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Schwimmen lernen im Burkini

Samtens Schwimmen lernen im Burkini

DRK Rügen-Stralsund veranstaltet Schwimmkurs für Flüchtlinge / Acht junge Frauen wollen das „Seepferdchen“

Samtens. Das Wasser im Schwimmbecken spritzt hoch, als sich Aweed Amering die Schwimmhilfe aus Schaumstoff schnappt und lospaddelt. Die 18-jährige Frau aus Afghanistan ist eine von acht Teilnehmerinnen eines Schwimmkurses des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) speziell für Flüchtlinge, der regelmäßig im Sporthotel Störtebeker in Samtens stattfindet.

„Wenn man auf einer Insel wohnt, sollte man schwimmen können“, sagt Andreas Rätz kurz und bündig. „Das gilt für Einheimische genauso wie für Flüchtlinge.“ Er ist der Kreisleiter der Wasserwacht und bringt gemeinsam mit den Schwimmtrainerinnen Laura Blechert und Nicole Schmidt den jungen Menschen das Schwimmen bei. „Wir veranstalten diese Kurse für Flüchtlinge seit November. Am Anfang waren nur Jungen dabei“, so der 36-Jährige.

Nun werden erstmals auch Mädchen und jungen Frauen zwischen elf und 18 Jahren trainiert. Weil es in ihren Kulturen nicht üblich ist, sich im Badeanzug zu zeigen, benutzen sie spezielle Schwimmanzüge die große Teile des Körpers bedecken und zum Teil eine Kapuze besitzen. „Man nennt sie Burkinis“, klärt Päschke auf.

Der Anstoss zu den Kursen kam vom Kreisjugendring Rügen e.V., der sich viel um die Betreuung der Flüchtlingsfamilien auf der Insel kümmert. „Keine der Jugendlichen im Kurs konnte schwimmen“, erinnert sich Rätz. „Sie kamen völlig ohne Vorkenntnisse her.“ Bis zum mittlerweile vierten Kurstermin haben die acht Mädchen aber schon große Fortschritte gemacht. „Am Anfang haben wir erstmal nur die Beintechnik geübt. Die Arme kamen dann später dazu“, so Rätz. Zu Beginn gab es allerdings ein paar Probleme. „Die Mädchen haben alle bisher kaum Kontakt zu Wasser gehabt und hatten Angst vor Spritzern im Gesicht.“ Diese Angst ist überwunden und die Jugendlichen machen bereits einige Züge im Wasser. Auch Aweed und ihre Freundin Fereshte sind mit Begeisterung dabei.

„Es macht großen Spaß, obwohl ich am Anfang etwas Angst vor dem Wasser hatte“, sagt Fereshte (18), die seit neun Monaten in Deutschland lebt. „Ich bin glücklich, dass ich in Deutschland die Freiheit habe, schwimmen zu lernen. In Afghanistan wäre das undenkbar.“ Dabei wären die Familien der beiden Mädchen nicht das Problem, sie würden sich sogar freuen, dass Fereshte und Aweed schwimmen lernen.

„Mein Vater findet das toll“, sagt Aweed, die später einmal Medizin studieren will. „Aber in Afghanistan kann es sein, das Radikale die ganze Familie für solch liberales Denken bestrafen. Das wäre zu gefährlich.“ Das Thema „Kopftuch“ diskutieren die beiden Freundinnen untereinander oft. Während Fereshte, die gerne Stewardess werden will, in Deutschland als erstes „das lästige Kopftuch abgenommen“ habe, hat sich Aweed bewusst für das Kopftuch entschieden. „Das ist für mich eine der größten Freiheiten in Deutschland — selbst zu entscheiden, ob ich das Tuch tragen möchte oder nicht“, sagt sie.

Nach dem zehnstündigen Kurs steht für die Schwimmanfänger eine Seepferdchenprüfung auf dem Programm. „Einige Teilnehmer aus anderen Gruppen haben das schon geschafft“, sagt Rätz. „Unser großes Ziel ist es, dass die Frauen sich nach dem Kurs in reguläre Schwimmgruppen der Wasserwacht eingliedern können, um so besser integriert zu werden.“

Laura Blechert ist ebenfalls Trainerin und Koordinatorin beim DRK. „Es macht mir großen Spaß mit den Kindern zu trainieren. Sie sind so unglaublich dankbar.“ Sie betont mit Stolz, dass die Schwimmanfänger schon große Fortschritte gemacht haben. „Mittlerweile sind die Kinder viel mutiger geworden.“ Zu Beginn des Kurses hätten sie großen Respekt vor dem Wasser gehabt. „Und heute springen einige sogar schon vom Beckenrand ins Wasser. Dazu gehört große Überwindung“, so die 28-Jährige. Finanziert werden die Kurse unter anderem von einer Spendenaktion der OSTSEE-ZEITUNG. „Während der Weihnachtsspendenaktion sind ungefähr 1000 Euro dafür zusammengekommen“, erzählt Burkhard Peschke. „Davon werden die Kurse, der Transport und die Burkinis bezahlt.“

Von Anne Ziebarth und Moritz Herzberg

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