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Stralsund Seemannsgarn und Rostklopfen
Vorpommern Stralsund Seemannsgarn und Rostklopfen
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01:22 26.08.2014
Der Spaß an der Arbeit und teambildende Maßnahmen stehen bei diesem Projekt im Vordergrund. Benjamin (v.l.), Julian , Tim , Nataly , Anna und Florian nehmen ihre Zukunft jetzt selbst in die Hand. Quelle: Fotos: Wenke Büssow-Krämer

Schulstart: Mit mehr oder weniger großer Lust am Lernen schlagen die Schüler ihre Bücher wieder auf. Bei den Teilnehmern des Produktiven Lernens soll das in Zukunft anders aussehen. Die meisten der 14- bis 16-jährigen Teilnehmer haben eher negative Erfahrungen mit Schule und Lehrstoff gemacht. Auf einen Schulabschluss verzichten, wollen sie deshalb noch lange nicht.

„Ich hatte durch meine Lese-Rechtschreib-Schwäche einige Probleme“, sagt Anna Dahms. Vor allem Englisch war ihr ein Graus. Als Schülerin der Regionalen Schule in Garz musste sie nicht einmal die Schule wechseln, um am Produktiven Lernen, das mit einem hohen Praxisanteil die Schüler motiviert, teilzunehmen. „Ich habe mich richtig auf den Start und diese neue Chance gefreut und möchte meinen Abschluss schaffen“, meint die 14-Jährige aus Samtens. Denn Deutsch und Englisch hin oder her, auch sie hat Träume, die sie sich erfüllen möchte. „Ich würde später gerne im Kindergarten arbeiten“, verrät Anna.

Begleitet wird sie auf ihrem Weg von den Lehrern Olaf Zender und Kathrin Lehmann. „Was wir anbieten, können die Jugendlichen wirklich schaffen, da sind wir uns sicher“, sagt Zender. „Auf diese Weise sollen die jungen Leute wieder positive Erfahrungen mit Schule machen“, betont der Pädagoge. Deshalb fand sich die Klasse gestern zum Beginn der sechswöchigen Orientierungsphase auf der „Gorch Fock“

im Stralsunder Hafen ein. „In den ersten Wochen haben wir vor allem teambildende und freudbetonte Programmpunkte“, sagt Zender. Doch auch wenn das Projekt erlebnisorientiert ausgerichtet ist, steht die Arbeit vor dem Spaß.

Die Crew der Bark, die auch schon in den letzten Jahren als Partner des Produktiven Lernens zur Verfügung stand, freute sich jedenfalls schon auf die tatkräftige Unterstützung. Deckschrubben, Aufräumarbeiten oder Rostklopfen — auf und unter Deck findet sich immer jede Menge Beschäftigung. „Wir wollen das Museum an Bord erweitern. Dafür müssen die Räume hergerichtet werden“, erklärt Christian Lück, der die männlichen Teilnehmer gleich mit Hammer und Meißel ausstattete. Die nichtbrennbare Beschichtung, die zu Zeiten des russischen Eigentümers aufgebracht wurde, muss von den Stahlträgern geholt werden. Da gibt es bei den Jungs erstmal große Augen. Doch der ehemalige Kapitän der Handelsmarine gibt nicht nur Anweisungen, sondern unterhält seine junge Crew auch mit allerhand Seemannsgarn. Schließlich hat der 68-Jährige selbst als junger Mann auf der „Gorch Fock“ einiges für sein Handwerk erlernt. Zur Belohnung dürfen die Jugendlichen dann auch den Großmast bis zur Mars-Saling aufentern.

Am Mittwoch und Donnerstag werden die Mädchen und Jungen dann in der Segelschule auf dem Dänholm zu Gast sein. „Auch dort wird es so laufen, dass wir tatkräftig mit anpacken und kleine Arbeiten erledigen, bevor gesegelt werden darf“, sagt Olaf Zender. Die Möglichkeit, nach der sechswöchigen Orientierungsphase in den normalen Schulbetrieb zurückzukehren, besteht weiter. Wer sich jedoch entscheidet, beim Produktiven Lernen zu bleiben, kann auch hier im Idealfall seinen Hauptschulabschluss erlangen. „Unsere Schüler haben bei der Lehrstellensuche sogar den Vorteil der Praxiserfahrung“, weiß der Lehrer. Denn in diversen Praktika haben sie den Umgang mit Kunden und Vorgesetzten bereits erlernt. Da entscheidet sich mancher Chef dann gerne für den Kandidaten mit praktischer Erfahrung, statt auf die bessere Schulnote zu schauen.

Praxis ist Trumpf
Das Produktive Lernen ist ein Bildungsangebot für das 8., 9. und 10. Schuljahr an Regionalen Schulen und Gesamtschulen in Mecklenburg-Vorpommern.
Diese Bildungsform wird inzwischen in 27 Schulen in ganz MV angeboten.
Speziell entwickelte Unterrichtsmethoden, ein sehr hoher Praxisanteil, die Einrichtung von besonderen Lernwerkstätten und eine entsprechende zweijährige berufsbegleitende Lehrerausbildung sind der Schlüssel für eine hohe Erfolgsquote.
Die Crew des Traditionsseglers „Gorch Fock“ steht bereits seit mehreren Jahren als Partner des Produktiven Lernens zur Verfügung.
Die jungen Leute packen hier tatkräftig mit an: Deck schrubben, Aufräumarbeiten oder Rostklopfen gehören dazu.
Auch unter Deck findet sich immer jede Menge Beschäftigung. So soll das Bordmuseum erweitert werden. Dafür werden die Räume hergerichtet.



Wenke Büssow-Krämer

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