtet Heike Carstensen, die für die SPD in der Stralsunder Bürgerschaft sitzt. „Ich weiß gar nicht mehr, wie ich den Leuten das Chaos verkaufen soll. Es ist gerade nicht leicht, SPD-Mitglied zu sein. Schlimmer kann es nicht mehr kommen“, sagt die 58-Jährige.

SPD-Fraktionschef Peter van Slooten glaubt, dass er und seine Kollegen durch die Querelen künftig auch bei lokalen Wahlen Probleme bekommen könnten. „Wir an der Basis müssen das jetzt ausbaden. Leute sprechen mich an und sagen: So kann ich Sie nicht mehr wählen“, sagt der 50-Jährige. Er fordert deswegen einen kompletten Neuanfang in Berlin – auch und vor allem personell. „Das jetzige Führungspersonal hat die sozialdemokratische Idee vergessen und sich nur mit sich selbst beschäftigt. Es geht seit Monaten nicht mehr um das Land, sondern nur noch um Posten“, sagt Peter van Slooten.

Sein Parteikollege Mathias Miseler sieht es ähnlich und befürwortet deswegen den Vorstoß der Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange, die gegen Andrea Nahles zur Wahl um den Parteivorsitz antreten will. „Seit Monaten trifft eine kleine Clique alle wichtigen Entscheidungen alleine. Und wir müssen sie dann schlucken. Das muss endlich aufhören“, sagt der 35-Jährige. Kollegin Heike Carstensen befürwortet sogar die Idee einer Urabstimmung aller Mitglieder über die künftige Aufstellung der Parteiführung.

Während die Sozialdemokraten über Personalfragen streiten, steht eine für ganz Deutschland bedeutsame Entscheidung kurz bevor. Vom 20. Februar bis zum 2. März können alle SPD-Mitglieder darüber abstimmen, ob ihre Partei in eine Große Koalition eintreten soll oder nicht. Ein Nein würde entweder eine Minderheitsregierung der CDU oder gar Neuwahlen bedeuten. Gestern trafen sich Stralsunds Sozialdemokraten, um darüber zu diskutieren, wie sie sich entscheiden wollen. Bei der Debatte dürfte es hoch her gegangen sein, denn viele Mitglieder sind selbst hin und her gerissen. „Mein Herz sagt Nein zur GroKo. Aber ich habe Angst, dass die SPD das nicht verkaufen kann. Man kann das Theater den Leuten nicht mehr zumuten“, sagt Heike Carstensen. Mathias Miseler wünscht sich vor allem eine stabile Regierung. „Ich bin zwar kein GroKo-Fan, aber sie ist im Moment der beste Weg.“

Peter van Slooten bezeichnet die Abstimmung als „Erpressung, bei der wir alle brav Ja sagen sollen“. Er könne dem jedoch nicht zustimmen. „Das wäre das Ende der SPD, wie wir sie kennen. Es glaubt doch keiner, dass wir dann bei der nächsten Bundestagswahl noch über 20 Prozent kommen.“

Wahl zur GroKo

120 SPD-Mitglieder sind in Stralsund in zwei Ortsverbänden organisiert. Sie alle dürfen bald über die Beteiligung ihrer Partei an einer Großen Koalition abstimmen.

Das Mitgliedervotum findet vom 20. Februar bis zum 2. März statt. Ausgezählt sollen die Stimmen am 4. März sein.

Eine Stimme abgeben darf jeder, der bis zum 6. Februar um 18 Uhr vom zuständigen Ortsverein aufgenommen wurde und in der Mitgliederdatenbank verzeichnet ist.

Alexander Müller

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