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Stralsund Seenotretter geben Einblick in ihre Arbeit an Vorpommerns Küsten
Vorpommern Stralsund Seenotretter geben Einblick in ihre Arbeit an Vorpommerns Küsten
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00:00 30.07.2018
Die Seenotretter gaben gestern im Stralsunder Hafen Einblick in ihre wichtige Arbeit, animierten aber auch zum Mitmachen. Zielgenauigkeit war gefragt bei den Übungen für Kinder: Die siebenjährige Isabelle aus Stralsund ließ sich von dem erfahrenen Bootsmann Felix Textor einige wichtige Tipps zum Auswerfen der Leinen geben. FOTOS (2): CHRISTIAN RÖDEL
Stralsund

Stralsund. „Segelyacht in Not“ oder „Gekenterter Kanufahrer gerettet“ – das sind nur zwei Schlagzeilen der OSTSEE-ZEITUNG in den letzten Tagen aus Vorpommern-Rügen, die zeigen: Die Seenotretter haben in diesem Sommer alle Hände voll zu tun. Hinter der oft so sehnsüchtig erwarteten Hilfe auf dem Wasser steht die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), die allein in Vorpommern 14 Stationen betreibt. Deren Rettungskräfte sind etwa die Hälfte der 500 Einsätze in Mecklenburg-Vorpommern gefahren.

Stralsund. „Segelyacht in Not“ oder „Gekenterter Kanufahrer gerettet“ – das sind nur zwei Schlagzeilen der OSTSEE-ZEITUNG in den letzten Tagen aus Vorpommern-Rügen, ...

Während sich die DLRG-Rettungsschwimmer um die Absicherung der Badestrände kümmern und dabei in diesem Sommer schon viele dramatische Fälle hatten, sind die DGzRS-Besatzungen mit ihren Booten auf dem Wasser im Einsatz. Und das oft ehrenamtlich. Von den 14 Stationen – zu finden von Wustrow über Stralsund, Sassnitz, Greifswalder Oie bis hin nach Ueckermünde – sind nur drei Standorte mit einer festen Seenotkreuzer-Besatzung ausgestattet. Die elf anderen sind Freiwilligen-Angebote. „Das sind Menschen, die an der Küste leben und im Alltag einem ganz normalen Beruf nachgehen. Im Notfall sind sie sofort einsatzbereit. Eins muss man ganz klar sagen: Ohne die ehrenamtlich tätigen Seenotretter wäre eine flächendeckende Seenotrettung gar nicht möglich“, sagt -DGzRS-Sprecherin Antke Reemts im OZ-Gespräch.

Die 1865 gegründete Gesellschaft hat seit Bestehen rund 85000 Menschen aus Seenot gerettet oder aus anderen Gefahrensituationen befreit. An der gesamten Küste sind mittlerweile 54 Stationen eingerichtet. 20 Seenotrettungskreuzer und 39 Rettungsboote stehen den DGzRS-Helfern zur Verfügung. Finanziert wird das Ganze ausschließlich aus Spenden.

„Eigentlich sollen wir in erster Linie der Berufsschifffahrt aus Notlagen helfen. Doch in den letzten Jahren wächst die Zahl der Wassersportler, die in Seenot sind und denen wir natürlich auch helfen“, so Antke Reemts. Sie betont, dass die Rettung von Leib und Leben immer oberste Priorität habe. „Und wenn da wie in Karlshagen letzte Woche jemand mit seinem Kanu kentert und stundenlang im Wasser treibt, ist das ein Notfall. Denn ruckzuck ist man unterkühlt.“ Viele würden so eine Gefahr gerade im Sommer mit über 20 Grad Wassertemperatur unterschätzen. „Man darf nicht vergessen, die Körpertemperatur sinkt schnell. Ist man bis auf 32 Grad runter, kann man Arme und Beine nicht mehr bewegen. An Selbstrettung ist da nicht mehr zu denken.“

Auch wenn sich im Moment die Einsätze häufen, geht die DGzRS-Sprecherin davon aus, dass man sich wie in den letzten Jahren auf insgesamt rund 2000 Einsätze an der gesamten deutschen Küste einpegle.

Dabei liege die Ostsee mit 700 Einsätzen in Schleswig-Holstein und rund 500 in Mecklenburg-Vorpommern leicht über der Zahl der Rettungsaktionen an der Nordsee. Dort wurden in Niedersachsen und Schleswig-Holstein nur 882 Einsätze registriert. Hinzu kämen etwa 2600 Kontrollfahrten im Jahr.

Unter dem Motto „Sicher auf See“ wendet sich die DGzRS mit einem neuen Angebot verstärkt an Wassersportler – Segler, Motorbootfahrer, aber auch Trendsportler: Die kostenlose Sicherheits-App „SafeTrx“, die man runterladen kann. Und so funktioniert die App: Man zeichnet über das Mobiltelefon die Route des Wassersportlers auf und ermöglicht der Seenotleitung der DGzRS in Bremen im Notfall den direkten Zugriff. „Mit Hilfe der App konnten schon aufwendige Rettungsaktionen vermieden werden“, sagt Antke Reemts. Und der Segler oder Paddler fühlt sich auch sicherer.

Open Ship: Viele Neugierige auf der „Hertha Jeep“

Noch am Freitagnachmittag war das Rettungsboot der DGzRS „Hertha Jeep“ vom Stralsunder Hafen aus zu einem sechsstündigen Einsatz draußen. Aber gestern lag das Boot wieder an seinem angestammten Platz neben dem Hafenkapitänshaus. Die Open-Ship-Möglichkeit zum Tag der Seenotretter am Sonntagvormittag musste also nicht ins Wasser fallen, weil sich das gesamte Team ausreichend Zeit für die Gäste an Bord nehmen konnte. Die „Hertha Jeep“ wurde 1999 in Dienst gestellt und ist für den Einsatz südlich der Insel Rügen, im Strelasund und im Greifswalder Bodden zuständig. Die erste Frage der Besucher war immer wieder, wann der letzte Einsatz des Seenotretter-Schiffes war und die Antwort darauf konnte Professor Joachim Venghaus von der Hochschule Stralsund geben, weil er am Freitag Dienst hatte. „Wir wurden am Freitagnachmittag zum teilweise sehr flachen Vierenehl-Grund südöstlich von der Insel Bock gerufen, wo ein Motorboot auf Grund gelaufen war“, erzählte der Maschinenbau-Experte, der als Freiwilliger die Reihen der Seenotretter verstärkt.

Der diensthabende Bootsführer Stephan Strobel berichtete, dass derzeit nur etwa zehn der 25 ehrenamtlichen Stralsunder Seenotretter auch Bereitschaftsdienste übernehmen können. „Wir suchen dringend Helfer, die unsere Einsätze unterstützen könnten“, so Strobel, der als zweifacher Familienvater einen Großteil seiner Freizeit für das Ehrenamt opfert. Christian Rödel

Alles über Seenotretter

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben hält sie rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf 54 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten einsatzbereit – rund um die Uhr, bei jedem Wetter.

2000 Einsätze fahren die Retter pro Jahr, koordiniert von der Seenotleitung in Bremen. Die gesamte unabhängige und eigenverantwortliche Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert, ohne Steuergelder.

800 Seenotretter sind bei der DGzRS freiwillig tätig. Menschen, die an der Küste leben und im Alltag einem normalen Beruf nachgehen. Im Notfall sind sie sofort einsatzbereit. Ohne die ehrenamtlich tätigen Seenotretter wäre eine flächendeckende Seenotrettung nicht möglich.

Seit Gründung der DGzRS 1865 haben ihre Besatzungen mehr als 84500 Menschen aus Seenot gerettet oder aus drohenden Gefahren befreit. Schirmherr der Seenotretter ist der Bundespräsident.

68 644 Seemeilen haben die Helfer bei Such- und Rettungasktionen sowie bei Kontrollfahrten auf Nord- und Ostsee 2017 zurückgelegt. 201-mal half man der internationalen Schifffahrt.

Kostenlos für den Betroffenen sind all jene Einsätze, die jemanden aus einer Notlage oder Gefahrensituation befreien. Hat ein Segler oder Bootsführer technische Probleme (oder ist der Sprit alle), sind zwischen 200 und 400 Euro fällig.

Neun Stationen machten mit

Stralsund. Um Einblick in ihre Arbeit zu geben, hatten die Retter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger gestern zum Tag der Seenotretter eingeladen. Das war schon die 20. Veranstaltung dieser Art. In Stralsund war am Hafen jede Menge los.

Doch auch an acht anderen Orten entlang der Ostseeküste konnte man die Besatzungen der Rettungsboote oder -kreuzer mit Fragen löchern, die Technik erkunden und Rettungsübungen verfolgen. Am Darßer Ort hieß es „Open Ship“ auf dem Seenotrettungskreuzer „Theo Fischer“, der oft auch in Barhöft liegt.

Ines Sommer

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