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Stralsunds Himmel voller Flieger

Kedingshagen Stralsunds Himmel voller Flieger

39 Maschinen landeten gestern auf dem Flugplatz in Kedingshagen

Kedingshagen. Himmel! Wie viele Flugzeuge! Eine Armada aus 39 Maschinen, darunter zwei private Hubschrauber, landete gestern vor den Toren Stralsunds – auf dem Flugplatz Kedingshagen. Anlass war der sogenannte Deutschlandflug – ein Wettbewerb, den der Deutsche Aero Club alle zwei Jahre zum Fliegen bringt und dessen Schirmherr Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ist.

Stralsund ist zum ersten Mal Station dieser Traditionsveranstaltung – und das Teilnehmerfeld international. Piloten aus vielen Ecken der Bundesrepublik sowie aus Luxemburg, Holland, Belgien und der Schweiz machten gestern auf Einladung des Vereins „Die Region Vorpommern“ Zwischenlandung in Stralsund – und es kletterten auch eine Reihe von Damen aus den Cockpits.

„Die Frauenquote ist bei uns erfreulich hoch, mit steigender Tendenz. Es gibt immer mehr weibliche Piloten in Deutschland“, sagte Joachim Kruth, der den Flugwettbewerb maßgeblich mitorganisiert. Der 77-jährige Flugzeug-Ingenieur ist seit mehr als 50 Jahren Flieger und arbeitet als pensionierter Experte bis heute freiberuflich beim Airbus-Konzern. Wie zum Beweis für seine Aussage zeigte der Bremer auf eine Pilotin, die aus Erfurt an den Strelasund geflogen ist. Mit ihrer einmotorigen „Zlin 43“ aus tschechoslowakischer Produktion landete Katrin Kuhles sicher in Kedingshagen. Sie hat ja auch viel Erfahrung. „Ich habe 1988 mit der Segelfliegerei begonnen und mich seitdem immer weiter als Pilotin qualifiziert“, sagte die 51-Jährige.

Mit ihrem Stralsunder Fritz Gaikowski kam die Thüringerin nach ihrer Landung gleich ins Fachsimpeln über die legendäre Zlin-Serie, die bei den damaligen GST-Flugsportvereinen sehr beliebt war. Das viersitzige Mehrzweckflugzeug wird bis heute besonders von ostdeutschen Flugsportvereinen genutzt und für den Ausbildungsbetrieb eingesetzt. „Unseren Fliegerklub, den wir ganz bewusst immer noch mit dem Namen ,Volkswerft’ zieren, wurde 1958 gegründet“, erzählte Fritz Gaikowski. Der 76-jährige Stralsunder ist einer von drei aktiven Fluglehrern des Klubs, der etwa 130 Mitglieder zählt.

Der absolute Nestor des Volkswerft-Flugklubs ist Günter Drews. Der 80-jährige Stralsunder ist das Urgestein der lokalen Fliegerszene und hat von 1958 an den Flugplatz mit aufgebaut. „Wir haben diesen kleinen Flugplatz im Rahmen des sogenannten Nationalen Aufbauwerkes errichtet und als Vereinschef habe ich den Flugklub bis 1990 ehrenamtlich geleitet“, berichtete Drews, der seit fünf Jahren nicht mehr selbst aktiv fliegt.

Die Teilnehmer des Deutschlandflugs starten dagegen umso öfter. Zum ersten Mal wurde der Wettbewerb 1911 ausgetragen. An den folgenden Deutschlandflügen beteiligten sich Piloten, die in die Geschichte der Luftfahrt eingehen sollten – Ernst Udet oder Elly Beinhorn zum Beispiel. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Flüge zu gigantischen Leistungsschauen mit bis zu 400

Flugzeugen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde erst im Juni 1956 die Tradition wieder aufgenommen – und zwar als reine zivile Flugveranstaltung für Liebhaber, die seitdem alle zwei Jahre stattfindet.

Gemeinsam mit ihren Stralsunder Flugkollegen wurden die Deutschlandflug-Teilnehmer gestern Nachmittag von Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) im Rathaus empfangen, nachdem sie sich vorher die Altstadt angesehen hatten.

Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) lud die Piloten am Abend noch zu einem Empfang in das Wyndham-Hotel des Hanse-Doms ein. Heute gegen 9 Uhr starten die 39 Maschinen wieder – das nächste Etappenziel ist Eberswalde.

Christian Rödel

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