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Greifswalder Flaggschiff feiert Geburtstag

Greifswald Greifswalder Flaggschiff feiert Geburtstag

Heute vor 65 Jahren ging die „Greif“ auf Jungfernfahrt / Mitsegler fühlen sich an Bord wie in einer Familie

Greifswald. Im Winter, wenn ihn daheim die Sehnsucht plagt, greift Jan Makowski manchmal zu einer kleinen Dose mit einem Türkenbund. „Der Zierknoten riecht nach Labsal“, erklärt der 60-jährige Hamburger, „genau so, wie wir es hier auf der ,Greif’ zur Konservierung verwenden“, fügt er hinzu.

Starke Seebären können auch sentimental sein. Erst recht, wenn sie in ihrer Freizeit als Hand-für-Koje-Segler (HfK) stets auf demselben Schiff anheuern und ihre „Grande Dame“ nun das Rentenalter erreicht: Heute vor 65 Jahren ging die „Greif“ auf Jungfernfahrt. Damals wurde sie auf den Namen „Wilhelm Pieck“ getauft. Denn der erste Präsident der DDR vermachte das Schiff der Jugend, nachdem ihm der Segler zum 75. Geburtstag geschenkt wurde. Werktätige des Landes hatten zuvor für den Bau eine Million Mark gestiftet. Pieck indes wollte, dass das Segelschulschiff der Ausbildung junger Menschen dient. Daran hat sich eigentlich bis heute nichts geändert.

„Wir bilden immer noch aus, sind ja alles Berufsseeleute“, sagt Kapitän Wolfgang Fusch, der seit 2000 das Kommando auf der Brücke hat. Damals übernahm er es von Helmut Stolle, der 1973 Kapitän wurde.

Da sich an Bord noch fast alles an seinem ursprünglichen Platz befindet, könne das Segelhandwerk von der Pike auf gelernt werden. „Die Anordnung des Mittelschiffs ist nahezu gleich, der Fock- und der Großmast sind original, ebenso die Mechanik der Ruderanlage“, sagt Fusch. Der Schiffskörper sei sehr guter Stahl, wie der Crew erst beim letzten Werftaufenthalt in Stralsund bestätigt wurde. Die Schonerbrigg ist also fit für die Zukunft.

Wer als Mitsegler an Deck kommt, ist herzlich zu den Arbeiten in der Takelage und Enterübungen eingeladen. „Das soll auch so bleiben. Wir wollen den Holländern mit ihren Kaffeefahrten keine Konkurrenz machen“, betont Volker Pesch, Leiter des Seesportzentrums „Greif“. Das sichert den Betrieb des Zweimasters, der sich seit 1991 im Eigentum der Stadt befindet. Insofern fährt die Schonerbrigg als „Botschafterin der Universitäts- und Hansestadt über die Ostsee“, würdigt Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) ihr Wirken. Die Bürgerschaft habe sich zum Schiff bekannt, erinnert er. Der Zuschussbedarf betrug zuletzt über 250000 Euro. Allerdings: „Wir arbeiten gemeinsam daran, diese Zuschüsse so gering wie möglich zu halten“, so Fassbinder, der auf Gespräche mit möglichen Partnern verweist.

„Wir sind zum Beispiel mit dem Deutschen Seesportverband im Gespräch“, erwähnt Pesch, „denn wir suchen weitere Geldquellen, um einzelne Fahrten zu fördern.“ Kapitän Wolfgang Fusch könne sich durchaus vorstellen, „Kindern und Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten in Greifswald einen Törn auf dem Schiff zu ermöglichen“. Aber: „Wir können nicht nur karikativ unterwegs sein“, stellt Betriebsleiter Volker Pesch klar.

Dass die Greif überhaupt zu etwa 140 Seetagen im Jahr auslaufen kann, verdankt sie dem Engagement des 500 Mitglieder starken Fördervereins „Rahsegler Greif“. In ihm sind auch dutzende Hand- für-Koje-Segler aktiv, die der Crew regelmäßig zur Seite stehen. Ohne sie wären die Törns nicht möglich. Gehörten der Stammbesatzung 1991 noch elf Mitglieder an, sind es jetzt gerade einmal sechs:

Neben dem Kapitän, zwei Nautiker, ein Bootsmann sowie als Saisonkräfte ein Koch und ein Maschinist.

Jan Makowski gefällt es, der Crew zur Hand zu gehen. „Wir sind wie eine große Familie. Die Wertschätzung, die man hier erfährt, ist toll“, sagt der Hamburger, der seit 20 Jahren als HfK an Bord geht.

Ein bis zwei Reisen pro Jahr seien Satz. Als Elektrotechniker könne er Fachwissen mit einbringen. Kapitän Fusch bestätigt dies: „Wir haben viel Gutes an Jan“, lobt er dessen Einsatz.

Doch auch neue Mitsegler sind immer willkommen. Auf dem Törn nach Karlskrona, der gestern endete, gehörte Robert Schröder dazu. Und es soll nicht seine letzte Reise gewesen sein. „Es ist wunderbar, dass die ,Greif’ nach 1991 nicht in falsche Hände geraten ist und von so einer engagierten Mannschaft bewegt wird“, sagt der Schweriner. Nächstes Jahr will der 65-Jährige wieder an Bord gehen, möglichst mit Ziel St. Petersburg. „Das ist so eine Idee. Mal sehen, ob wir für den Törn über 16 Tage genügend Interessenten finden“, sagt Volker Pesch.

Dann soll die „Greif“ auch wieder an der Südmole in Wieck liegen. Derzeit ankert sie in Ladebow, weil der Ryck mal wieder versandet ist. Doch das Wasser- und Schifffahrtsamt hat für September eine Ausbaggerung avisiert.

Petra Hase

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