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Stralsund Schiels Bücher gibt’s in aller Welt
Vorpommern Stralsund Schiels Bücher gibt’s in aller Welt
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07:23 01.12.2017
Der Stralsunder Autor Eberhard Schiel an einem seiner Lieblingsorte auf der Hafeninsel. Quelle: Foto: Marlies Walther
Stralsund

Neun Bücher hat Eberhard Schiel geschrieben, die alle „mehr oder weniger“ mit Stralsunds Historie zusammenhängen. Das Besondere: Vor allem die Werke, in denen er sich mit der Geschichte der Juden befasst, erlangen Aufmerksamkeit weit über unsere Stadt hinaus. So gab es auch Anfragen von Fernsehsendern, die für ihre Dokumentationen Schiels Texte verwenden wollten.

Erst im Oktober erhielt der Hansestädter einen Brief von der Redaktion Zeitgeschichte des ZDF, die im November 2018 die Thematik Herszel Grynszpan in einer History Dokumentation aufgreifen möchte.

Peter Hertl, ein enger Mitarbeiter von Prof. Guido Knopp, bereitet die Sendung vor.

In Schiels Buch „Herszel Grynszpan – Phantom der Geschichte“ geht es um das Attentat am 7. November 1938 in der Deutschen Botschaft in Paris, bei dem der deutsche Legationsrat Ernst Eduard vom Rath durch den 17-jährigen Hannoveraner Herszel Grynszpan erschossen wurde. „Ich untersuche in dieser Abhandlung die näheren Umstände der Tat, den Wahrheitsgehalt der deutschen Presse, das intime Verhältnis zwischen Opfer und Täter sowie die Folgen für das weitere Schicksal der Juden in Deutschland bis letztlich zur Vernichtung“, sagt Eberhard Schiel. „All das steht im engen Kontext mit dem Attentat.“ Bislang gibt es die Publikation lediglich als E-Book. Das Buch soll aber in Kürze gedruckt werden.

Als das Manuskript 2002 fertig war, hatte ihm der Ressortleiter des Spiegels, Heinz Höhne, geschrieben: „Ich freue mich, dass Sie das Thema Grynszpan noch einmal aufgegriffen haben und kann nur staunen, mit welcher Umsicht Sie dabei zu Werke gegangen sind. Da könnten unsere Historiker noch manches von Ihnen lernen. Mein Kompliment.“

Einige seiner Aufsätze wurden in der deutschsprachigen Zeitung „Israel-Nachrichten“ in Tel-Aviv gedruckt, darunter ein Artikel über den jüdischen Historiker Emanuel Ringelblum. Und das Buch „Braune Schatten überm Sund“ hat Schiel persönlich der Yad-Vashem-Bibliothek Jerusalem übergeben. Dieses Werk, das wegen der großen Nachfrage bereits ein zweites Mal aufgelegt wurde, ist für Schiel eine besondere Herzensangelegenheit, „weil damit persönliche Schicksale verbunden waren, durch Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung Stralsunder Juden“. Bei den Recherchen sei er traurig und wütend zugleich gewesen. Und es gab Lesungen, bei denen ihm die Tränen kamen.

Schiel sieht es als seine „kommunalpolitische Mission“ an, den Hinterbliebenen und Überlebenden in diesem Buch sein Mitgefühl auszusprechen, „sie daran zu erinnern, dass wir nicht vergessen haben, was damals geschah“.

Außerdem habe er die Möglichkeit genutzt, durch die Nazis zerrüttete und gewaltsam zerstörte Freundschaften sowie verschüttete verwandtschaftliche Beziehungen wieder herzustellen. „Konkret am Beispiel der bekannten Sund-Schwimmerin Irma Struck mit ihren in Australien lebenden Verwandten“, blickt Eberhard Schiel zurück.

Der Autor kann sich mit Recht darüber freuen, dass seine Bücher in weiteren Bibliotheken der Welt „umherschwirren“: Zum Beispiel im Leo-Baeck-Institut New York, im Holocaust-Museum Washington, in der Nationalbibliothek Lyon und im Archiv der Shoa-Foundation von Steven Spielberg. Einige Exemplare hat er selbst verschickt, andere sind beim internationalen Antiquariat Eurobuch geordert worden, vermutet Schiel.

Er wollte gern wissen, wo seine Bücher geblieben sind und welchen Nutzen sie gebracht haben. Deshalb recherchierte er im Internet und stieß auf eine weitere Überraschung. Die britische Oxford-Universität hat sein Buch „Mein lieber Sohn und Kamerad“ für die Publikation „Imaging the Absent Dead: Rituals of Bereavement and the Place of the War Dead in German Women’s Art during the First World War“ genutzt.

Auszugsweise wurde ein Brief seiner Tante Margarethe an seinen Vater Otto Schiel abgedruckt und mit einem Kommentar versehen. „Da steht man dann bei den Quellen neben solchen Namen wie Siegmund Freud und Käthe Kollwitz“, freut sich Eberhard Schiel. Auch der Sender Arte habe seine Veröffentlichung in die nähere Wahl für eine Dokumentation über den ersten Weltkrieg gezogen. Schließlich gibt es noch ein kleines Buch, über die „Kinder vom Hühnerberg“ das ihm sehr lieb geworden ist. „Weil es die Leser meiner Generation angeregt hat, über die eigenen Erlebnisse in der nicht gerade besonnten Kindheit nachzudenken, zu vergleichen und vielleicht gar selbst zur Feder zu greifen.“

Beonders dankbar ist Eberhard Schiel im Zusammenhang mit seiner Autoren-Tätigkeit übrigens seiner Frau Angelika. „Sie war immer mein erster Leser, der beste Kritiker und ein treuer, beruhigender Begleiter, wenn ich den für mich so schweren, weil aufregenden Weg zur Buchpremiere einschlagen musste“, betont er.

Man soll zwar niemals nie sagen, aber doch will Eberhard Schiel jetzt einen Schlusspunkt als Autor setzen. Am Anfang habe ein schreibender Arbeiter gestanden, am Ende ein schreibender Rentner. „Nun werde ich nur noch Rentner sein“, sagt der 75-Jährige.

Der schreibende Kaufmann

Eberhard Schiel wurde am 28. August 1942 in Stralsund geboren. Er besuchte die Goethe-Schule, absolvierte eine Lehre als Großhandels-Kaufmann und arbeitete in der Konsumgenossenschaft.

Zwischendurch wurde er vom Konsum zum Rat des Kreises delegiert, von dort ist er aber „getürmt“, wie er erzählt, und er suchte auf der Volkswerft (ab 1972) Zuflucht. Dort verbrachte er bis 1992 die längste Zeit seines Berufslebens.

Seine Laufbahn als Autor begann schon lange vor der Wende mit einem Artikel über Reise-Impressionen auf der Fahrt vom damaligen Leningrad nach Wolgograd in der Betriebszeitung „Unsere Werft“.

Es folgte ein Beitrag für die „Wochenpost“ und die „Tribüne“.

Nach der Wende veröffentlichte Eberhard Schiel in der OZ Artikelserien über Kriminalfälle aus der Schwedenzeit, der Ära der französischen Besatzung und über die Schiffer-Compagnie.

Bis heute bedauert er, dass er sich dort während seiner einjährigen Tätigkeit als Archivar in einer ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) nicht konsequent für eine repräsentative Chronik der Schifferkompagnie eingesetzt hat.

Seine Bücher: „Mein lieber Sohn und Kamerad“ (Scheunen-Verlag 1996), „Braune Schatten überm Sund“ (Scheunen-Verlag 1999), „Die verlorene Kindheit des Alfred M.“ (Scheunen-Verlag 2001), „Ein Jahr geht schnell vorbei“ (BS-Verlag Rostock, 2003), „Die Kinder vom Hühnerberg“ (Digitaldruck Kruse, 2013), „Der Hafen meiner Träume“ (Kruse 2014), „An der Heimatfront (Kruse 2014), „Herszel Grynszpan – Phantom der Geschichte“ (Neobooks 2014, E-Book) und „Mordlust im Oktober“ (Kruse, 2016).

Marlies Walther

Die Quote liegt aber immer noch unter zehn Prozent

01.12.2017
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Klar, in der Vorweihnachtszeit bekommt man viele Einladungen zu Weihnachtsfeiern und Märkten.

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01.12.2017
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