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Stralsund Stralsunds neue Schatzkammer
Vorpommern Stralsund Stralsunds neue Schatzkammer
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00:21 05.05.2018
Im Bilderarchiv des Zentraldepots: Die beiden Hausherren – Stadtarchivdirektor Dirk Schleinert (r.) und die amtierende Direktorin des Stralsund Museums Claudia Hoffmann (2.v.l.) – gemeinsam mit Amtsleiterin Steffi Behrendt und OB Alexander Badrow. Quelle: Fotos: Christian Rödel
Stralsund

Es ist vollbracht: Sechs Jahre nach dem Schimmelbuchskandal, der Stralsund deutschlandweit unrühmliche Schlagzeilen beschert hatte, ist das neue Zentraldepot für Kulturgüter an der Schwedenschanze 6 fertig.

Das Zentraldepot für Archivalien, Akten und Museumsgüter ist eröffnet. 4,8 Millionen Euro kostete der Umbau der ehe- maligen Nach- richtenzentrale.

Und auch wenn die Regale noch alle leer sind und der Umzug bevorsteht, ist das für die Leiterin des Amtes für Kultur, Welterbe und Medien, Steffi Behrendt „ein wichtiger Meilenstein“. Mit dem Einzug in die neuen Räume werde eine „dauerhafte Sicherung der Bestände gewährleistet“, sagte Stralsunds OB Alexander Badrow (CDU). Zugleich gestand er schwere Versäumnisse ein: „Im Herbst 2012 war bekannt geworden, dass wir die Pflicht gegenüber unserer eigenen Geschichte vernachlässigt haben – ein Fehler im Umgang mit dem Erbe unserer Stadt, den wir sehr bereuen.“

Damals hatte sich herausgestellt, dass die historische Bibliothek im Johanniskloster seit Jahren unter völlig ungeeigneten klimatischen Verhältnissen gelagert wurde und die wertvollen Bände vor sich hingammelten. Betroffen war fast der komplette Bestand an Büchern, Urkunden, Handschriften. Der drohte unwiederbringlich zerstört zu werden. Das Archiv musste für die öffentliche Nutzung geschlossen werden. Quasi in letzter Minute gelang es der Hansestadt aber doch noch, die Reißleine zu ziehen. Mit aufwändiger Hilfe des Zentrums für Bucherhaltung in Leipzig sind seitdem die beschädigten Dokumente gereinigt, restauriert und verloren geglaubte Schätze gerettet worden. Das Zentraldepot wurde auf den Weg gebracht.

Zu den Objekten, die künftig dort ihr neues Zuhause finden, gehören französische Bibeln aus dem 13. Jahrhundert, die zu den Spitzenwerken der europäischen Buchmalerei zählen. Badrow nannte auch die weltbekannten Paramente – mittelalterliche kirchliche Gewänder – oder prächtige Siegel, die die Geschicke der Stadt besiegelten.

Allein 9000 „laufende Meter“ in fahrbaren Rollregalen stehen nun zur Verfügung. Insgesamt beträgt die Lagerfläche 5100 Quadratmeter. Stralsunds neue Schatzkammer macht bereits von weitem mit stilisierten Buchrücken an der überwiegend fensterlosen Fassade auf sich aufmerksam. Der Umbau des Gebäudes, in dem sich früher die Nachrichtenzentrale der Volksmarine befand, kostete 4,8

Millionen Euro. Regie führte die Stadterneuerungsgesellschaft.

Das Haus mit seinen meterdicken Wänden sei bewusst gewählt worden, erläuterte Winfried Lenkeit von der Architekten- und Ingenieur-Union (AIU). Denn zusammen mit weiteren baulichen Maßnahmen wie hinterlüfteten Dach- und Wandkonstruktionen und einem aufgeschütteten Erdwall sei es möglich, bei minimalen Betriebskosten das richtige Klima zu schaffen: Eine konstante Raum-Temperatur von 18

Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent. Sensoren zeigen jede minimale Veränderung. So genannte Klimatafeln aus Holz an den Wänden nehmen je nach Bedarf Feuchtigkeit auf oder geben sie wieder ab. Zur Ausstattung wurden 22 Kilometer Kabel und Leitungen verlegt. Und sowohl sicherheits- als auch brandschutztechnisch – mit direkter Schalte zur Feuerwehr im Notfall – sei alles auf dem neuesten Stand.

„Das ist eine große Errungenschaft für Stralsund“, sagte Klaus-Dieter von Fircks vom Förderverein des Stralsund Museums, das neben dem Stadtarchiv Hausherr in dem Gebäude ist. „Toll, dass nun alles so technisch geordnet bewahrt wird“, findet der Stralsunder. Fircks ist einer von vielen Nutzern, die außerdem sehnsüchtig der Wiedereröffnung des Lesesaals im Johanniskloster entgegenfiebern. „Wir hoffen, dass wir das auch dieses Jahr noch hinbekommen“, kündigte Steffi Behrendt an.

Heute Tag der offenen Tür

Eine Besichtigung des Zentraldepots, Zur Schwedenschanze 6, ist anlässlich des Tages der Städtebauförderung heute von 11 bis 13 Uhr möglich. An der Veranstaltung, die dem Europäischen Kulturerbe-Jahr gewidmet ist, nehmen OB Alexander Badrow (CDU) und Bauminister Christian Pegel (SPD) teil. Als Ansprechpartner stehen Mitarbeiter des Stadtarchivs, des Stralsund Museums, der Stadterneuerungsgesellschaft und der Architekten- und Ingenieurunion zur Verfügung.

Der 4,8 Millionen teure Umbau der alten NVA-Nachrichtenzentrale wurde von Land und Bund mit 3,5 Millionen Euro gefördert. Seit 1991 erhielt Stralsund rund 163 Millionen Euro aus der Städtebauförderung.

Marlies Walther

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