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Stralsund Schmuckstück Frankenstraße 47
Vorpommern Stralsund Schmuckstück Frankenstraße 47
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00:00 08.09.2018
Stralsund

Ein richtiger Hingucker ist die Frankenstraße 47 geworden. Mit dem Ende der Bauarbeiten verschwindet eines der letzten unsanierten Gebäude der Stadt.

Das Haus gehörte zu den letzten unsanierten Gebäuden der Stadt / Nun erstrahlt es in neuem Glanz

„Anfangs gab es hier nur ein einziges Stangen-Wirr-Warr, das als Sicherung des Hauses vom Boden bis zur Decke reichte“, erzählt Jörg Wetzel vom Mecklenburgischen Ingenieurbüro für Verkehrsbau (MIV).

Die Firma ist der Eigentümer der Frankenstraße 47. Doch nun erinnert nichts mehr an das trostlose Bild. Sowohl im Haupthaus als auch im Kemladen sind auf insgesamt etwa 360 Quadratmetern – verteilt auf drei Etagen – Büroräume für das MIV entstanden. „Wir werden hier künftig mit 16 Mitarbeitern drin sein“, erklärt Jörg Wetzel. 1200 Kisten sind in den vergangenen Tagen vom einstigen Bürostandort am Frankendamm in die Frankenstraße umgezogen. „Wir sind seit 20 Jahren in Stralsund, da hat sich einiges angesammelt“, sagt Jörg Wetzel und verzieht ein bisschen das Gesicht.

Seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres ist in dem Haus kräftig gebaut worden. Im Haus selbst ist fast alles erneuert worden. „Bei der Fassadengestaltung haben wir uns an die historischen Vorlagen gehalten“, so Jörg Wetzel. Verschiedene Farbreste seien gefunden worden, am Ende habe man sich für den Gelbton entschieden. Auch die schönen Stuck- und Schmuckelemente sind wieder nach historischem Vorbild von Stuckateur Frank-Michael Hauser hergestellt worden. Die einstige zweiflügelige Eingangstür konnte im Haus gesichert werden, wurde aufgearbeitet und wieder eingesetzt.

Die Summe der Baukosten beziffert Jörg Wetzel auf etwa 800000 Euro, unterstützt wird das Bauprojekt mit Städtebaufördermitteln der Stadterneuerungsgesellschaft.

Eine Besonderheit gibt es in diesem Gebäude übrigens, denn in ihm steckt ein Teil der alten Stralsunder Stadtmauer. Einst hatte das Haus vor der Mauer der Stadt gestanden, wie Stadthistoriker Andreas Neumerkel erklärt. „Mitte des 17. Jahrhunderts war das Grundstück vor dem einstigen Frankentor noch unbebaut. Auf dem Staudeplan von 1647, der die Bebauung der Innenstadt zu jenem Zeitpunkt zeigt, ist das Grundstück zwischen Stadtmauer und Giergraben noch leer.“ Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts muss dann dort ein kleines Haus entstanden sein. „Fast durchweg besaßen Branntweinbrenner die kleine Bude, die den Hochprozentigen nicht nur herstellten, sondern auch gleich an den Mann brachten.“

Jörg Wetzel zeigt mit einem Lachen auf ein paar Gegenstände, die im künftigen Besprechungsraum auf dem Boden stehen. „Das sind alte Gerätschaften, die zur Herstellung von Branntwein genutzt wurden.“

Und mit Branntwein – oder viel mehr Alkohol im Allgemeinen – wurde die Frankenstraße 47 in der Vergangenheit des Öfteren in Verbindung gebracht. So erwarb 1910 der Restaurateur Robert Diedrich das Haus und benannte die Kneipe „Zur Flotte“. Ab 1951 trugen die Gaststätte und das Café den Namen „Zum Franken“ – eine kleine Erinnerung an die Geschichte des Hauses. Ähnlich wie das kleine Sichtfenster im Hausflur, in dem ein Stück der alten Stadtmauer zu sehen ist. „Wir sind froh, dass wir ohne größere böse Überraschungen und Schwierigkeiten alles hingekriegt haben“, sagt Jörg Wetzel abschließend.

Geschichtsträchtiges Haus

Mitte des 17. Jahrhunderts war das Grundstück noch unbebaut, in der zweiten Hälfte muss dort eine Bude entstanden sein. Erst im Jahr 1866 wurde „das Wohnhaus ausgebauet und mit den übrigen Gebäude auf 3 Stockwerke erhöht“. Damals war die Witwe Marianna Magdalena Brüggmann die Hauseigentümerin. Die rechte Seitenwand des Hauses ist die mittelalterliche Stadtmauer.

Miriam Weber

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