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Stralsund Sie schwimmt: Stapellauf für „Sankta Maria II“
Vorpommern Stralsund Sie schwimmt: Stapellauf für „Sankta Maria II“
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00:00 21.10.2017
Die weltweit erste vollelektrische Autofähre für Binnengewässer wurde gestern in Stralsund zu Wasser gelassen. Das 1,5 Millionen Euro teure Schiff fährt künftig auf der Mosel – emissionsfrei. Quelle: Fotos: Alexander Müller (2)/marlies Walther (2)
Stralsund

„Sankta Maria II“ – die von den Stralsunder Firmen Formstaal und Ostseestaal gebaute weltweit erste vollelektrische Autofähre für Binnengewässer erlebte gestern ihren Stapellauf.

Die von den Firmen Formstaal und Ostseestaal gebaute Elektrofähre fährt künftig auf der Mosel zwischen Deutschland und Luxemburg

Kurz nach 9 Uhr: Gerade hängen die 52 Tonnen Schiffsmasse noch am Haken des großen Krans auf dem Gelände der MV Werft. Wenig später senkt sich die Autofähre und setzt geschmeidig auf die Wellen des Strelasunds auf.

„Es ist immer ein aufregender Moment, wenn ein Schiff zu Wasser gelassen wird. Denn dann sehen wir, ob alles funktioniert, alles dicht ist“, sagt Ingo Schillinger, Verkaufsmanager bei Formstaal/Ostseestaal und zuständig für die Elektroschiffe.

„Mit der Mosel-Fähre bringen wir das dritte Elektro-Solarschiff in diesem Jahr zum Abschluss“, so Schillinger erfreut. Im Einsatz sind bereits auf den Berliner Gewässern ein Tagungs- und Seminarboot und ein Fahrgastschiff für die Weiße Flotte. Betrieben werden die Schiffe ausschließlich mit solarer Energie und Batteriestrom.

Das Schauspiel des Stapellaufs ließen sich die Auftraggeber aus Rheinland-Pfalz gestern nicht entgehen. „Wir haben das Schiff ja schon auf Zeichnungen gesehen. Deshalb waren wir sehr gespannt auf das Original“, sagt Ortsbürgermeister Andreas Beiling (CDU) aus Oberbillig. Der 55-Jährige ist mit weiteren Gemeinderatsmitgliedern und dem künftigen Steuermann Martin Schreiner nach Stralsund gereist.

„Das ist ein wunderschönes Schiff. Mal was Neues“, sagt der 59-Jährige und kann es kaum erwarten, dass die Fähre an der Mosel ankommt.

Die 28 Meter lange Fähre, kann pro Fahrt 45 Fahrgäste und sechs Autos über die Mosel bringen und wird zwischen Oberbillig (rund 1000 Einwohner) in Deutschland und Wasserbillig (rund 2300 Einwohner) in Luxemburg eingesetzt. 120 Meter lang ist die Strecke über den Fluss. So dauert die Fahrt gerade mal zwei Minuten. Die Fähre sei nicht nur ein touristischer Anziehungspunkt, sondern habe vor allem auch große Bedeutung für die vielen Pendler, die das Schiff auf dem Weg zur Arbeit nutzen. Die bisherige Fähre ist inzwischen 51 Jahre in Betrieb. Deshalb habe man sich für den Neubau entschieden. Pläne dafür gibt es bereits seit dem Jahr 2004. Nach einer europaweiten Ausschreibung habe ziemlich schnell festgestanden, dass der Auftrag nach Stralsund geht. „Wir kannten die Firma vorher nicht, aber das Angebot hat uns überzeugt“, sagt Beiling. Terminlich sei es jetzt nahezu eine „Punktlandung“ geworden. Die Zusammenarbeit war immer „vertrauensvoll und offen“, sagt Beiling.

„Mit dem Neubau dieser modernen, strombetriebenen Fähre werden rund 14 000 Liter Diesel im Jahr eingespart. Vor allem werden auch die Abgas- und Lärmemissionen deutlich reduziert“, nennt Andreas Beiling die Vorteile.

Das Schiff kostet laut Beiling netto 1,5 Millionen Euro. Finanziert wird die Fähre gemeinsam von den Gemeinden Oberbillig und Wasserbillig aus Rücklagen, mit Hilfe von EU-Fördermitteln in Höhe von 660 000 Euro und über Kredite. Übergeben werden soll der Neubau vom Sund nach Probefahrt und endgültiger Fertigstellung am 21. November. Vier Tage später ist dann die Schiffstaufe geplant. An die Mosel gelangt die „Sankta Maria II“ Huckepack mit einem Binnenschiff. Diese Tour wird insgesamt 15 Tage dauern.

Um Elektro-Solarschiffe wirtschaftlich betreiben zu können, müssen diese besonders leicht gebaut sein“, schildert Ingo Schillinger. Da sei es den Konstrukteuren mit den Erfahrungen aus den vorangegangenen Projekten gelungen, eine Reihe innovativer Lösungen zu verwirklichen. Zum Beispiel seien neuartige Lithium-Polymerbatterien, eine verbesserte E-Ladetechnik und neu entwickelte Elektromotoren integriert worden.

Die Fähre ist mit insgesamt vier Elektromotoren ausgestattet. Erstmals sind sie im Schiffsrumpf so eingebaut worden, dass man sie auch wieder ausbauen kann, ohne das Schiff aus dem Wasser heben zu müssen. „Unsere Fähren benötigen im Vergleich zu konventionellen Schiffen ein Viertel der Antriebsleistung“, hebt Schillinger hervor. Bisher sind von Formstaal/Ostseestaal zehn Elektro-Solarschiffe gebaut worden. „Unser Antrieb ist die Sonne“, sagt Geschäftsführer Dr. Thomas Kühmstedt.

Umweltfreundlich mit 7 km/h unterwegs

Die Elektro-Solar-Autofähre ist 28 Meter lang und 8,90 Meter breit. Die „Dienst-Geschwindigkeit“ beträgt 7 km/h. Maximal kann die Mosel-Fähre 13 km/h fahren.

45 Personen und sechs Autos können pro Fahrt transportiert werden. Auf dem Dach befinden sich 15 Solarmodule. Die Batterie–Kapazität beträgt 252 kWh. Derzeit

befinden sich 14 weitere Elektro-Solarschiff-Projekte für den deutschen Binnenschifffahrtsmarkt in Planung. Anfragen gibt es auch aus Italien und den Niederlanden. Gute MarktChancen sieht das Unternehmen auch im Nahen Osten.

Umgesetzt werden die Projekte von Formstaal und Ostseestaal, die im Verbund einen Jahresumsatz von 25 Millionen Euro erwirtschaften.

Marlies Walther

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