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Schluss: Rügen wird IT-freie Zone

Putbus Schluss: Rügen wird IT-freie Zone

Der Unterricht am Putbusser College wurde gestern eingestellt — und wird an der Berufsschule nicht fortgesetzt.

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Im altehrwürdigen Pädagogium am Putbusser Circus war das IT-College seit dem Jahr 2002 untergebracht. Zu Spitzenzeiten wurden dort 300 Schüler unterrichtet. Zuletzt waren es 50.

Putbus. Aus und vorbei: Seit gestern 12.15 Uhr werden auf der Insel Rügen keine IT-Fachleute mehr ausgebildet. „Wir haben den Unterricht eingestellt“, sagte Janine Radtke, eine von sechs Lehrern am IT-College in Putbus. Den Grund für die Entscheidung hält sie in der Hand: Es ist eine um 12.03 Uhr eingegangene E-Mail des Schweriner Kultus-Ministeriums. Das bietet den Lehrern der Privatschule eine Weiterbeschäftigung in der Beruflichen Schule des Landkreises in Sassnitz an. Auf der Grundlage von auf dreieinhalb Monate befristeten Teilzeitverträgen. „Bei einigen der Lehrer mit erheblich weniger Stunden, so dass sie weniger Geld bekommen würden, als wenn sie arbeitslos wären“, sagte Radtke. Die Konsequenz: Sie lehnen das Angebot ab, kündigen und gehen heute zum Arbeitsamt. In der vergangenen Woche hatte Uwe Degen-Gellenbeck, Insolvenzverwalter der seit August 2011 insolventen Schule, einräumen müssen, dass sein Sanierungsplan gescheitert ist und das College samt Internat zum 31. März schließt. Seit zwei Monaten konnte er den Lehrern und Angestellten keinen Lohn mehr zahlen. Dann wurde der Plan aus der Taufe gehoben, dass der Unterricht für die Schüler mit ihren Lehrer an der Berufsschule Sassnitz fortgesetzt werden könnte — bis Sommer 2015. Der Landkreis sollte die Sachkosten absichern. „Dazu waren wir bereit und natürlich auch willens“, sagte gestern Olaf Manzke, Sprecher der Kreisverwaltung. Den Ball hat aber das Land nicht aufgenommen. „Es ist wohl nicht gewollt, dass sich die Berufsschule Sassnitz mit IT-Ausbildung profiliert“, vermuten die nun ehemaligen Lehrer des Colleges. Laut Entwicklungsplan für die Berufsschulen im Landkreis Vorpommern-Rügen soll Stralsund die zentrale Bildungseinrichtung sein und Sassnitz eine Außenstelle, die sich vorrangig um Ausbildungsberufe der Hotel- und Gaststättenbranche kümmert.

Die Schüler hat das Unterrichtsende wie ein Schlag getroffen. Besonders jene 27, die im Mai nach zwei Jahren Schule ihre Prüfungen ablegen sollten. „Das können sie nicht mehr. Aber sie brauchen unbedingt einen Abschluss, weil sie danach studieren oder etwas anderes machen wollen. Das können sie nun vergessen“, sagte IT-Lehrer Peer Kunz.

Julia Böhm (18) beispielsweise hat zwei Jahre in Putbus gelernt: „Zwei Jahre für umsonst, wie sich jetzt rausstellt. Nächste Woche kommen meine Eltern zum Umzug. In Berlin werde ich mich um eine neue Ausbildung in diesem Bereich bemühen. Vielleicht gelingt es mir, einen Teil der Zeit, die ich hier investiert habe, woanders anrechnen zu lassen.“ Anne-Kathrin Leewe (19) zollt den Dozenten und Angestellten großen Respekt: „Die haben zwei Monate ohne Geld gearbeitet und für uns gekämpft. Das Ende schockiert mich. Nach zwei Jahren Ausbildungszeit sitzen wir auf dem Trockenen und haben keine Möglichkeit, unsere Ausbildung zu beenden. Der Insolvenzverwalter ist eine Witzfigur.“ Der sagt von sich: „Ich habe gekämpft wie ein Bär und versucht, das Beste aus der misslichen Situation zu machen.“ Aber, so Degen-Gellenbeck weiter, es sei unmöglich gewesen, für ein Haus, das mit der Zweckbindung Schule auch noch gemeinnützig betrieben werden muss, einen Investor zu finden. Aber: „Die Zweckbindung gibt es seit Anfang der Woche nicht mehr. Sie wurde aufgehoben“, sagt der Insolvenzverwalter. Er hofft, dass sich so ein Investor findet und der Circus 16 „verwertet“ werden kann. „Und zwar so, dass sich die sieben Millionen Förder- und Steuergelder plus der Eigenanteil des Colleges, insgesamt sind das etwa zehn Millionen Euro, nicht in Staub auflösen.“

Sieben Millionen Euro Steuergeld stecken im Pleite-College

10Millionen Euro sind in etwa in das IT-College am Circus 16 investiert worden. Etwa sieben Millionen haben Bund und Land an Fördergeld bereitgestellt. Hinzu kommt ein Eigenanteil des Colleges. „Den trägt die Sparkasse“, sagt der Insolvenzverwalter.
2Monate ist den Lehrern und Angestellten des Colleges kein Lohn oder Gehalt gezahlt worden. „Wir haben stillgehalten und dem Insolvenzverwalter vertraut. Hätten wir das mal lieber nicht getan, dann hätten wir wenigstens schon zwei Monate Arbeitslosengeld bekommen“, sagt Dozent Peer Kunz.
Stellungnahme Kultusministerium: „Den Lehrkräften ist das Angebot unterbreitet worden, sie für den Unterricht der Schülerinnen und Schüler zu beschäftigen, obwohl das Land dafür eigentlich nicht zuständig ist. Bildungsminister Brodkorb hofft auf die Zustimmung der Lehrkräfte, um eine Lösung zu finden.“

 



Chris-Marco Herold und Yusuf Rieger

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