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Stralsund Stralsunderin Antonie Biel wurde weit bekannt
Vorpommern Stralsund Stralsunderin Antonie Biel wurde weit bekannt
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17:20 03.11.2018
Gemälde Antonie Biels Quelle: ROBERT DAEMMIG
Stralsund

Die Stadt am Strelasund halt bald eine weitere neue Straße im Wohngebiet östlich der Hochschulallee. Die Straße selbst ist noch nicht fertig, jedoch hat sie schon einen Namen: Antonie-Biel-Ring. Antonie Biel (eigentlich Sophie Antonie Biel) wurde am 31. Januar 1830 in Stralsund geboren. Sie war das vierte und jüngste Kind des Juristen und Ratsherrn Johann Carl Biel (1783 - 1837) und seiner Ehefrau Hermine Friederica Schneider (1797 - 1851). Seit frühester Kindheit war der Bleistift das Lieblingsspielzeug von Antonie Biel. Die Verwandten, die durchweg zu den vornehmsten Familien der Hansestadt zählten, amüsierten sich zunächst über die Kritzeleien der Kleinen. Als dann sich aber in den Jugendjahren bei Antonie immer mehr der Wunsch verstärkte, professionelle Malerin zu werden, versuchten die Verwandten alles, um das zu unterbinden. In der provinziellen Enge der Kleinstadt Stralsund war es für eine Frau zu jener Zeit völlig unmöglich, einen künstlerischen Beruf zu ergreifen. Für ein junges Mädchen galt es immer noch, eine gute Partie zu machen und sich dann um die Erziehung der Kinder zu kümmern. Es war einfach „unschicklich“, sich in künstlerischen Kreisen zu bewegen. Antonie Biel war erst sieben Jahre alt, als der Vater verstarb. Die Mutter erkannte das Talent ihrer Tochter, unterstützte sie und organisierte Unterricht bei einem Zeichenlehrer. Gegen die Verwandtschaft konnte sich die Mutter aber letztendlich nicht durchsetzen. Als 1851 Hermine Friederica Biel verstarb, übernahm die älteste Schwester Johanna Hermina Biel (1820 - 1871) mit großer Hingabe die Rolle der Unterstützerin.

Im Jahre 1857, die angehende Künstlerin war mittlerweile 27 Jahre alt, verließ Antonie mit ihrer Schwester erstmals Stralsund, um in Berlin bei Wilhelm Schirmer, Lehrer der Landschaftsklasse der Königlichen Akademie der Künste, Unterricht zu nehmen. Bei ihm erlernte Antonie Biel den Umgang mit Leinwand und Ölfarbe. Nach ihrer Rückkehr schickte sie ein Bild an eine Berliner Ausstellung. Zur großen Verwunderung der Geschwister wurde es angenommen. Jetzt mussten sie Stralsund endgültig verlassen.

„Kunsttaufe“ in Paris

Für Antonie Biel begannen zehn Wander- und Lehrjahre, die sie und ihre Schwester hauptsächlich in das westliche und südliche Deutschland führten. Überall fertigte Antonie Biel Landschaftsskizzen an, aus denen dann Ölbilder entstanden, die sie jährlich auf Berliner Kunstausstellungen präsentierte. Den Abschluss der Studienreisen bildete 1866 ein Aufenthalt in Paris. Hier erlebte sie ihre „Kunsttaufe“. Hier erst ging ihr der Sinn des Malens auf; hier verstand sie erst, was es hieß, Malerin zu sein. 1866 ließen sich die Geschwister endgültig in Berlin nieder. Unter Berliner Kunstkreisen genoss Antonie Biels Schaffen schon einen beachtlichen Ruf. Besonders von ihren Landschaftsbildern war man begeistert. Kritiker betonten, dass sie sich durch Marinen von der Ostseeküste einen Namen gemacht habe. Ihr künstlerisches Schaffen scheint diese Aussage zu untermauern, immer wieder malte sie Bilder mit Motiven vom Ostseestrand, von der Insel Rügen und von der Halbinsel Mönchgut. Antonie Biel verstarb am 2. April 1880 in Berlin.

Illustrierte Frauenzeitung, 27. Oktober von 1879 Quelle: Stadtarchiv Stralsund

Auf der 7. Kunstausstellung des Vereins Berliner Künstlerinnen und Kunstfreundinnen ehrte man Antonie Biel mit einer Sonderausstellung. Auf der 12. Ausstellung der Berliner Nationalgalerie wurden 137 Bilder von Antonie Biel gezeigt. Leider haben nur wenige der ausgestellten Bilder die Wirren des Zweiten Weltkriegs und die Zeit danach überlebt. Werke der Stralsunderin finden wir heute in der Nationalgalerie Berlin, im Muzeum Narodowe w Szczecinie, im Mönchguter Museum, im Kunstmuseum Ahrenshoop und im Stralsund-Museum. Einen großen Teil ihrer Bilder hat Antonie Biel an Privatleute verkauft. Es ist also möglich, dass noch einige auf dem Kunstmarkt auftauchen. Bis heute zählt Antonie Biel zu den bekanntesten Malerinnen von Küstenlandschaften und Marinen. In einem Nachruf hieß es u. a.: „Eine ungewöhnliche Energie ließ sie alle Schwierigkeiten überwinden, welche sich ihr in den Weg stellten, und namentlich gelang es ihr, ihre malerische Technik zu einer Virtuosität und Sicherheit auszubilden, die man bei Frauen selten findet“.

Norbert Gschweng und Andreas Neumerkel

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