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Stralsund Kämpfen für das Selbstbewusstsein

Beim Sakura Karate Verein in Stralsund lernen die Mitglieder mehr als die richtige Schlagtechnik

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Lisa Köllner (re.) führt einen Fußtritt zum Kopf vor. Katrin Lange wehrt den Angriff ab. FOTO: MANUELA WILK

Stralsund. Die Karatekas in ihren weißen Anzügen strahlen eine gewisse Ruhe und Erhabenheit aus. Die Mitglieder des Stralsunder Vereins Sakura machen eine Sporthalle zu ihrem Dojo, also ihrem Trainingsort. Das Training beginnt mit einem festen Ritual: Die Sportler reihen sich nebeneinander auf und setzen sich auf die Knie. Der Trainer sitzt vor ihnen.

Kirschblüte und Tiger

6 Jahre ist es her, dass sich der Sakura Karate Verein in Stralsund gegründet hat. Der Name Sakura bedeutet auf Japanisch übrigens Kirschblüte. 50 Mitglieder zählt der Verein. Gemeinsam trainieren sie Shotokan-Karate. So heißt die Stilrichtung. Kennzeichnend sind die besonders tiefen Stellungen. Das Symbol der Shotokani ist der Tiger.

Oliver Behm ermahnt seine Schüler: „Ihr müsst euch gerade hinsetzen. Und dann verbeugen wir uns.“ Die Ursprünge des Karate reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Die Kampfkunst entwickelte sich in China und Japan.

Es ist ein Sport, bei dem es auch um Ausstrahlung, Haltung und Rituale geht. „Ich habe vor allem gelernt, dass ich vor jedem Respekt haben soll. Egal, ob ich jemanden auf der Straße treffe, im Training oder anderswo“, erklärt Katrin Lange. Die 13-Jährige macht seit acht Jahren Karate und gehört zu denWettkämpfern des Vereins. Früher habe sie bei einem Kinderzirkus Kunststücke gelernt.

„Nach uns kamen immer die Karatekas in die Halle. Auch eine Freundin von mir war dabei“, erinnert sie sich. Das habe den Ausschlag gegeben, das selbst auszuprobieren.

Als kleines Mädchen war sie fasziniert von den „Leute mit den Bademänteln“, wie sie die Sportler nannte. „Ich wusste es einfach nicht besser“, sagt Katrin und muss immer noch darüber lachen.

Mittlerweile trägt sie den Anzug mit Stolz und hat sich den braunen Gürtel erarbeitet. „Karate hat mich selbstbewusster gemacht.“

Katrin gehört zu den wenigen Mitgliedern, die den Verein bei Wettkämpfen vertreten. Dass sie sich mit anderen misst, steigere die Motivation für das Training. Die Schülerin hat sich auf die Disziplin „Kata“ spezialisiert. Dabei wird eine bestimmte Abfolge von Techniken eingeübt. Die Sportler müssen sich vorstellen, dass sie gegen unsichtbare Gegner antreten. Beim Wettkampf wird bewertet, ob die Abfolge sitzt und die Tritte, Schläge und Abwehrtechniken genau, kraftvoll und zielgerichtet sind.

Eine, von der Katrin viel lernen kann, ist Lisa Köllner. Die 27-jährige Danträgerin – sie trägt einen schwarzen Gürtel – wurde 2011 erstmals Landesmeisterin im Karate in der Kategorie „Kata“. „Da war ich stolz wie Bolle“, sagt die Rettungsassistentin. Auch beim ehemaligen Holsten-Pokal, heute Hansa-Open, stand sie 2007 auf dem Treppchen. Angefangen hat bei der Stralsunderin alles im Alter von sechs Jahren. „Für mich war es damals ein Ausgleich zur Schule.“ Auch heute sei der Sport eine gute Gelegenheit, sich auszupowern und überschüssige Energie rauszulassen.

Eines durfte in der Anfangszeit bei Turnieren allerdings nicht fehlen: „Ich habe einen Karate-Affen als Glücksbringer gehabt. Heute brauche ich den aber nicht mehr, er kann zuhause bleiben“, sagt Köllner und lacht.

Die junge Frau vertritt den Sakura Karate Verein noch immer bei Turnieren und gehört zum Vereinsvorstand. Zudem gibt sie ihr Wissen als Trainerin an die anderen weiter. „Beim Karate lernt man immer wieder dazu. Mit dem schwarzen Gürtel ist das nicht vorbei“, weiß die Sportlerin. Jeder Trainer, jeder Lehrgang bringe neue Erfahrungen. Eine der wichtigsten Lehren hat Köllner für sich schon ziehen können: „Man darf nie aufgeben. Das habe ich bei den Wettkämpfen gelernt.“

Manuela Wilk

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