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Glanzzeiten: Hantelrecken vom Sund scheffelten Edelmetall

Prohn Glanzzeiten: Hantelrecken vom Sund scheffelten Edelmetall

Helmut Losch, Jürgen Heuser, Andreas Behm und Mario Kalinke aus der Kaderschmiede von BSG Motor und TSV 1860 einst auf der olympischen Heberbühne erfolgreich

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Der 1947 in Barth geborene Helmut Losch war für Motor Stralsund zweimal bei Olympia: 1972 in München belegte er im Schwergewicht Platz 4. 1976 klappte es in Montreal im Superschwergewicht mit Bronze. Er starb 2005 nach einem Herzinfarkt.

Prohn. Wenn die sportbegeisterten Stralsunder in diesen Tagen Olympia in Rio verfolgen und bei der Übertragung mal eine Sequenz vom Gewichtheben erhaschen, wird sicher so manchem weh ums Herz. Die Glanzzeiten des deutschen und des Stralsunder Hantelsports sind vorbei. Scheffelten die Sportler einst Medaillen en mass, müssen sich die Recken heute über Platz 10 freuen.

OZ-Bild

Helmut Losch, Jürgen Heuser, Andreas Behm und Mario Kalinke aus der Kaderschmiede von BSG Motor und TSV 1860 einst auf der olympischen Heberbühne erfolgreich

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Das ist zwar auch eine sportliche Höchstleistung – mit der hätte sich aber zu DDR-Zeiten kein Mensch zufriedengegeben. „Natürlich wollten wir eine Medaille, dafür haben wir hart trainiert, auf vieles verzichtet und alles gegeben. Da war der eiserne Wille entscheidend. Der fehlt mir heute manchmal bei den Athleten“, sagt Andreas Behm. Und er weiß, wovon er spricht. „Wir haben jeden Tag in der Halle gestanden. Und gemeinsam mit dem Trainer Uwe Ihde haben wir es hinbekommen, genau zum Wettkampf topfit zu sein. Wir hatten gelernt, im entscheidenden Moment alles abzurufen. Das war aus meiner Sicht der Schlüssel zum Erfolg.“

Und Erfolg hatte der Stralsunder, der einst auf der Werft Schiffbauer wurde. Von 1971 bis 2000 holte der heute 53-Jährige 38 internationale Medaillen und ist damit der erfolgreichste Gewichtheber Deutschlands. 21 DDR-Rekorde hat er geknackt, zweimal setzte er sich die EM-Krone im Leichtgewicht auf, und er wurde mit dem TSV 1860 2000 noch einmal Deutscher Mannschaftsmeister. Doch der größte Coup gelang ihm nach der Wende: Bei den Olympischen Spielen in Barcelona 1992 erkämpfte sich Andreas Behm die Bronze-Medaille.

Sein zweiter Olympia-Start führte den heutigen Bürokaufmann 1996 nach Atlanta, wo er Zehnter wurde. „Da gab es schon ganz andere Sicherheitsvorkehrungen als in Europa. Nur mit Handabdruck wurden wir zur Pressekonferenz reingelassen.“ Und er habe immer darauf geachtet, dass er pünktlich überall hinkommt. „Man muss die Wege bedenken, und ich hasse Hektik. Ich hab mir auch die stundenlange Warterei zur Eröffnungsfeier nicht angetan. Andere waren so knülle, dass sie ihre Leistungen nicht abrufen konnten. Das sind alles Dinge, die man im Fernsehen nicht sieht.“ Zum Thema Doping sagt Andreas Behm, der seit Jahren im Stralsunder Sportamt arbeitet: „Wir wurden national und international ständig getestet. Ich frage mich, warum das heute nicht bei allen gehen soll. Ich hoffe, dass der Sumpf jetzt mal ausgehoben wird. Wir haben uns früher schon gewundert, dass Heber, die plötzlich aus der Versenkung auftauchten, 30 Kilo mehr gemacht haben als wir...“

In Atlanta stand neben Behm noch ein Stralsunder auf der Heberbühne: Mario Kalinke. Der Junioren-Weltmeister landete mit 390 Kilo auf Platz 9 im 2. Schwergewicht.

Für Furore sorgten natürlich auch die schweren Jungs der einstigen BSG Motor Stralsund. Zwei gebürtige Barther mischten da die Konkurrenz auf. 1972 war Helmut Losch in München dabei. Im Schwergewicht reichten 547,5 Kilo aber nur für Platz 4. Vier Jahre später klappte es dann in Montreal mit dem ersehnten Edelmetall. Für 387,5 Kilo bei den Superschweren wurde Losch mit Bronze belohnt. Silber bei Europa- und Weltmeisterschaften sammelte er ebenfalls. Der Schiffbauer, der zum Schluss in der Stralsunder Behindertenwerkstatt arbeitete, starb 2005 nach einem Herzinfarkt.

Pünktlich zu den nächsten Spielen 1980 in Moskau hatte die Stralsunder Heber-Kaderschmiede den nächsten Athleten am Start: Jürgen Heuser stieg nach einer Zweikampfleistung von 410 Kilo bei den Superschweren aufs Silberpodest – hinter dem Russen Sultan Rachmanow mit 440 Kilo. Bei Weltmeisterschaften sammelte er den kompletten Medaillensatz, bei Europameisterschaften kamen Silber und Bronze dazu. Heute lebt Jürgen Heuser auf dem Darß.

Bob-Anschieber holte Olympia-Titel

Sektkorken knallten an einem Februarmorgen 2002 in Knieper West, als der Stralsunder Carsten Embach in Salt Lake City den Lange-Vierer-Bob zum Olympia-Sieg schob. Die Eltern Cordula und Siegmund Embach hatten das Rennen im Eiskanal über alle vier Läufe verfolgt. Gänsehaut-Feeling pur, denn schon in der Nacht klingelte sich das Telefon heiß. Ganz Stralsund gratulierte zum „Gold-Jungen“.

Der Titel war natürlich was ganz Großes für den damals 33-Jährigen. Doch schon Jahre zuvor sorgte Carsten Embach, der ab 1975 in der Karl-Liebknecht-Schule lernte und später zur Sportschule nach Potsdam ging, für Geschwindigkeit als Anschieber. 1992 kam der Sportler zum Bobsport. WM- und EM-Medaillen im Vierer-Bob von Wolfgang Hoppe waren der Lohn für den einstigen DDR-Meister im Weitsprung.

Reichte es mit der Hoppe-Crew 1994 in Lillehammer „nur“ für den Sprung aufs Bronzetreppchen, gelang dann acht Jahre später der große Coup. „Ich bin dankbar für diese Zeit, toll, was man als Sportler erleben durfte. Ja, wir haben hart trainiert, aber wir haben auch den Lohn dafür bekommen“, sagt der Mann, der nach dem Ausstieg aus dem Bob auf die Trainerbank wechselte. Auch diese Zeit möchte er nicht missen.

Mittlerweile ist Carsten Embach Sportfunktionär beim Deutschen Olympischen Sportbund. „Ich bin viel unterwegs, fahre jetzt zum Beispiel nach Riga für den Eishockeyverband. Aber auch für den Bob- und Schlittenverband gehe ich in die Spur. Da wird jetzt schon Olympia 2018 in Südkorea vorbereitet.“ Er sehe es als Privileg, im Sport zu arbeiten.

Carsten Embach, Vater einer 17-jährigen Tochter, lebt heute in der Nähe von Potsdam, kommt aber immer wieder gern in die Heimat. „Klar, durch die vielen Reisen bin ich seltener in Stralsund.“

iso

Das waren noch Zeiten...

6 olympische Medaillen holten Sportler aus Stralsund und Umgebung in den letzten sechs Jahrzehnten nach Hause.

Gold und Bronze durfte sich Bob-Anschieber Carsten Embach 2002 und 1994 umhängen.

Aufs Bronze-Treppchen stieg Gewichtheber Andreas Behm 1992. Bronze steuerte Heber-Kollege Helmut Losch 1976 bei, Jürgen Heuser eroberte 1980 das Silberpodest der Gewichtheber-Konkurrenz.

56 Jahre ist es her, als der damals 30-jährige Walter Krüger, der bei Traktor Schwerin trainierte, in Rom im Speerwerfen Silber erkämpfte. Eigentlich hatte der gebürtige Hohendorfer bei der SG Groß Mohrdorf Handball gespielt, dann fiel er durch starke Wurfleistungen auf – und wurde ans Leistungszentrum nach Schwerin delegiert. Dort wurde er von Lothar Hinz trainiert.

38 Medaillen holte der Stralsunder Andreas Behm, der heute im Sportamt der Stadtverwaltung arbeitet, auf der Heberbühne. Er ist damit der erfolgreichste deutsche Gewichtheber aller Zeiten. Trainiert wurde er bei der BSG Motor von Uwe Ihde und beim TSV 1860 von Olaf Gammelin.

Gewichtheben international findet in Stralsund zwar nicht mehr statt (die OZ berichtete), aber vielleicht schaffen es ja andere Sportarten, diese schmerzliche Lücke zu schließen...

Speer 1960 in Rom zu Silber geworfen

Da stockte der Konkurrenz der Atem. Mit 78,81 Metern mühelos in die Endrunde gekommen, legte Walter Krüger im letzten Finalwurf noch eine Schippe drauf, feuerte den Speer in den Himmel und sicherte sich mit 79,36 Metern die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom. „Das war ein Knaller, denn damit hatte keiner gerechnet“, so der 86-Jährige.

Im Stadion hätten viele DDR-Bürger gesessen, die ordentlich Krawall gemacht haben. „Da war Stimmung in der Bude. Alle Leichtathleten wurden laut angefeuert.“ Den Empfang in der Heimat wird Walter Krüger auch nie vergessen. „Wir wurden mit offenen Autos vom Flughafen Schönefeld abgeholt und zum Ministerium gebracht. Die ganze Strecke lang standen die Menschen, haben uns zugejubelt und Blumen geworfen. Das war einfach unbeschreiblich schön“, erinnert sich der gelernte Landwirt gern an diese Zeit. Staatschef Walter Ulbricht persönlich habe ihm dann die Hand geschüttelt und ihm gedankt.

Außerdem gab es den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze. In Schwerin, wo der Sportler trainierte, standen 7500 Leute auf dem Marktplatz und begrüßten die Olympioniken. Ehefrau Helga, die die drei Kinder betreute, hatte das Wohnzimmer voll mit Gratulanten, und auf dem Hof trafen sich alle zum Feiern – wie bei einem Volksfest.

1962, als er schon mit einem Olympia-Start in Tokio liebäugelte, zwang ihn eine schlimme Ellenbogenverletzung zum Aufhören. „Ich war erst Trainer in Rostock, dann sind wir nach Wendisch Langendorf zurückgezogen, und ich habe an der Berufsschule als Lehrer gearbeitet. Erst vor ein paar Wochen sind die Krügers, die bald diamantene Hochzeit feiern, nach Prohn gezogen. „Der große Hof wurde uns einfach zuviel. Jetzt genießen wir mal das Leben“, sagt Walter Krüger. iso

Ines Sommer

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