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Stralsund Stralsunder Studenten sollen vor Prüfung Krankheiten offenlegen
Vorpommern Stralsund Stralsunder Studenten sollen vor Prüfung Krankheiten offenlegen
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05:36 27.04.2016

Wer ist wirklich krank genug, um eine Prüfung verschieben zu dürfen? Damit das beurteilt werden kann, sollen Studenten der Fachhochschule (FH) Stralsund künftig ihren Arzt von der Schweigepflicht entbinden. Der soll dann in einem Formular, das der OZ vorliegt, umfassende Angaben zu Diagnose und Symptomen machen. Egal, wie intim die Leiden sind, ob Armbruch oder Geschlechtskrankheit: Soll die Prüfung verschoben werden, will die FH wissen, wo genau es wehtut. Auf Basis dieser Daten soll dann eine Kommission entscheiden, ob der Student aus ihrer Sicht zu krank für einen Test ist. Bisher genügte es, ein Attest ohne Details zur Krankheit einzureichen.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der FH wehrt sich gegen dieses Vorgehen. „Da werden alle unter Generalverdacht gestellt, ungerechtfertigte Atteste einzureichen“, sagt Asta-Referent André Jakowlow. Aus seiner Sicht könne eine Prüfungskommission nur schwer die Diagnose eines Arztes beurteilen. Zudem sei die Rechtmäßigkeit des Formulars unklar.

Auch die Behörde des Landesdatenschutzbeauftragten MV bewertet das Formular kritisch. „Wir sehen Beratungsbedarf bei der inhaltlichen Gestaltung“, sagt Abteilungsleiter Werner Baulig. Man wolle sich mit der Hochschulleitung treffen, um einen Kompromiss zu finden. Der könnte so aussehen, dass ein Arzt nicht die Diagnose mitteilen muss, sondern nur vorgegebene Antworten zu Symptomen ankreuzen kann, zum Beispiel „starke Kopfschmerzen“. Auch Übermittlung und Lagerung der Daten müssten geregelt werden.

Die Leitung der Stralsunder FH begründet ihren Schritt mit den Prüfungsordnungen, in denen bei Erkrankung ein ärztliches Attest vorgesehen ist. „Bisher vorgelegte Nachweise erfüllten teilweise nicht die Vorgaben der Ordnungen und können so mitunter zur Ungleichbehandlung der Studierenden geführt haben“, sagt Susanne Bowen, Kanzlerin der FH. Der Student müsse nachweisen, dass seine Erkrankung zu einer Leistungsminderung führt. „Dieser Nachweis kann nur durch ein ärztliches Attest erbracht werden, das die gesundheitlichen Beeinträchtigungen beschreibt“, sagt Bowen. Die Rechtslage sei dahingehend ausgiebig geprüft worden, hieß es in einer ersten Stellungnahme. Nach Protesten hat sich der Senat gestern aber entschieden, das Formular nicht schon zum Sommersemester einzuführen, sondern sich erst vom Landesdatenschutzbeauftragten beraten zu lassen.

Die Universitäten Rostock und Greifswald haben ähnliche Formulare. Im Unterschied zu Stralsund wird dort allerdings nicht die Diagnose abgefragt. Ärzte sollen nur Angaben zu Symptomen machen. Datenschützer Baulig: „Ich halte diesen Weg für zulässig — allerdings mit Bauchschmerzen.“ Seite 2

Von Alexander Müller

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