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Sexy Trachten und fetzige Musik: Folklore soll moderner werden

Ribnitz-Damgarten Sexy Trachten und fetzige Musik: Folklore soll moderner werden

Folklore-Tanzlehrer für Schulen werden in Ribnitz-Damgarten ausgebildet / Holger Hurtigs Ideen schafften es in das neue Landesheimatprogramm

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Die Tänzer des Richard-Wossidlo-Ensembles Britt Schmidt und Frank Krüger.

Quelle: Carolin Riemer

Ribnitz-Damgarten. Kellner tragen künftig mecklenburger Trachten bei der Arbeit. Und Folkloretanz wird in der Schule unterrichtet: Als Holger Hurtig, Chef des Richard-Wossidlo-Ensembles in Ribnitz-Damgarten, seine Ideen Bildungsminister Mathias Brodkorb vorstellte, nahm dieser sie kurzerhand ins neue Landesheimatprogramm auf. Ab dem kommenden Jahr werden Lehrer aus ganz MV dann in Ribnitz-Damgarten von den Tänzern des Richard-Wossidlo-Ensembles lernen, wie sie den Kindern die einheimischen Tänze beibringen können.

Die jungen Leute

können ihre Vorstellungen und Wünsche bei einem Modewettbewerb einfließen lassen und die Trachten sozusagen entstauben.“Holger Hurtig, Chef des Richard-Wossidlo-

Ensembles in Ribnitz-Damgarten

„Volkstanz ist die ideale Möglichkeit, Sport, Gedächtnis und das soziale Miteinander zu schulen“, erklärt Hurtig. Mindestens einen Tanz pro Jahr sollen die Grundschüler erlernen. An den Rahmenplänen wird bereits gearbeitet. Aber der Tanz-Chef will die Kinder nicht mit Folklore-Musik nerven, die ihnen nicht gefällt. Nein, die Schüler sollen die Möglichkeit bekommen, die etwas aus der Mode geratenen Klänge aufzupeppen und ihre Interessen einfließen zu lassen. „Sie können beispielsweise ihre Lieblingsmusik selbst hinterlegen. Nur wenn ihnen die Musik gefällt, sie schneller und fetziger wird, haben sie auch Spaß am Tanz.“ Die soziale Dynamik und der Spaß am gemeinsamen Tanzen habe bislang noch jeder Tänzer gespürt. „Wenn die Musik gefällt, kommt der Spaß von allein.“

Der neue Unterricht biete etliche Möglichkeiten, erläutert Holger Hurtig: „Schulen könnten dann Tanzveranstaltungen oder Wettbewerbe organisieren.“ Und ganz nebenbei wird die Kultur wiederbelebt und aufgefrischt.

Nicht nur das Konzept steht bereits, es wurden auch schon Fördermittel von Bildungsminister Brodkorb zur Verfügung gestellt.

Auch die altmodischen Trachten will der Landesheimatverband, in dem Holger Hurtig im Vorstand sitzt, attraktiver gestalten. Zusammen mit Studenten von der Hochschule Wismar arbeitet Hurtig bereits an den ersten modernen Kleidern. Als erstes Modell bearbeiten sie die Poeler Tracht. Die neuen Kleider orientieren sich zwar an den Originalen und sollen auch noch als regionale Trachten zu erkennen sein. Allerdings schwebt den Schöpfern eine attraktivere Gestaltung vor. Sie sollen auch ein wenig sexy werden. Altbacken war gestern. „Die jungen Leute können ihre Vorstellungen und Wünsche bei einem Modewettbewerb einfließen lassen und sie sozusagen entstauben“, sagt Hurtig, der weiß: „Die neuen Kreationen sind erst dann geglückt, wenn in MV niemand mehr ein bayrisches Dirndl zum Oktoberfest trägt, sondern die heimischen Trachten.“ Als Arbeitskleidung in Restaurants und Hotels könnten sie dann getragen werden. Hurtig würde sich freuen, wenn gastronomische Einrichtungen Interesse an der Idee zeigen. „Der Tourismusverband zeigte sich gegenüber den Ideen jedenfalls sehr aufgeschlossen.“

Bildungsminister Brodkorb wolle sogar Stardesigner Wolfgang Joop mit ins Boot holen, erzählt Hurtig. „Weil die Marke Joop für sich spricht und die Modelle eventuell davon profitieren.“ Ob die Zusammenarbeit wirklich zustande kommt, sei jedoch noch unklar.

Meine Heimat – mein modernes Mecklenburg-Vorpommern

Das Landesheimatprogramm „Meine Heimat – mein modernes Mecklenburg-Vorpommern“ der Landesregierung wurde im April vorgestellt. Das Programm ist für den Zeitraum von 2016 bis 2020 geplant und mit sechs Millionen Euro ausgestattet. Sie sollen in Kindertagesstätten, Grund- und weiterführende Schulen, Universitäten und Kultureinrichtungen fließen.

In Kindertagesstätten sollen niederdeutsche Sprachförderung und Heimatpflege verbindlich in den Bildungskonzeptionen verankert werden.

Dafür wird unter anderem jede

Einrichtung mit einer sogenannten

Heimatkiste ausgestattet.

An Grundschulen sollen mehr

Themen mit Bezug zur Regional-

und Landesgeschichte und zum Brauchtum der Region behandelt

werden. Außerdem werden regionale und internationale Tänze in den

Sportunterricht integriert.

An weiterführenden Schulen soll

Niederdeutsch ab der 7. Klasse

anstelle einer zweiten Fremdsprache angeboten werden. An vier noch

nicht feststehenden Gymnasien oder Gesamtschulen im Land bekommen Schüler die Möglichkeit, ein

niederdeutsches Abitur abzulegen.

An der Universität Greifswald

wird ein „Kompetenzzentrum für

die Didaktik des Niederdeutschen“

aufgebaut, um Lehrer auf die neuen Inhalte vorzubereiten. An der Rostocker Universität soll geprüft werden, ob ein Beifach Niederdeutsch im Lehramtsstudium eingerichtet werden kann.

Carolin Riemer

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