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Stralsund Stralsunds Pfadfinder werden rausgeworfen
Vorpommern Stralsund Stralsunds Pfadfinder werden rausgeworfen
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00:10 12.05.2018
Annalena Marsch (17, v.l.) und Annike Meyer (19) von den Stralsunder Pfadfindern vor ihrem Domizil in der Alten Rostocker Straße 11. Weil das Gebäude verkauft wird, braucht der Verein eine neue Bleibe. Quelle: Foto: Alexander Müller
Stralsund

Pfadfinder finden bekanntlich immer einen Weg, aber dieses Mal wissen auch sie nicht weiter. Die Stralsunder Ortsgruppe, von den Mitgliedern „Stadtpiraten“

genannt, wird aus ihrem angemieteten Domizil in der Alten Rostocker Straße 11 hinaus geworfen. „Uns wurde gesagt, dass wir noch bis zum Ende des Sommers Zeit haben, etwas Neues zu finden. Dann soll saniert werden und wir müssen hier raus sein“, sagt Annalena Marsch (17), die seit zehn Jahren mit ganzem Herzen Pfadfinderin ist. Das Haus in der Alten Rostocker Straße ist ziemlich runtergekommen, doch die jungen Leute haben das Beste für sich daraus gemacht. Die Wände sind farbenfroh angestrichen, es gibt eine kleine Kochecke und einen Raum mit Sitzsäcken für die Treffen.

Eigentümer der Immobilie ist das Bundeseisenbahnvermögen (BEV) mit Hauptsitz in Bonn. Dessen Aufgabe ist es unter anderem, jene Liegenschaften zu verwalten, die von der Deutschen Bahn nicht benötigt werden. Das BEV will das Gebäude verkaufen, der Abschluss eines Vertrages steht kurz bevor. Dem Pfadfinderbund sei das Objekt ebenfalls angeboten worden, allerdings ohne Ergebnis. „Wir werden den Pfadfindern nicht kündigen. Vielmehr tritt der Käufer zunächst in den Mietvertrag ein. Uns ist allerdings nicht bekannt, welche konkreten Vorstellungen der Käufer über die künftige Nutzung hat“, erklärt ein BEV-Sprecher. Einen Ersatz könne man den Pfadfindern nicht anbieten.

Pfadfinderin Annalena Marsch macht das wenig Hoffnung. „Soweit wir von den Besichtigungen wissen, sind hier Wohnungen geplant. Die können wir uns erstens nicht leisten und zweitens brauchen wir auch kein schickes Appartement als Vereinsheim“, sagt sie.

Die Stralsunder Pfadfinder bestehen aus rund 40 Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren. Sie treffen sich jede Woche in der Alten Rostocker Straße, um sich auszutauschen und die nächsten Fahrten vorzubereiten. Regelmäßig machen die Pfadfinder an den Wochenenden Touren durch die Umgebung. In den Ferien geht es dann weiter weg, zum Beispiel nach Wales oder Irland. „Das ist für mich nicht nur ein Hobby, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung. Man wird hier selbstständiger und übernimmt Verantwortung“, sagt Annalena Marsch.

Die Stralsunder gehören zwar zum Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern, organisieren sich aber ansonsten komplett selbst und ohne Erwachsene. „Bei uns sind auch die Gruppenleiter Jugendliche. Das ist etwas Besonderes, auf das wir sehr stolz sind“, sagt Annike Meyer aus Greifswald, die mit ihren 19 Jahren zu den Ältesten gehört.

In den vergangenen Wochen haben Pfadfinder auch die Suche nach einer neuen Bleibe komplett in die eigene Hand genommen und gezielt die Öffentlichkeit gesucht. Sie haben Briefe an die Fraktionen der Bürgerschaft und die Abteilung Liegenschaften im Stralsunder Bauamt geschrieben. Sie haben vor dem Kreistag Vorpommern-Rügen gesprochen und wollen sich bald mit Bürgerschaftspräsident Peter Paul (CDU) treffen. Die Rückmeldungen machen Hoffnung. Viele Politiker haben ihre Hilfe angekündigt.

„Wir sind nicht sehr anspruchsvoll. Wir brauchen ein bis zwei Räume, möglichst zentral gelegen und groß genug für 20 Leute. Gern streichen und renovieren wir alles selbst“, sagt Annalena Marsch.

Stamm und Sippe

In sieben Städten hat der Pfadfinderbund MV seine Gruppen, auch Stämme genannt. Dazu gehören Rostock, Bergen, Stralsund, Wismar, Anklam, Greifswald und Neubrandenburg. Diese haben wiederum Untergruppen, sogenannte Sippen. Sie bestehen aus jeweils vier bis acht Mädchen und Jungen und einem jugendlichen Gruppenleiter. Die Sippen treffen sich einmal wöchentlich im Pfadfinderheim der Stadt. Hier wird musiziert, gebastelt, gewerkt, gekocht und sich auf die gemeinsamen Fahrten vorbereitet.

Alexander Müller

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