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Singakademie auf Frühling eingestimmt

Stralsund Singakademie auf Frühling eingestimmt

Traditionsreicher Chor bereitet Programm mit Stücken, ausschließlich von Frauen komponiert, vor

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Kirchenmusiker Benjamin Saupe (r.) leitet die Stralsunder Singakademie seit 2013.

Quelle: Foto: Marlies Walther

Stralsund. Der Frühling, der Frühling, der Frühling wird wach! Also wenn es nach den Mitgliedern der Singakademie geht, die immer mittwochs um 19 Uhr im Schwesternheimathaus für die nächsten Konzerte proben, dann dauert es nicht mehr lange, bis der Winter vorbei ist. Sehnsuchtsvolle Akkorde erklingen: Kräftig tönt es vom Fink und vom Frosch oder von „Glöckchen aus schmelzendem Eis“, die ihre Röckchen halb grün und halb weiß schütteln.... „Gar nicht so schlecht“, lobt Chorleiter Benjamin Saupe.

Mit viel Leidenschaft treffen sich 51 Sänger zwischen 19 und 76 Jahren, um gemeinsam die unterschiedlichsten Werke einzustudieren. 2013 hat der Greifswalder die Leitung des Ensembles aus den Händen des langjährigen Chorchefs Günther Wolf übernommen, weil es „ein guter Job ist“, wie der 34-Jährige sagt. Der Kirchenmusiker wirkt in Rostock in der Kirche zum Heiligen Geist. In Greifswald gibt er Klavierstunden. Als Organist begleitet er Gottesdienste in Altefähr auf Rügen. Und als Komponist wirkt er auch. In der Chorleitung sieht er „eine schöne Möglichkeit, sich künstlerisch auszuleben.

Vor allem, wenn man einen Chor hat, der alles mitmacht“, wie er lachend sagt.

Mit dem Ensemble, das im nächsten Jahr seinen 40. Geburtstag feiert, möchte er verschiedene künstlerische Ideen und Projekte umsetzen. Dazu gehört in diesem Jahr die Aufführung eines Programms, das von Werken bestimmt wird, die ausschließlich von Frauen geschaffen wurden – von der Romantik bis zur zeitgenössischen Musik.

„Komponistinnen sind in der Musikgeschichte nicht so prägnant“, sagt Benjamin Saupe. Deshalb gebe es auch gar nicht so viel überlieferte Musik in dieser relativ kleinen Sparte. „Wir sind froh, dass wir doch ganz schöne Sachen gefunden haben“, findet der Chorleiter. Ausgewählt hat er Stücke von Fanny Hensel. Dabei handelt es sich um die Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Mit dabei sind außerdem Clara Schumann und die Greifswalderin Luise Greger. Auf der Suche sei man noch nach Werken der Rügener Komponistin Gustava Bley, die Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts komplette Chorwerke veröffentlicht hat. „Vielleicht weiß ja jemand aus der Region mehr darüber oder hat sogar noch Notenmaterial“, hofft Benjamin Saupe auf Unterstützung. Zu den zeitgenössischen Komponistinnen zählen Sylke Zimpel aus Dresden und Lotte Backes aus Berlin – über sie hat Saupe seine Diplomarbeit geschrieben.

Die Premiere ist für den Sommer in Stralsund geplant. Aufführungen sind danach in Kirchen in Rostock, Altefähr, Niepars oder Prerow vorgesehen. Das neue Projekt kommt bei den Chormitgliedern bestens an, auch wenn es sich um komplett unbekannte Lieder handelt.

„Es sind alles wunderschöne Sachen, die sich sehr gut singen“, wie Elke Fildebrandt findet. Die 64-jährige Neuhoferin ist seit zehn Jahren Mitglied der Singakademie. Über eine Annonce war die Finanzbuchhalterin zu dem Ensemble gekommen, in dem sie nun auch Schatzmeisterin ist. Seit 2014 verstärkt Adolf Gröger (66) aus Zansebuhr das Ensemble. Der gebürtige Gütersloher singt bereits seit seinem 9. Lebensjahr in verschiedenen Chören. Als er in den Norden gezogen war, hat ihn eine Nachbarin zum Mitmachen animiert.

Auch Dorit Günther begann ihre Chorkarriere mit neun Jahren. Als die Dresdnerin kürzlich nach Stralsund kam, hat sich die Mutter von vier Kindern im Alter von 27, 19, 7 und 4 Jahren zu allererst wieder einen Chor gesucht, „um Kontakt zu knüpfen – und weil man in der Gemeinschaft für sich etwas Gutes tut“, so die 46-Jährige. Ingelore Melzer (67) hat sowohl beruflich als auch in ihrer Freizeit einen großen Teil ihres bisherigen Lebens in Berlin mit Chormusik verbracht. Bei ihr hat man „offene Türen eingerannt“, als vor zwei Jahren für die Aufführung von „Carmina Burana“ noch verstärkende Stimmen gesucht wurden.

Was alle eint, ist die Freude auf das neue Programm. Und alle haben auch noch so ihre Träume: Benjamin Saupe würde gern mal ein großes Werk speziell für seinen Chor schreiben. Alfred Gröger kann sich „Canto General“ von Mikis Theodorakis vorstellen. Ingelore Melzer möchte gern Mozarts „Vesperae solennes de confessore“ singen. Dorit Günther bringt internationale Volkslieder ins Spiel. Und Elke Fildebrandt schwebt wieder einmal Beethovens 9. Sinfonie mit dem Theater vor.

Noten von Gustava Bley

Der Konzertchor wurde 1979 zur Unterstützung des Theaters Vorpommern bei großen Opernaufführungen und chorsinfonischen Werken gegründet und erhielt 1989 den Ehrentitel „Singakademie“. Seit 2015 arbeitet der Chor als Verein.

Auf der Suche ist die Singakademie nach Noten der Komponistin Gustava Bley (1844-1930), die in Bergen auf Rügen geboren wurde. Sie lebte vorübergehend in Berlin und hat dort beim Musikverlag Adolph Fürstner veröffentlich. Der Chor ist sehr an Hinweisen auf den Verbleib von Noten interessiert.

Das Ensemble freut sich immer über junge und neue Mitglieder, insbesondere in den Stimmlagen Alt, Tenor und Bass.

Marlies Walther

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