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Stralsund Letzte Schimmelbände werden gereinigt
Vorpommern Stralsund Letzte Schimmelbände werden gereinigt
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10:55 09.11.2018
Der Stralsunder Archivleiter Dirk Schleinert zeigt ein gereinigtes Buch, das bereits im neuen Depot eingelagert wurde. Quelle: FOTO: STEFAN SAUER/DPA
Stralsund

Schlussspurt für die Sicherung der wertvollen Bestände des Stralsunder Stadtarchivs: Bis Juni 2019 sollen nun die letzten Schimmel-Bände gereinigt sein. Dazu gehören 460 laufende Meter Akten des 16. bis 20. Jahrhunderts einschließlich des Verwaltungsarchivs, 2600 Urkunden des 13. bis 20. Jahrhunderts, 1000 Handschriften und etwa 2700 Plakate. Archivdirektor Dirk Schleinert betont, dass mit dem jetzt vergebenen Auftrag die 2012 beschlossene und 2013 begonnene Reinigung des Gesamtbestandes abgeschlossen ist.

Die Bürgerschaft musste damals handeln, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die wertvollen Archivalien im Johanniskloster seit Jahren unter völlig ungeeigneten klimatischen Verhältnissen gelagert worden waren und zu verrotten drohten. Betroffen war von dem Schimmel fast der gesamte Bestand an Büchern, Urkunden und Handschriften. Das hatte Stralsund bundesweit negative Schlagzeilen beschert.

Seit Juni 2018 erfolgt nun die schrittweise Rückführung der gereinigten und in Leipzig zwischengelagerten Bestände. Bislang sind vier Transporte durchgeführt worden. Diese beinhalteten einen kleineren Bibliotheks-Teilbestand von etwa 7000 Bänden. Darunter sind die für Auskünfte besonders wichtigen Standesamts-Beiakten, aber ebenso zwei Drittel des Aktenbestandes aus der Zeit vor 1945 sowie die gesamten Akten von 1945 bis 1990 sowie der Zeitungsbestand.

„Die nächsten Lieferungen werden nach Auskunft der beauftragten Firma, bei der die Bestände eingelagert sind, erst 2019 fortgesetzt. Die aufwändige und zeitintensive Einlagerung ins Depot nimmt die Firma dann unter unserer Aufsicht vor“, sagte Dirk Schleinert im Bildungs- und Kulturausschuss der Bügrerschaft. Doch erst wenn die Einlagerung abgeschlossen ist und das Archivgebäude im Johanniskloster umgebaut und renoviert wurde, kann der dortige Lesesaal wieder öffnen. „Nach jetzigem Stand rechnen wir nicht vor Mitte 2019 damit. Leider.“

Doch nicht der gesamte Bestand des Stralsunder Archivs wurde gereinigt. 450 Dubletten der Karten- und Ansichtensammlung mit unterschiedlichsten Formaten und Dubletten des Zeitungs- und Buchbestandes, die im Gebäude in der Friedrich-Naumann-Straße etwa 150 Regalmeter füllen, blieben „jungfräulich“. Die Dubletten spielen für den regulären Benutzungsbetrieb keine Rolle, betonte Dr. Schleinert, eine Reinigung könne nach Bedarf erfolgen.

Für die auf dem Dänholm zwischengelagerten Bestände, zum Beispiel Verwaltungsarchiv und Druckschriftensammlung, reicht vor dem Umzug ins Depot eine „Umbettung“ in neue, säurefreie Archivkartons. Das erledigen die Archivmitarbeiter mit Unterstützung des Zentralen Gebäudemanagements der Stadtverwaltung.

Nicht nur die Grundsicherung in Form der Trockenreinigung spielte 2018 eine große Rolle. „Wir konnten 24 Urkunden aus dem Umfeld des Stralsunder Friedens von 1370 restaurieren und digitalisieren. Das hat 12 800 Euro gekostet. Zum Glück konnten wir über ein Förderprogramm 9000 Euro Zuschuss bekommen“, so der Archiv-Chef.

Das Stadtarchiv setzt außerdem die Digitalisierung ausgewählter gereinigter Bestände fort. Von den 2017 digitalisierten Hanse-Rezessen konnten im Rahmen eines studentischen Praktikums die ersten 31 in der Digitalen Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern, die seit Sommer 2017 das zentrale Portal zur digitalen Präsentation von Kulturgütern im Land ist, eingestellt werden.

Im Handschriftenzentrum der Universitätsbibliothek Leipzig werden im Rahmen eines Kooperationsprojektes 56 zumeist mittelalterliche Bände des Stadtarchivs wissenschaftlich bearbeitet. „Geplant ist, diese Handschriften ebenfalls zu digitalisieren, so dass sie in der Digitalen Bibliothek zur Verfügung stehen. Dafür bekommen wir Fördermittel. Das Projekt läuft noch bis 2021“, informierte Dirk Schleinert.

„Wichtig ist uns natürlich auch die wissenschaftliche Auswertung unserer Bestände“, so Schleinert und verriet, dass die Digitalisierung der Hanse-Rezesse mit einem wissenschaftlichen Projekt verknüpft ist. Dabei sollen alle Dokumente des Wendischen Quartiers der Hanse im 16./17. Jahrhundert erfasst werden. Lübeck, Hamburg, Lüneburg, Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald stehen dabei im Mittelpunkt. „Die Kollegen der anderen Städte werden sich beteiligen. Aber unsere umfangreichen Dokumente sind dabei von zentraler Bedeutung“, sagte der Direktor des Stadtarchivs nicht ohne Stolz.

Ines Sommer

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