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Stralsund Klohäuschen in Stralsund bleibt Kult – auch ohne Denkmalstatus
Vorpommern Stralsund Klohäuschen in Stralsund bleibt Kult – auch ohne Denkmalstatus
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05:39 15.03.2019
Klohäuschen in Stralsund Quelle: Ines Sommer
Stralsund

Das runde Klohäuschen auf dem Neuen Markt hat Kult-Status in Stralsund. Zu diesem Schluss sind letzten Sommer viele Hansestädter im Rahmen der OZ-Leser-Debatte gekommen. Auch die Abgeordneten der Bürgerschaft stellten sich hinter das „Café Rundblick“, wie es von den Einheimischen liebevoll genannt wird. Und doch kam jetzt noch einmal Bewegung in die Diskussion, denn die Fraktion der Linken hatte in der letzten Bürgerschaft den Antrag gestellt, das berühmte Toilettenhaus unter Denkmalschutz zu stellen.

„Das Häuschen gehört zu Stralsund und ist vom Neuen Markt nicht mehr wegzudenken. Deshalb wollen wir langfristig sichern, dass es erhalten bleibt, und zwar genau an dieser Stelle“, begründete Linken-Politikerin Andrea Kühl den Vorstoß ihrer Fraktion, die die Stadtverwaltung beauftragen wollte, sich um den Schutz-Status zu bemühen. Also quasi pinkeln im Welterbe?

„Wir haben bereits einen Beschluss, wonach das Toilettenhaus in seinem Bestand so erhalten bleiben soll. Die Frage ist, ob eine Aufnahme in die Denkmalliste überhaupt möglich ist. Dafür gibt es bestimmte Kriterien. Ich schlage vor, dass die Verwaltung prüft, ob die erfüllt sind. Ist das der Fall, sollten wir das Gebäude in die Denkmalliste aufnehmen“, sagte die CDU-Abgeordnete Ann Christin von Allwörden.

Thomas Haack (Bürger für Stralsund) erklärte, dass man bereits im Bau-Ausschuss ausführlich über das Thema gesprochen habe. „Das Rondell soll in die Neugestaltung des Neuen Marktes integriert werden, darüber waren wir uns nach ausgiebiger Debatte einig, und so steht es auch in den Wettbewerbsunterlagen. Da muss man jetzt kein extra Denkmal draus machen.“

Grünen-Abgeordneter Arnold von Bosse meinte, seine Fraktion könne mit einem Prüfauftrag leben, „aber eigentlich ist der obsolet“. Der fraktionslose Abgeordnete Matthias Laack hielt dagegen: „Wir sollten uns lieber um historische Denkmäler kümmern. Wie zum Beispiel die Lokschuppen.“

Bei der anschließenden Abstimmung waren bis auf Laack alle Stadtvertreter dafür, die Verwaltung mit einem Prüfauftrag zu betrauen. „Mit dieser Änderung können wir gut leben“, so Andrea Kühl gestern. Sie hofft, dass im Ergebnis der Prüfung die Bedingungen für ein Einzeldenkmal gegeben sind. So könne man auch gezielt Förderungen beantragen.

Unterdessen rückt der Wettbewerb um die Neugestaltung des Neuen Marktes, der seit 1968 quasi unverändert ist, langsam ins Blickfeld. Der Markt soll sich in den nächsten Jahren von einem Parkplatz in eine Oase der Erholung verwandeln. Zwar ist die genaue Umsetzung noch offen, doch die Bürgerschaft hatte im April 2018 grünes Licht für einen Gestaltungswettbewerb gegeben. Stadtplaner, die sich mit einem Konzept einbringen wollen, müssen sich allerdings an klar umrissene Grundbedingungen halten. Diese so genannten Rahmenaussagen sind das Ergebnis von mehreren Bürgerforen in den vergangenen Jahren, bei denen sich Stralsunder mit ihren Ideen einbringen konnten.

Fest steht etwa, dass der Verkehr auf dem Neuen Markt deutlich reduziert werden soll. Die Parkplätze sollen Grünflächen, Sitzbänken und Spielmöglichkeiten weichen. Stattdessen könnte ein zweigeschossiges Parkhaus mit 225 Plätzen an der Schützenbastion gebaut werden. Das Toilettenhäuschen soll im Bestand erhalten bleiben. Vorgesehen ist zudem, dass der sowjetische Ehrenfriedhof in seiner Größe und Lage erhalten bleibt, er aber als würdevoller Gedenkort umgestaltet wird. Gleichzeitig soll das Nordportal der Marienkirche aufgewertet werden.

„Der Wettbewerb zur Marktgestaltung wird derzeit vorbereitet“, sagte Peter Koslik, Sprecher der Stadt, gestern auf OZ-Anfrage und ergänzte: „Außerdem muss der Gestaltungswettbewerb, der zur Schützenbastion läuft, ausgewertet werden. Liegen die Ergebnisse vor, fließen die wiederum in die Bedingungen für die Neugestaltung des Marktes ein. Wir müssen uns ja als Stadt darüber im Klaren sein, wie wir das Problem mit den parkenden Autos lösen wollen.“

„Café Rundblick“ steht seit 65 Jahren

Das eigentliche Markenzeichen des Neuen Marktes ist das runde Toilettenhaus. Früher stand an dieser Stelle eine Seltersbude. Auf alten Fotos und Postkarten ist die kleine Bretterbude noch zu sehen.

1954 Baustart: Um das leidige Problem öffentlicher Toiletten etwas zu entschärfen, beschloss der Rat der Stadt Anfang der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf dem Neuen Markt eine Abortanlage zu errichten. Zu dem Rundbau, den der Architekt Werner Grundmann entwarf, gehörten eine Toilettenanlage für Männer mit acht PP-Becken und zwei WC-Becken, eine ebensolche für Frauen mit drei WC-Becken, ein Raum für die Wärterin, ein Warteraum für Straßenbahnfahrgäste, ein Zeitungsverkaufsverstand und zwei Telefonzellen.

Rings um den Neuen Markt standen früher stattliche Bäume. Leider sind diese gefällt worden, als im Jahre 1968 der Platz sein heutiges Antlitz erhielt.Parkplatz ist der Neue Markt übrigens schon seit 1938.

Ines Sommer

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