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Stralsund Stralsunder Firma Formstaal fürchtet die Folgen des Brexits
Vorpommern Stralsund Stralsunder Firma Formstaal fürchtet die Folgen des Brexits
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00:00 23.07.2016
Ein Mitarbeiter bedient eine Maschine in der Werkhalle von Ostseestaal, dem Partnerunternehmen von Formstaal. Quelle: Fotos: Alexander Müller

Die Folgen der großen Weltpolitik könnten bald auch an den Toren der Hansestadt anlangen. Uwe Husmann, Betriebsleiter des Stralsunder Unternehmens Formstaal, befürchtet, dass auch seine Firma zukünftig unter den Folgen des Brexits leiden könnte. Der geplante Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union könnte Auswirkungen auf Aufträge von der Insel haben. „Wir liefern unsere Produkte auch ins Vereinigte Königreich. Viele unserer Kunden haben dort Niederlassungen“, sagte Husmann. Zwar sei die neue Situation noch sehr jung und zudem ziemlich unübersichtlich. „Aber wir werden uns damit beschäftigen müssen“, erklärte er.

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Das Metallunternehmen hat Kunden im Vereinigten Königreich / Laut Betriebsleiter Uwe Husmann ist unklar, ob die Briten nach dem EU-Ausstieg weiter Aufträge an den Sund vergeben

Formstaal und das Schwesterunternehmen Ostseestaal mit Sitz direkt neben der Volkswerft beschäftigen zusammen rund 150 Mitarbeiter. Beide gehören zur Central Industry Group (CIG) mit Standorten in Groningen (Niederlande), Bremen und Stralsund. Die CIG agiert in den Bereichen Schiffbau, Architektur und erneuerbare Energien. Die Stralsunder Unternehmen produzieren und liefern für diese Branchen passgenaue Bausätze aus zugeschnittenem und dreidimensional geformtem Metallblech.

Aus der Hansestadt stammen zum Beispiel Teile des „Lord's Media Centre“, eines Gebäudes in einem Londoner Cricket-Stadion, dessen Front eine riesige Anzeigetafel ist. Laut Betriebsleiter Husmann gibt es weitere Anfragen in diesem Bereich. „Die Frage ist, ob die sich auf der Insel sagen: Warum kommt denn das vom Festland, warum machen wir das nicht selbst?“ Auch bei den Transportwegen sieht er Probleme anrollen – was heute unkompliziert funktioniere, gehe bald vielleicht nicht mehr.

Die EU-Politikerin Gesine Meißner, FDP-Abgeordnete in Brüssel für Norddeutschland, hat Formstaal am Donnerstag bei einer Wirtschaftsreise durch MecklenburgVorpommern besucht. Zu den Stationen zählten beispielsweise auch die Neptun-Werft sowie die Häfen in Rostock und Wismar. Überall habe es ähnliche Sorgen gegeben.

„Alle fragen sich, wie es weitergehen soll. Müssen wir uns um unsere Kunden aus England sorgen? Kommen teure Zölle auf uns zu?“, umreißt sie die Probleme. Die Erkenntnisse aus MV wolle sie nach Brüssel mitnehmen, um die Interessen im Hinblick auf Gesetze rund um den Brexit zu vertreten.

Ein weiteres Problem ist laut Formstaal-Mann Uwe Husmann der Mangel an jungen Fachkräften. „Die gut ausgebildeten Leute sind fast alle so alt wie ich“, sagt der 55-Jährige. „Das wird uns in den nächsten zehn Jahren auf die Füße fallen.“ Früher habe es ein hartes Bewerbungsverfahren für Lehrlinge gegeben, heute nehme man fast jeden, der sich meldet. Auch die Fachhochschule Stralsund sieht er in der Pflicht, Ingenieure mehr auf Schiffbau zu spezialisieren. „Bisher bildet die FH zu automobillastig aus.“

Neue Standbeine

40 Prozent des Umsatzes erwirtschafteten Formstaal und Ostseestaal im Jahr 2015 mit dem Schiffbau. 25 Prozent sind Architektur, 35 Prozent erneuerbare Energien. Zehn Jahre zuvor sah die Verteilung noch ganz anders aus. 80 Prozent des Umsatzes wurden damals mit Schiffbau gemacht. Absolute Umsatzzahlen gibt das Unternehmen nicht heraus.

Diskussion zum Brexit mit Landtagskandidatin Heike Carstensen, der Europaabgeordneten Iris Hoffmann und der Bundestagsabgeordneten Sonja Steffen (alle SPD) am 29. Juli um 18 Uhr im Hotel Hafenresidenz, Seestraße 10-13.

Alexander Müller

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