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Stralsund Suchtprävention: Kreis lässt Chamäleon-Verein hängen
Vorpommern Stralsund Suchtprävention: Kreis lässt Chamäleon-Verein hängen
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05:36 11.10.2018
Der Chamäleon-Verein ist ein gefragter Partner in der Suchtprävention des Kreises Vorpommern-Rügen. Quelle: Privat
Stralsund

Die Ablehnung des Kreistages Vorpommern-Rügen, zusätzliches Geld für die Suchtprävention im Landkreis bereitzustellen, hat beim Stralsunder Verein „Chamäleon“ für Enttäuschung gesorgt. „Wir haben die Leistungen in der Suchtprävention erbracht, und nun lässt man uns eiskalt im Regen stehen“, sagte Geschäftsführerin Maren Bittner der OZ.

Der Kreistag Vorpommern-Rügen hatte sich dagegen entschieden, die Arbeit zur Suchtprävention des Vereins zusätzlich finanziell zu unterstützen. Ein Antrag, mit dem „Chamäleon“ ein einmaliger Personalkosten-Zuschuss in Höhe von gut 30 000 Euro gewährt werden sollte, scheiterte im Kreistag an nur drei Stimmen. Dennoch wurde das Thema noch einmal in den Jugendhilfeausschuss des Kreises verwiesen, in dem die Sache aber bereits mehrfach ausführlich beraten worden ist.Der Stralsunder Abgeordnete Maik Hofmann (Bürger für Stralsund) begründete die Ablehnung des Vorstoßes seiner Fraktion mit dem Hinweis, dass alle Träger gleich behandelt werden müssten. Auch Ex-Landrat Ralf Drescher (CDU) lehnte den Zuschuss ab.

Die Stralsunder Kreispolitiker der CDU-Fraktion votierten indes abweichend zum Rest der Fraktion dafür, dem Verein unter die Arme zu greifen. Die Fraktionen von SPD, Grünen und Linken sprachen sich ebenfalls dafür aus.<QA0>„Chamäleon“ betreibt eine anerkannte Suchtberatungsstelle für den gesamten Kreis in Stralsund. Keine andere Einrichtung deckt ein derart breites Spektrum in der Jugendsozialarbeit ab.

Hintergrund: Der „Chamäleon“-Verein hatte die bürokratisch aufwändigen Fördermechanismen der Europäischen Union und das damit verbundene „inhaltliche Verbiegen“ kritisiert und wollte sich von dieser Förderung verabschieden. „Weil man den Bedarf der Suchtprävention sah, hatten uns die Fraktionsvorsitzenden aller Parteien im Juni versprochen, über den Kreistag Geld zur Verfügung zustellen“, sagte Maren Bittner.

Zudem seien die Fördermittel in der Vergangenheit oft sehr zögerlich ausgezahlt worden. Noch im April dieses Jahres hätten nach Angaben des Vereins beispielsweise 48 000 Euro gefehlt, aus denen Gehälter für zwei Jugendsozialarbeiter bezahlt werden sollten, die in der Suchtprävention an Schulen, aber auch in der Suchtberatung in Stralsund, Barth, Grimmen und Bergen tätig sind.

„Ich begreife nicht, warum wir die Augen davor verschließen, dass Eltern heute gerade diese Angebote wie zum Umgang mit Mediensucht der Kinder brauchen“, kritisierte Wenke Brüdgam (Linke). Die Grünen Bundestags- und Kreistagspolitikerin Claudia Müller betonte, dass der „Chamäleon“-Verein in der Jugendhilfeplanung des Landkreises ganz klar als Träger dieser Aufgabe benannt ist. „Wir haben diese Leistung bestellt“, mahnte Müller in Richtung der Gegner im Kreistag, die Arbeit von „Chamäleon“ zusätzlich mit rund 30 000 Euro zu unterstützen. Müller: „Der Verein kann nicht dauerhaft in Vorkasse gehen.“

Kristine Kasten von der SPD-Fraktion ermunterte die Spitze des Landratsamtes nicht immer zu sagen, was alles nicht geht, sondern für einen Verein, „der so wichtig ist“, einen Lösungsweg aufzuzeigen. Dies sei der im Jugendhilfeausschuss des Kreistages formulierte Auftrag an die Kreisverwaltung gewesen.

Die zuständige Beigeordnete des Landratsamtes, Carmen Schröter, verteidigte die Entscheidung, dass der Landkreis die Mittel bislang nicht ausgezahlt habe. Daran sei auch das Verhalten der Stadtverwaltung Stralsund mit schuld. „In der bisherigen Suchtprävention ist die Hansestadt Stralsund bisher immer ein stabiler Partner gewesen.“ Aber in der Finanzierungsübersicht, die „Chamäleon“ zur Begründung der Notwendigkeit der einmaligen Sonderzahlung eingereicht habe, spiele die Stadt plötzlich keine Rolle mehr, sagte Schröter. Es sei eine unternehmerische Entscheidung des Trägers gewesen, sich aus der EU-Finanzierung zurückzuziehen. „Es wird Chamäleon bewusst gewesen sein, dass dies ein finanzielles Risiko ist.“

Birgit Rubbert, ebenfalls Chamäleon-Geschäftsführerin: „Wir denken nun darüber nach, wie wir ohne Fördermittel die Nachfragen für unsere Präventionsarbeit abdecken können. Aber wir hätten uns schon gewünscht, dass das Jugendamt mal sagt, wie Jugendhilfe künftig bezahlt werden soll.“

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