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Stralsund Saal laufen die Bewohner davon
Vorpommern Stralsund Saal laufen die Bewohner davon
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00:00 18.03.2017

Idyllisch liegt die Gemeinde Saal direkt am Bodden. Urlauber, die dem Trubel der Ostsee entkommen wollen, kommen im Sommer gern hierher. In den Wohnblöcken, die kurz hinter dem Saaler Ortseingangsschild liegen, ist von dieser Idylle jedoch wenig zu spüren.

Cindy Brandt lebt mit ihren beiden Kindern Melina (3) und Ben (sieben Monate) in einer der Wohnungen. Im November 2015 zog die 30-Jährige von Ribnitz-Damgarten in den kleinen Ort. Jetzt will sie so schnell es geht wieder zurück in die Stadt. „Geheizt wird noch mit Nachtspeicheröfen. Alles ist total veraltet“, meint Cindy Brandt, die sich auch über Schimmel und undichte Fenster beklagt.

Im Jahr 2015 verlor die Gemeinde 4,1 Prozent der Einwohner und liegt damit im Landkreis Vorpommern-Rügen am unteren Ende der Bevölkerungsstatistik.

Bürgermeister Wolfgang Pierson (CDU) ist seit 1994 das Gemeindeoberhaupt. Der Wegzug vieler Saaler habe bereits nach der Wende begonnen. „Die Arbeitsplätze sind nach und nach weggefallen“, sagt der 66-Jährige. So habe die Ziegelei in Saal geschlossen, zudem „Ostseeschmuck“ in Damgarten und das Faserplattenwerk in Ribnitz dicht gemacht. Viele ältere Einwohner seien weggezogen, weil sie ohne Auto nicht mobil waren. Denn 2014 habe die einzige Verkaufsstelle in der Gemeinde geschlossen. „Die Busse sind an den Schülerverkehr gebunden. Ansonsten gibt es nur einen Ruf-Bus. Es ist umständlich, zum Einkaufen mit dem Bus nach Ribnitz-Damgarten zu fahren, und auch teuer“, so Pierson. Die Vier-Raum-Wohnungen in den Blöcken seien für ältere Bewohner zu groß. Von den 101 Wohnungen stünden 22 leer. Auch die Ausstattung sei nicht mehr zeitgemäß. „Einen Aufgang – insgesamt sechs Wohnungen – saniert die Gemeinde derzeit“, sagt er.

Die Infrastruktur in der Gemeinde sei im Vergleich zu anderen jedoch sehr gut. So gebe es einen Arzt, einen Zahnarzt, einen Bäcker und zwei Kindertagesstätten. „Die Gemeinde hat noch Bauplätze, und es wird auch wieder mehr gebaut. Es sieht aus, als wenn sich die Lage wieder normalisiert“, zeigt sich der Bürgermeister zuversichtlich.

Zu den Zugezogenen gehört Ronny Meyer. Der 39-Jährige lebt seit neun Jahren mit seiner Frau in Saal. Das Paar hat zwei Kinder – Mieke (5) und Milou (8). Zuvor wohnte der gebürtige Damgartener zeitweise in Rostock und Berlin. „Meine Familie und Freunde leben in Saal“, erzählt der 39-Jährige. „Das Haus gehörte meiner Oma und stand leer. Wir fühlen uns hier wohl. Wenn die Infrastruktur auf dem jetzigen Stand erhalten bleibt, ist es gut.“

Natürlich mache er sich Gedanken, wie sich das Leben auf dem Land in Zukunft entwickle. Allerdings sieht Ronny Meyer die Verantwortung auch bei den Menschen. „Man muss sich gegenseitig helfen und Fahrgemeinschaften organisieren“, sagt er. Einen Vorteil habe das Leben auf dem Land – die Grundstückspreise in Saal seien deutlich niedriger als in Ribnitz.

Gedanken über den Einwohnerschwund macht sich auch die Leiterin der Saaler Kindertagesstätte „Zwergenbahnhof“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), Stella Borowski. „Wir haben derzeit in der Krippe noch freie Plätze. Das ist in der Umgebung nicht so.“ Gemeinsam mit der Gemeinde habe der ASB vor Kurzem einen Spielplatz für den Hort gebaut. Derzeit schaue man, ob man den Spielplatz auch öffentlich machen könne. Denn in der ganzen Gemeinde gibt es keinen einzigen öffentlichen Spielplatz mehr. „Man muss für Familien Anreize schaffen, nach Saal zu ziehen“, sagt Stella Borowski.

Anika Wenning

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