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Stralsunds „Dr. Sommer“ weiß alles über Sex

Stralsund Stralsunds „Dr. Sommer“ weiß alles über Sex

Zahl der Beratungen bei Ulrike Vogel vom Chamäleonverein steigt enorm

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In der Beratungsstelle ist ein HIV-Schnelltest möglich.

Stralsund. Immer mehr junge Menschen suchen in Stralsund Hilfe, wenn es um Sex geht. „Die Zahl der persönlichen und telefonischen Gespräche sowie Anfragen per Mail ist enorm gestiegen“, erklärt Ulrike Vogel von der Beratungsstelle zur Förderung der sexuellen Gesundheit (Berta) beim Chamäleonverein. „2012 hatten wir 74 Beratungen, 2015 waren es bereits 294.“

 

OZ-Bild

Zur Arbeit von Ulrike Vogel gehört Aufklärung und Beratung, auch zum Thema Sexualität. FOTOS (2): MIRIAM WEBER

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Auch die Möglichkeit der anonymen Online-Beratung, die es seit September 2015 gibt, wird gut angenommen. „Ich habe jeden Tag mindestens zwei Anfragen.“

Den Vergleich mit Dr. Sommer, die in der Jugendzeitschrift „Bravo“zu Themen rund um Sexualität berät, hat sie schon öfter gehört. Doch das Aufgabengebiet von Ulrike Vogel, die Pädagogik, Soziologie und Psychologie studierte, ist viel weiter gefächert. „Wir beraten, leisten Präventionsarbeit und betreuen HIV-positive Menschen“, fasst die 33-Jährige zusammen. Vier Leute mit dem HI-Virus sind derzeit bei ihr in Betreuung. „Bei uns gibt es außerdem die Möglichkeit, sich auf HIV testen zu lassen. Die Zahl derer, die dieses Angebot nutzen, hat zugenommen“, erklärt Ulrike Vogel. 2012 waren es 16, 2015 schon 32.

Einen großen Raum nimmt die Präventionsarbeit ein. „Ich bin sehr viel an Schulen unterwegs.“ Oft wird der sogenannte Sexualität-Aids-Parcours gebucht, bei dem Kinder und Jugendliche altersgerecht viele Informationen erhalten. Doch auf dem Programm stehen auch Weiterbildungen und Fachvorträge für Erwachsene oder Elternabende. „Denn“, betont Ulrike Vogel, „es geht natürlich nicht nur um Sex.“

Vielmehr gehe es auch darum, Kinder, Jugendliche und Erwachsene für Themen wie sexualisierte Gewalt oder den Umgang mit Medien zu sensibilisieren. „Das spielt nun mal alles zusammen“, sagt die Sozialpädagogin und weist auf das große Thema „Sexting“ hin. „Es ist wichtig, Jugendliche darüber aufzuklären, wann sie sich strafbar machen, ganz abgesehen davon, welche Folgen so ein Mobben in den sozialen Medien für die Opfer haben kann.“

Zu den Veranstaltungen in den Schulen gehört es für Ulrike Vogel dazu, über die Darstellung von Sexualität in den Medien zu sprechen. „Da wird oft ein falsches Bild gezeichnet.“ Das beweisen die Fragen, die Schüler vor den Veranstaltungen anonym in eine Kiste stecken können, und die Ulrike Vogel im Verlauf der Stunde dann beantwortet. „Man sieht an der Wortwahl der Schüler, dass es da einen enorm großen Aufklärungsbedarf gibt. Denn sexualisierte Gewalt kann eben nicht nur körperlicher, sondern auch seelischer und verbaler Natur sein. Dazu gehört der Gebrauch von vulgären Ausdrücken.“ An diesem Punkt setze sie meistens als erstes an.

Über eine Sache freut sich Ulrike Vogel: „Seit etwa zwei Jahren gehen die Schüler mit den Themen Bi- oder Homosexualität viel offener um. Ich denke, dass das eindeutig damit zu tun hat, dass es kein Tabuthema mehr in der Gesellschaft ist.“ Nicht nur, dass es viele Fragen zu dem Thema gibt, viele Jugendliche outen sich auch immer früher.“

Mit der Online-Beratung bietet die Berta ein kostenloses und anonymes Portal. Eine wichtige Sache ist dem Verein mit diesem Angebot gelungen: „Wir wollen vor allem Menschen in den ländlichen Regionen die Möglichkeit der Beratung bieten“, erklärt Ulrike Vogel. Die Zahlen unterstreichen, dass das geklappt hat.

Denn im Gegensatz zu den Anfragen aus der Stadt kommen dreimal so viele von Leuten aus dem ländlichen Raum. „Am meisten nutzen die 15- bis 18-Jährigen die Möglichkeit, sich online beraten zu lassen, gefolgt von den 19- bis 22-Jährigen.“ Die Themen, die anonym besprochen werden, drehen sich um Probleme mit Drogen, Sucht, Sexualität oder in der Partnerschaft, HIV und Aids, aber auch um das Unzufriedensein mit sich selbst.

„Das nächste Projekt, das wir angehen wollen, ist die Beratung über Skype“, schaut Ulrike Vogel in die Zukunft. „So können wir auch Klienten erreichen, die nicht vor Ort sind oder nicht die Möglichkeit haben, zu uns zu kommen.“

Unkompliziert und anonym

294 Beratungen in persönlichen oder telefonischen Gesprächen oder per Mail wurden im Jahr 2015 durchgeführt.

Seit September 2015 gibt es die Möglichkeit der anonymen und kostenlosen Online-Beratung zu den Themen Drogen, Sucht, Sexualität, HIV und AIDS. Täglich gehen dort mindestens zwei Anfragen ein.

Das Ziel der Mitarbeiter des Chamäleonvereins ist es, jede Anfrage innerhalb von 48 Stunden zu beantworten.

Die Beratungsstelle wird finanziert vom Landkreis Vorpommern-Rügen und dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus).

Die Online-Beratung ist unter www.berado.de zu erreichen.

Miriam Weber

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