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SPD fühlt sich im Kulturhauptstadt-Projekt hintergangen

Stralsund SPD fühlt sich im Kulturhauptstadt-Projekt hintergangen

Heftige Ausschuss-Debatte: Schon im August hatte sich Stettin von der Pomerania-Idee verabschiedet, doch die Stadt behielt das für sich

Stralsund. Da lag Ärger in der Luft: Ein Thema, das erst auf der Tagesordnung der Sitzung des Kultur- und Bildungsausschusses stand, dann gestrichen wurde, kam nach Druck einiger Abgeordneter nun doch zur Diskussion – die Bewerbung Stralsunds um den Titel „Kulturhauptstadt Europas“.

„Sie wissen seit Anfang August, dass Stettin abgesagt hat und informieren uns nicht? Ich fühle mich von Ihnen... hinters Licht geführt“, fand Ute Bartel nach den Ausführungen von Dr. Burkhard Kunkel, in der Stadt verantwortlich für die Kunst- und Kulturschätze, trotz sichtbarer Wut noch humane Worte. Die SPD-Abgeordnete konnte nicht fassen, dass die Stadt es nicht für nötig hält, die Abgeordneten einzubeziehen. „Wir hatten seitdem zwei Bürgerschaftssitzungen. Sie wurden sogar auf den Stand zum Projekt Kulturhauptstadt angesprochen. Und da haben Sie nichts von diesem Brief aus Stettin gesagt“, ärgerte sich Ute Bartel und ergänzte: „Ich bin kein Freund der Kulturhauptstadt, aber hier geht es um die Arbeitsweise, und die ist unterirdisch.“ Sie vermutete, dass ohne politischen Druck noch immer über die Absage der Polen geschwiegen worden wäre. Stettin hatte sich 2010 vergeblich um den Titel beworben und lehnte jetzt eine Unterstützung für Stralsund wegen „negativer Erfahrungen“

ab.Parteikollegin Dr. Heike Carstensen setzte nach. „Sie berichten von einem Workshop, bei dem es um die Kulturhauptstadt ging, alle seien eingeladen gewesen. Das stimmt nicht. Der Kunst- und Kulturrat von Stralsund hatte keine Einladung.“

Burkhard Kunkel konnte die Aufregung gar nicht nachvollziehen. „Wir haben fünf Projektpartner in Polen, einer ist abgesprungen.“ Die Stadt sei sehr weit mit den Vorbereitungen gewesen. „Wir haben alles richtig gemacht, haben gekämpft bis zur letzten Patrone“, wiederholte Kunkel mehrfach. Ann Christin von Allwörden (CDU) betonte, dass man ja mit der Pomerania verhandle, nicht mit Stettin.

Michael Philippen (Bürger für Stralsund) fragte Dr. Kunkel ganz direkt: „Warum haben Sie uns in der Bürgerschaft nicht gesagt, dass die Polen nicht mehr dabei sind?“ „Ich muss Ihnen doch nicht alle Schwierigkeiten mitteilen“, antwortete Kunkel. „Doch, das müssen Sie“, entgegnete Ute Bartel und meinte: „Sie verstehen hier bei den Zuständigkeiten was falsch. Wir haben Sie beauftragt, das Ganze zu prüfen, und dann müssen Sie uns informieren.“

Friederike Fechner wollte wissen, ob es nach der Absage überhaupt noch Chancen für Stralsund gibt. Die Grünen-Politikerin hatte im Herbst 2014 in der Bürgerschaft den Antrag gestellt, Stralsund solle sich als europäische Kulturhauptstadt für 2025 bewerben. Aktueller Titel-Träger ist übrigens Breslau.

Nachdem die Grünen erst einsam um die Idee kämpften, konnte sich später auch die CDU als stärkste Bürgerschaftsfraktion für das Thema erwärmen. Fakt ist, dass noch kein polnischer Partner den Pomerania-Antrag unterschrieben hat. Insofern sieht es schlecht aus mit dieser EU-Förderung. Burkhard Kunkel sprach von einer Frist bis April 2017, um noch in die nächste Förderperiode reinzukommen.

„Doch das muss ich noch mal genau prüfen.“

Das Finanzproblem für die millionenschwere Bewerbung ist damit wieder aktueller denn je.

Ines Sommer

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