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Stralsund Stralsunds guter Freund: Ein Pastor mit Schweißerpass
Vorpommern Stralsund Stralsunds guter Freund: Ein Pastor mit Schweißerpass
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00:00 12.10.2018
Stralsund

Wenn Christoph Lehnert die Marienkirche betritt, liebt er „den weiten, lichtdurchfluteten Raum. Die Schlichtheit. Und wenn dann noch die Orgel erklingt, ist das wie ein Fünfer im Lotto“.

Pastor Christoph Lehnert feiert heute seinen 60. Geburtstag. Quelle: Foto: Marlies Walther

32 Jahre war er alt, als er die Pfarrstelle in St. Marien übernahm. Heute wird der Pastor 60. Grund genug für ihn, „voller Dankbarkeit“ auf die letzten 28 Jahre zurückzuschauen. Und während der heutige Tag seiner Familie mit seiner Frau Andrea, Kindern, Enkeln gehört, wird es am Sonntag einen Geburtstagsempfang in der Kirche geben – mit Gottesdienst, Livemusik und vielen Begegnungen. 200 Gäste wollen kommen. Zu ihnen gehört der Stralsunder Orthopäde-Professor Johannes Plath. Der trifft mit seinen Worten, was sicher viele unterschreiben: „Christoph Lehnert ist mir ein guter Freund. Er ist auch Stralsunds guter Freund, indem er nicht nur sein Haus bestellt, sondern den Menschen hilft. Er hat viel für die Stralsunder bewirkt.“

Plath erinnert daran, dass der Pastor die Kirche zu einem Ort gemacht hat, der gesellschaftliche Vorgänge reflektiert. So wie er mit den Friedensgebeten für die Volkswerft den Schiffbauern eine Stimme gegeben hat. Er gelte als Impulsgeber für das stationäre Hospiz, hat sich für die Initiative Sternenkinder eingesetzt. Und dass die Reemtsma-Stiftung sich in Stralsund engagiert – ihr ist die Sanierung der Stellwagen-Orgel vor zehn Jahren zu verdanken – hänge mit seiner Person zusammen. Rotary-Club, Müther-Gedächtnisfahrten, kleines Schulchen Escuelita, Welterbebeirat... die Liste ist lang. Und immer ist Lehnert mit Herz und Bescheidenheit dabei.

Der Kirchengemeinderat schätzt „seine Gabe, bei anderen den Blick für das Christentum zu öffnen“, wie die stellvertretende Vorsitzende Angelika Kiewitt sagt. Das zeige sich in seinen ansprechenden Predigten, in Gesprächskreisen oder in den vielen gemeinsamen Reisen zu den Wurzeln des Christentums. Mit seiner sozialen Kompetenz und seinem unermüdlichen Einsatz für die Restaurierung der Kirche verschaffe er sich große Anerkennung. 12 Millionen Euro wurden in die Sanierung investiert.

Dabei hätte sein Leben auch ganz anders verlaufen können. Eingeschlagen hatte er zunächst den Weg der Berufsausbildung mit Abitur und machte seinen Schweißerpass. In dem Job hat er zunächst in Eberswalde auch gearbeitet. Wohl auch deshalb hat er Verständnis, wenn mal jemand in der Kirche einschläft nach einem harten Arbeitstag. Für ihn selbst ist jeder Gottesdienst „ein Fest“ und steht im Mittelpunkt seiner Arbeit. Genauso wie die seelsorgerische Begleitung: Trost vermitteln, Mut machen. An wie vielen Sterbebetten hat er wohl gesessen? Immer mit seinem Lebensmotto, dem wohl kürzesten Evangelium, wie er findet: „Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben.“

Nachdem sich der Pfarrerssohn dann doch für ein Theologiestudium in Berlin entschieden hatte, ging er zum Forschungsstudium nach Greifswald und liebäugelte eigentlich mit einer Uni-Karriere. Doch St.

Marien brauchte geistlichen Beistand. Vier Jahre war die Pfarrstelle vakant. So folgte Lehnert dem Ruf und kam als Vikar im Frühjahr 1989 nach Stralsund. Wer konnte da ahnen, dass er sich nur wenige Wochen später in der dramatischsten und aufregendsten Zeit seines Lebens wiederfinden würde. Damals immer „auf dem „scharfen Grat, dass aus Kerzen und Gebeten eine blutige Revolution werden könnte“.

Die friedliche Revolution gelang. Mit Stolz erfüllt Christoph Lehnert, dass die Mariengemeinde heute auch zur weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry gehört, deren wichtigste Botschaften Frieden und Versöhnung sind. Um so mehr macht ihn fassungslos, „dass derzeit so viel braunes Zeug hochschwappt, wogegen wir angehen müssen“. Genau deshalb sagt der Mann, der zwei schwere Krankheiten überstanden hat, zu seiner Zukunft: „So Gott will und ich die Kraft habe, möchte ich bis zum Ruhestand weitermachen.“

Schließlich ist das „gewaltige Restaurierungswerk“ längst nicht abgeschlossen. Nächstes Vorhaben – der Umbau des Nordwestportals zum Besuchereingang – mit Windfang, Rollstuhl-Rampe und sanitärer Einrichtung. Das kostet 130000 Euro. Und das passt zu ihm: Blumen und Geschenke möchte Christoph Lehnert zu seinem Geburtstag nicht. Aber wer ihm eine Freude machen will, kann für das Portal spenden.

Marlies Walther

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