Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Ringer ziehen in Heber-Halle: Hantelsport nun auf Sparflamme

Stralsund Ringer ziehen in Heber-Halle: Hantelsport nun auf Sparflamme

Stemmbodenhalle der Jahn-Sportstätte bekommt neue Nutzung / Leistungsorientierter Sport ist Voraussetzung, damit Stadt einstige Fördermittel nicht zurückzahlen muss

Voriger Artikel
Ringer ziehen in Heber-Halle: Hantelsport auf Sparflamme
Nächster Artikel
Hobbysportler dem Kranich auf der Spur

Wir wollen ein Landes- leistungszen- trum Ringen etablieren. Leistungssport im Jahni geht also weiter.“Eckhardt Wallmuth, FSV-Vorsitzender

Stralsund. Etliche Tonnen Hanteln mussten da geschleppt werden, denn die Stralsunder Gewichtheber sind nun endgültig aus der Stemmbodenhalle – speziell ausgelegt für hohe Belastungen – ausgezogen. Sie ziehen sich auf den Bühnenbereich der benachbarten Sporthalle in der Jahn-Sportstätte zurück. Dafür ziehen die Ringer mit Sack und Pack in die einst so rege genutzte Heber-Halle ein.

OZ-Bild

Stemmbodenhalle der Jahn-Sportstätte bekommt neue Nutzung / Leistungsorientierter Sport ist Voraussetzung, damit Stadt einstige Fördermittel nicht zurückzahlen muss

Zur Bildergalerie

„Natürlich tut es mir unendlich leid, dass das so traditionsreiche Gewichtheben in Stralsund so ein Ende findet. Das ist traurig für alle Beteiligten, die über viele Jahre alles versucht haben, den Leistungssport am Leben zu halten“, sagt Eckhardt Wallmuth. Der Vorsitzende des Feuerwehrsportvereins hatte ebenso wie die TSV-Chefetage zunächst auf eine gemeinsame Lösung gehofft. „Aber das hat alles nicht funktioniert.“

Inzwischen haben die Ringer alle Trainingsutensilien aus der Burmeister-Halle in den 150 Quadratmeter großen Jahni-Bereich gebracht. „Das sind für uns ideale Bedingungen. Fehlt jetzt nur noch der Kraftraum, aber alles auf einmal geht auch für uns nicht“, so Wallmuth. Der Berufsfeuerwehrmann hatte 1992 für den Ringersport den Feuerwehrsportverein gegründet.

Vorher gehörten die Kämpfer gemeinsam mit den Speedwayfahrern zu Dynamo. „1904 haben Ringer und Gewichtheber gemeinsam unter dem Dach Schwerathletik trainiert und den Schwerathletikklub Atlas gegründet. Später gab es auch Ringen beim TSV im Jahni. Wenn wir jetzt die Heber-Halle nutzen, schließt sich der Kreis wieder. Die Ringer kehren praktisch zu ihren Wurzeln zurück“, sagt der 56-Jährige, der heute auf sechs Übungsleiter bauen kann.

In puncto Jahni gab es noch einen anderen Aspekt, der zum Handeln zwang. Die Jahn-Sportstätte wurde 1998/99 für 18 Millionen Mark umgebaut – zugeschnitten auf den Gewichthebersport, und zwar als Bundesleistungszentrum. Nur dafür gab es gewaltige Förderungen – mit einer 25-jährigen Bindung an den Leistungssport. Als Stralsund 2001 keinen Bundes-Kader-Athleten mehr hatte und danach sogar den Status als Landesleistungszentrum verlorenging, drohte eine Rückzahlung der einst so großzügigen Finanzspriten. Und das wollte und musste die Stadt als einstiger Bauherr natürlich verhindern. Der amtierende Sportamtsleiter marschierte nach Schwerin, um eine Lösung auszuhandeln. Und die erschien mit einem Leistungszentrum Ringen wie gerufen.

Dabei hatte sich der Niedergang des Gewichthebens in den letzten Jahren immer wieder angekündigt. Keine Leistungssportler – und die Nachwuchsabteilung war Ende 2015 auf zwei Athleten geschrumpft. Als Trainer stand nur noch Abteilungsleiter Ronald Lade in der Halle. Und auch der hat inzwischen nach jahrelangem Kampf völlig verzweifelt das Handtuch geworfen. Gewichtheben – das Flaggschiff des TSV 1860 Stralsund – war quasi aufgelöst. Mit dem Stralsunder Abgeordneten Detlef Lindner ist zwar nun ein Nachfolger gefunden. Doch bis auf die Chefetage und eine Masters-Gruppe ist nichts mehr übrig von der einstigen Heber-Hochburg Stralsund.

Das Straucheln der Gewichtheber und die damit verbundene ungenutzte Trainingsstätte weckten angesichts fehlender Hallenzeiten in Stralsund Begehrlichkeiten. Das Ringer-Konzept zur Etablierung eines Landesleistungszentrums überzeugte schließlich die Stadt und das Land. Und so werden nun die Ringermatten ausgerollt.

Übrigens: Das Fitnessstudio des TSV 1860 samt Sauna-Komplex bleibt, wo es ist. Und auch der Sitz des Vereins bleibt im Jahni.

Neuer Name gesucht

125 Mitglieder zählt der FSV-Ringerverein. 60 trainieren auf der Ringermatte, 40 Frauen etwa treiben Sport in der Fitnessabteilung, und als dritte Gruppe gibt es die Likedeeler-Sportler.

Schon im Kindergartenalter rekrutiert der FSV seinen Nachwuchs. Die Vier- bis Sechsjährigen werden zunächst in allgemeinem Sport ausgebildet, ehe sie die Kampftechniken erlernen.

Der Nachwuchs wird bis zur A-Jugend hochgeführt. Doch mit Tom und Rolf Linke hat Stralsund auch zwei erwachsene Vorzeige-Ringer.

6 Übungsleiter und fünf weitere Betreuer kümmern sich um die Ringer. Doch auch die Eltern werden fest eingebunden.

FSV – das klingt den Ringern zu unmodern, zu steif. Sie suchen einen neuen Namen und bitten auch die Stralsunder Fans um Vorschläge. Auf dem Wahlzettel stehen schon Hanseatischer Athletikklub Stralsund, 1. Sportclub Anker Stralsund und SV Anker Stralsund. Aber vielleicht haben Sie ja noch eine ganz andere Idee? Unter Wallmuth-ringen@web.de können Sie Ihre Tipps loswerden.

1999 wurde das Bundesleistungszentrum Gewichtheben im Jahni übergeben. Noch heute zeugt eine Ehrentafel von den einstigen Erfolgen. „Wir werden für die Tafel einen würdigen Platz finden“, sagt Eckhart Wallmuth.

230 Medaillen haben die Hantelrecken gewonnen. 39 gehen allein auf das Konto von Andreas Behm. Unvergessen auch die olympischen Bronze-Medaillen von Helmut Losch (1976) und Andreas Behm (1992).

Ines Sommer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Grimmen

Saisonstart am 20. August: Der Verbandsligist lässt das Ziel offen

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Sport Stralsund
Die besten Wettquoten der Ostsee gibt es im Bundesliga-Quotenvergleich von SmartBets.