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Stralsunds Jugend: weltoffen und tolerant

Stralsund Stralsunds Jugend: weltoffen und tolerant

Viele junge Hansestädter unterstützen Flüchtlinge ehrenamtlich

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Aufeinander zugehen: Stralsunder und ausländische Jugendliche gestalten ihre Freizeit gemeinsam.

Quelle: Foto: Julia Völz

Stralsund. Freundschaft kennt keine Grenzen, manchmal kann man das wörtlich nehmen. Wer unsanft aus seiner Heimat vertrieben wurde, dem fällt es oft schwer, in einem Land mit anderer Sprache, Kultur und Mentalität Kontakte zu knüpfen. Da hilft es, wenn die andere Seite den ersten Schritt macht.

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Viele junge Hansestädter unterstützen Flüchtlinge ehrenamtlich

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Die 18-jährige Julia Völz bezeichnet sich als „offen und tolerant gegenüber jedem“. Mit dieser Einstellung ist sie bisher gut gefahren. Ein Lächeln oder ein nettes Wort legen oft den Grundstein für gute Bekanntschaften. Die unterschiedlichen Sprachen waren dabei wenig hinderlich. Wenn Deutsch nicht weiterhalf, dann war zumindest auf Google-Übersetzer und Englisch Verlass.

Wenn es die Zeit erlaubt, unterstützt sie Flüchtlinge beim Übersetzen von typisch bürokratendeutschen Amtsschreiben oder versucht, sie am normalen Leben von Jugendlichen teilhaben zu lassen. Auch ihr Freundeskreis ist sehr offen und so „sind wir eine immer größere Gruppe in diesem kulturellen Miteinander geworden“.

Am liebsten spielen sie alle zusammen Volleyball oder organisieren Grill-Abende. Manchmal erntet sie zwar scheele Blicke von anderen Stralsundern, aber da ist Julia entspannt: „Es fällt hier eben eher auf, wenn man mit ,Ausländern’ unterwegs ist, als etwa in Berlin.“

Dabei zeigen sich ihre „ausländischen“ Freunde als sehr leistungswillig, und für Julia „ist es schön zu sehen, welche Ziele sie vor Augen haben, wie ein Studium oder eine Ausbildung, und welche Fortschritte sie auf dem Weg dazu schon gemacht haben.“

Ihr Motto ist stets, „dass man den Menschen eine Chance geben muss, erst dann kann man sich ein Urteil erlauben. Das haben wir gemacht, und es sind gute Freundschaften entstanden, bei denen man sich gegenseitig aufeinander verlassen kann“, ein Geben und Nehmen also.

Motiviert und aktiv ist auch die 17- jährige Laura Zühr, die sich mit Freunden außerhalb der Schule ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiert. Sie hilft dabei, Deutschkurse zu organisieren und den Flüchtlingen die Grundlagen unserer Sprache näherzubringen.

Vor über einem Jahr hat sich ein kleines Team gebildet, das sich nun regelmäßig trifft und den Asylbewerbern Unterricht gibt. „Am Anfang war es schwer, überhaupt jemanden zu finden, der uns finanziell unterstützt“, erklärt Laura. Doch durch die Amadeu-Antonio- Stiftung stehen dem Team Arbeitshefte, Bücher und andere Medien zur Verfügung. „Meine Mutter hat Deutsch als Fremdsprache studiert, und deshalb hat sie uns Tipps gegeben, wie man unsere Sprache am besten vermittelt. Wenn wir mal Probleme haben, dann gibt es noch Google-Übersetzer“, sagt Laura mit einem Lächeln.

„Außerdem haben einige unserer Flüchtlinge bereits gute Englischkenntnisse, was die Verständigung erleichtert.“ Einmal in der Woche wird im Speicher am Katharinenberg gelernt. Doch für Laura ist nicht nur die sprachliche Integration wichtig, deshalb gibt es mit den Flüchtlingen auch gemeinsame Freizeitaktivitäten.

„Mein Ziel ist es, Vorurteile abzubauen und den Kontakt zwischen Stralsunder Jugendlichen und Flüchtlingen herzustellen“, berichtet die Gymnasiastin Sarah Foerster. Anfang des Schuljahres hat sie am Hansa-Gymnasium Vorträge über ehrenamtliches Engagement mit Flüchtlingen gehalten. Seit zwei Monaten existiert nun die Gruppe „Jugend gegen Rassismus“, um andere Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren. „Ich hatte nach Interessierten gefragt und plötzlich waren da 50 Freiwillige“, freut sie sich rückblickend. „Wir haben bereits viel auf die Beine gestellt, angefangen bei der Unterstützung von Deutschkursen bis hin zu einem Kleidertauschbasar“, sagt die 18-Jährige.

An der Jona-Schule haben Elftklässler im Rahmen des Projektfachunterrichts eine andere Idee umgesetzt. Dort werden jeden Mittwoch von 14.15 bis 15.45 Uhr Flüchtlingskinder in die Mensa der Schule eingeladen, um zusammen mit den Schülern zu kochen, Spiele zu spielen, künstlerisch aktiv zu sein und eine Menge Spaß zu haben.

Sabrina Scholz (18) und Richard Weinz (17) besuchen die 12. Klasse des Hansa-Gymnasiums.

Demokratie stärken

Die Amadeu-Antonio-Stiftung wurde 1998 gegründet. Ihr Ziel ist es, „die demokratische Zivilgesellschaft zu stärken“.

Die Stiftung setzt sich gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus ein. Sie unterstützt über 1000 lokale Projekte der Jugendkultur, von Schulen, Flüchtlingsinitiativen oder Demokratieprojekte finanziell.

Amadeu Antonio Kiowa ist der Namensgeber dieser Stiftung. Er ist eines der ersten Todesopfer rechtsextremer Gewalt seit der Wiedervereinigung. Der aus Angola stammende 28-Jährige wurde 1990 in Eberswalde zu Tode geprügelt.

Richard Weinz und Sabrina Scholz

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