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Spaß in Altefähr für Tschernobyl-Kinder

Stralsund Spaß in Altefähr für Tschernobyl-Kinder

Die jungen Feriengäste aus Weißrussland werden am Sund bestens betreut und genießen die Erholungswochen

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Mit Fingerfarben durften die 41 Kinder aus Weißrussland gestern am Altefährer Strand einen alten Opel bunt bemalen.

Quelle: Fotos: Christian Rödel

Stralsund. Die verheerenden Auswirkungen des Reaktorunglücks von Tschernobyl vor 30 Jahren sind bis heute zu spüren, denn etwa 70 Prozent der so genannten radioaktiven Wolke regneten sich damals über Weißrussland ab. Die enorme Verstrahlung der dort lebenden Menschen hat für ihre Nachkommen bis heute schreckliche Folgen: Unzählige Kinder aus Belarus leiden an Krebserkrankungen und haben kaum Chancen auf einen positiv verlaufenden Heilungsprozess.

OZ-Bild

Die jungen Feriengäste aus Weißrussland werden am Sund bestens betreut und genießen die Erholungswochen

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Damit zumindest einem kleinen Teil der betroffenen Kinder geholfen werden kann, engagiert sich der Stralsunder Verein „Tschernobyl-Hilfe“ seit 26 Jahren für die jüngsten Opfer, indem er ihnen einen Aufenthalt an der Ostsee ermöglicht.

Seit einer Woche sind wieder 41 weißrussische Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren in Stralsund zu Gast, wo sie im Berufsförderungswerk (BfW) auf der Schwedenschanze beherbergt werden. Gestern verlebten die jungen Gäste aus der Stadt Mozyr (150 Kilometer südlich von Tschernobyl) in Begleitung von sieben erwachsenen Betreuern einen erlebnisreichen Tag am Strand von Altefähr.

„Die Kinder dürfen hier endlich auch mal wieder Kinder sein, weil viele von ihnen zu Hause arbeiten müssen, um zur Existenzsicherung ihrer Familien beizutragen“, sagte Regina Deutscher, die den Stralsunder Verein gegründet hat.

Unter den vielen fröhlich spielenden Kindern fällt die zehnjährige Anja Owscharenko auf, die meist von der Gruppe entfernt etwas abseits sitzt. In Minsk hat das Mädchen gerade eine Chemotherapie über sich ergehen lassen müssen, die eine Tortur für den kleinen Körper gewesen sein muss.

Die Leukämie-Erkrankung von Anja wies einen besonders schweren Verlauf auf. Ihre Mutter Natascha (37) konnte die mehrwöchige Therapie nicht aus eigener Tasche bezahlen und musste einen Kredit aufnehmen. Umgerechnet 10 Euro kostet ein Behandlungstag. Der weißrussische Staat unter Führung des selbstherrlichen Diktators Alexander Lukaschenko unterstützt Eltern von schwer kranken Kindern nach Aussage von Regina Deutscher in keiner Form. Im Gegenteil: Der Präsident versuche sogar, die Urlaubsreisen von krebskranken Kindern nach Deutschland zu verhindern, weil sie angeblich der westlichen Ideologie anheim fallen könnten.

Ein unglaublicher Zynismus angesichts der geringen Lebenserwartung dieser Kinder! Doch Regina Deutscher und ihre Mitstreiter wie Sylvia Beyer aus Altefähr lassen sich von derlei Schwierigkeiten nicht entmutigen und helfen, so gut sie können. Die 1600 Kilometer lange Fahrt mit einem komfortablen Reisebus hat der Verein komplett mit Hilfe von Spendengeldern bezahlen können. „Der finanzielle Kraftakt hat sich wieder gelohnt, denn die Kinder freuen sich über die für uns selbstverständlichen Dinge“, so Regina Deutscher, die mit Sylvia Beyer ein altes Auto besorgt hatte, das die Kinder gestern am Strand mit bunten Fingerfarben gestalten konnten. „Wir haben Wunderkerzen entzündet. Die Kinder kamen aus dem Juchzen gar nicht mehr heraus“, erzählte Sylvia Beyer, die mit ihrem Mann, dem Betreiber vom Altefährer Hafen-Imbiss „Hol’ über“, für Grillwürste und Getränke gesorgt hatte. In den nächsten zwei Wochen wollen die Kinder noch weitere Ausflüge nach Rügen und in den Hansedom unternehmen.

Christian Rödel

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