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Stralsund Stralsunds Streit mit Hiddensee: Prozesskosten explodieren
Vorpommern Stralsund Stralsunds Streit mit Hiddensee: Prozesskosten explodieren
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00:05 17.08.2016
Typisch Neuendorf: Grüne Wiesen zwischen den Häusern, auf denen Pferde grasen. Um dieses Grünland rankt sich der Streit. Quelle: Stefan Sauer

Die Hansestadt Stralsund hat an dem seit Jahren andauernden Grundstücksstreit mit den Einwohnern von Neuendorf auf Hiddensee weit weniger Geld verdient als bisher geplant. In diesem sowie den vergangenen zwei Jahren hat die Stadtverwaltung Pachtgebühren in Höhe von durchschnittlich nur 28333 Euro von den Hiddenseern eingenommen. Einkalkuliert hatte die schuldengeplagte Stadtverwaltung laut Haushaltsplan 80000 Euro. Dies geht aus einer internen Auflistung hervor, die der OZ vorliegt.

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Oberbürgermeister Badrow ringt seit Jahren mit den Insulanern um eine Erhöhung der Pachtgebühren und fordert 1300 Prozent mehr / SPD und Linke fordern eine Lösung

Zudem explodieren die Prozesskosten. Allein für Anwälte und Gutachter haben Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) und sein enger Parteifreund Andre Kobsch, Chef der für Liegenschaften und Immobilien zuständigen Abteilung im Rathaus, bisher 181000 Euro ausgegeben. Erst gut ein Drittel von dieser Summe ist der Stadt erstattet worden. Dies geschieht dann, wenn sie einen Prozess gewinnt, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war. Rund 100 Verfahren sind in der Auseinandersetzung anhängig.

Der Streit um die Grundstücke von 80 Familien in Neuendorf belastet seit Jahren das Verhältnis zwischen Hiddenseern und Stralsundern. Seit 2008 streiten die Neuendorfer und die Stralsunder Stadtverwaltung vor diversen Gerichten um eine Erhöhung des Pachtpreises für das Land, das direkt an die Fundamente der alten Fischerhäuser in Neuendorf grenzt. Dies gehört der Hansestadt und der Gemeinde Hiddensee je zur Hälfte, nur der Boden unmittelbar unter den Fundamenten den Neuendorfern. Von den 28333 Euro, die über die Pachtgebühren zuletzt im Schnitt eingenommen worden sind, muss Stralsund also ohnehin die Hälfte auf das Konto der Gemeinde Hiddensee überweisen. Bislang betrug der Pachtpreis 26 Cent pro Quadratmeter und Jahr. Stralsunds Oberbürgermeister Badrow möchte die Summe um 1300 Prozent auf mehr als 3,60 Euro erhöhen.

Die ganze Inselgemeinde hat sich aber schon lange mit dem Anliegen der Süder, wie die Neuendorfer auf Hiddensee genannt werden, solidarisch erklärt und ist dem Streit beigetreten. Hiddensees Bürgermeister Thomas Gens will auch gar nicht so sehr zurück auf die alten Verfahren schauen, sondern fordert in der Sache eine Perspektive für die Zukunft.

„Die derzeitige Hängepartie muss schnellstmöglich beendet werden, da sie letztendlich beiden Seiten schadet“, fordert auch der Kommunalexperte der SPD im Landtag, Heinz Müller. Auf Landesebene sieht er Lorenz Caffier (CDU) in der Pflicht: „Vielleicht müsste der zuständige Kommunalminister tätig werden.“

Für Helmut Holter, Fraktionschef der Linken im Landtag, sind die Fronten derweil so verhärtet, dass nur ein Eingreifen von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) ein Weg zu einer Lösung sein könne.

„Alle Hilferufe der Neuendorfer und des Hiddenseer Bürgermeisters nach Schwerin verhallten, weil sich Ministerpräsident Erwin Sellering und Innenminister Lorenz Caffier hinter der Mauer der kommunalen Selbstverwaltung verstecken.“ Holter fordert einen Runden Tisch mit allen Beteiligten. „Der Innenminister und CDU-Landesvorsitzende sollte auf den CDU-Oberbürgermeister Badrow einwirken, diesen Streit endlich einvernehmlich zu beenden.“

Die Stralsunder Stadtverwaltung ließ eine Anfrage zu dem Thema gestern unbeantwortet. Die OZ bleibt dran.

Geschützte Weitläufigkeit

80 Familien werden von der Stadt mit Klagen überzogen. Ein Kaufangebot, bei dem die Hansestadt 80 Euro für jeden Quadratmeter Grünland rund um die Häuser bekommen würde, lehnen die Verhandlungsführer im Rathaus kategorisch ab, obwohl mehrere Gutachten in ihrer Bewertung zu einem deutlich niedrigeren Wert der Flächen kommen.

Die Wiesen, um die es bei dem Streit in Neuendorf geht, können nicht bebaut werden. Einerseits, weil es sich bei dem Streitland lediglich um die Grünstreifen handelt, die unmittelbar an die Häuser grenzen. Zudem steht die für das pittoreske Dorf einzigartige Zeilenbebauung unter Denkmalschutz, um die Weitläufigkeit zu erhalten. Hier darf jeder Badegast, jeder Einheimische querfeldein durchs Grüne laufen.

Benjamin Fischer

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