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„Ich kann nicht vom Schwimmen lassen“

Stralsund „Ich kann nicht vom Schwimmen lassen“

Ute Kühmstedt ist auch als Sportlerin mit Handicap bei Wettkämpfen erfolgreich.

Stralsund. Ute Kühmstedt ist Schwimmerin aus Leidenschaft. Als sie schwer erkrankte, glaubte die heute 51-Jährige nicht mehr daran, je wieder ins Wasser zu gehen. Mit der OZ sprach sie darüber, wie sie neuen Mut fand.

Welchen Stellenwert nimmt der Schwimmsport in Ihrem Leben ein?

Ute Kühmstedt: Das Schwimmen hatte schon immer eine große Bedeutung für mich. Schon mit der vierten Klasse kam ich zur Kinder- und Jugendsportschule. Später startete ich in der Nachwuchsnationalmannschaft bei internationalen Wettkämpfen und trainierte unter anderem mit der erfolgreichsten Olympiateilnehmerin von 1980, Caren Mahn-Metschuk. Mit 16 Jahren musste ich meinen Olympiatraum aber begraben, weil meine Leistungen nicht ausreichten.

Was war die Alternative?

Ich suchte neue Herausforderungen im Flossenschwimmen, Streckentauchen und Orientierungstauchen – und wurde mehrmals DDR-Meisterin.

Wie ging es nach der politischen Wende für Sie weiter?

Unser damaliges Team suchte nach neuen Möglichkeiten für die älteren Schwimmer und entdeckten das Masterschwimmen. Ich war mit der HSG Uni Rostock bei den World Master Games in Brisbane (Australien) und Portland (USA Oregon) am Start. Das waren unsere schönsten Wettkampfreisen.

Das klingt, als sei immer alles nach Plan gelaufen, oder?

Zwei Jahre, nachdem meine Familie und ich nach Stralsund gezogen waren, wurde ich krank. Ich hatte Knochenkrebs und ein Bein musste amputiert werden. Zu der Zeit wusste keiner, ob ich überhaupt überleben werde. Nach der sehr kräftezehrenden langwierigen Chemotherapie ging es mir sehr schlecht und ich brauchte sehr lange, um wieder einigermaßen gesund zu werden.

Haben Sie zu dem Zeitpunkt daran gedacht, wieder zu Schwimmen?

Ich hatte mich fast damit abgefunden, nicht mehr schwimmen zu können. Immerhin war ich zwei Jahre lang nicht im Wasser. Das erste Mal dann während der Reha war ein Kampf. Aber irgendwann klappte es.

Wie haben Sie neue Kraft für die Wettkämpfe gefunden?

Meine Trainerin Kristina Schotte machte mir viel Mut und überredete mich, es bei Handicapwettkämpfen zu versuchen. Auch nach 46 Jahren Schwimmtraining kann ich davon nicht lassen, weil es jetzt wieder hilft, den Körper im Alter etwas beweglich zu halten.

Was ist das für ein Gefühl, beispielsweise bei den Deutschen Meisterschaften dabeizusein?

Die Teilnahme gibt mit Kraft und spornt mich weiter an. Und wenn ich mich da umschaue und Sportler im Rollstuhl sehe, weiß ich, anderen geht es noch schlechter – mir fehlt nur ein Bein.

Ist Ihre Familie auch so schwimmbegeistert wie Sie?

Ja, ich konnte meine Freude an dem Sport auch an meine Kinder weitergeben. Das finde ich ganz toll. Sie waren ja noch klein als ich krank wurde. Alle drei gehen regelmäßig zum Schwimmtraining bei der DLRG in Stralsund. Und es freut mich sehr, dass mein Sohn Karl 2016 der schnellste Stralsunder beim Sundschwimmen war.

Interview Manuela Wilk

OZ

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