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Stralsund Tanz gegen das Vergessen

Zum gestrigen Welt-Alzheimertag hat das Netzwerk Demenz auch ein Tanzcafé für Betroffene und Angehörige eröffnet

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Der 94-jährige Siegfried Reiter spielt künftig im Tanzcafé auf. Petra Dunkel vom Förderverein der Memo Clinic wagt sich mit Patientin Sibylle Stolze auf eine Runde auf die Tanzfläche.

Quelle: Fotos: Wenke Büssow-Krämer

Stralsund. Als neuestes Projekt hat das Netzwerk Demenz im Rahmen des gestrigen Welt-Alzheimertages das Tanzcafé „Vergiss mein nicht“ eröffnet und präsentiert, für das sich der Förderverein der Memo Clinic verantwortlich zeigt. „Wir haben durch die Arbeit gemerkt, wenn nichts mehr geht, tanzen geht immer“, weiß Petra Dunkel vom Förderverein. „Das spricht einfach viele an. Mit dem Partner ausgehen vermittelt Lebensfreude“, meint Dunkel.

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Zum gestrigen Welt-Alzheimertag hat das Netzwerk Demenz auch ein Tanzcafé für Betroffene und Angehörige eröffnet

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Genau wie früher können Günter und Ilse Freistein zukünftig regelmäßig im Rhythmus der Musik in Erinnerungen schwelgen und dabei für einige Zeit die Probleme des Alltags vergessen. „Wir haben früher sehr viel getanzt und nichts ausfallen lassen“, sagt der 85-jährige Senior. Nun ist auch seine Frau von Demenz betroffen. „Da kommen schon einige Fragmente wieder ans Tageslicht. Schade, dass es so lange gedauert hat, bis solche Möglichkeit geschaffen wurde“, meint Günter Freistein.

Aber auch die Kontaktmöglichkeiten mit den Partnern des Netzwerkes haben den Ehemann interessiert. „Wir wollen ja alles richtig machen, da sind solche Informationen wichtig. Genau deshalb haben wir die Entwicklung des Netzwerkes auch immer verfolgt. Bedauerlich ist nur, dass es immer noch Unstimmigkeiten zwischen den Behandlungen der Demenz und allgemeinen Krankheiten gibt“, so Freistein. Hier stoßen Ärzte und das soziale Umfeld der Erkrankten oft an ihre Grenzen.

Solche Informationen und der Abbau von Hemmschwellen im Umgang mit dementen Menschen hat sich das Netzwerk Demenz – dem 13 Einrichtungen aus den Bereichen Pflege, Kirche oder Kliniken angehören – auf die Fahnen geschrieben. „Die Öffentlichkeitsarbeit ist immens wichtig“, sagt Dr. Georgia Böwing. „Nur wenn man es ausspricht, können Tabus überwunden werden. Je besser die Bevölkerung informiert ist, desto mehr Verständnis kann sie entgegenbringen“, erklärt die Leiterin der gerontopsychiatrischen Institutsambulanz am Helios Hanseklinikum Stralsund. „Und das Risiko einer Demenz wird immer größer, da es nunmal eine Alterserkrankung ist und die Bevölkerung immer älter wird“, sagt Böwing.

Regelmäßig treffen sich die Netzwerkpartner zum gemeinschaftlichen Austausch. Mit an Bord ist auch die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen KISS. „So verschaffen wir uns einen Überblick, was es für Angebote und wo es Bedarf gibt und überlegen, was wir gemeinsam tun können“, sagt Anke Landgraf von der KISS. „So können wir beispielsweise nicht nur in Selbsthilfe vermitteln, sondern Tipps geben, welcher Träger was anbietet.“ Das Tanzcafé, das über das Bundesmodellprogramm Lokale Allianz für Menschen mit Demenz für zwei Jahre gefördert wird, lädt nun an jedem ersten Dienstag im Monat von 15.30 Uhr bis 17 Uhr Betroffene, Angehörige oder auch einfach nur Interessierte ein. Neben Live-Musik von Siegfried Reiter am Schifferklavier, soll dann sogar ein Tanzlehrer dem Vergessen auf die Sprünge helfen. „Wir hoffen, dass möglichst viele Menschen den Mut finden, sich auf den Weg zu machen. Und wer sich nicht bewegen will, kann auch nur mit anderen ins Gespräch kommen. Im besten Falle hat dies einen integrativen Charakter“, so Petra Dunkel.

35 Millionen betroffen

Der Welt-Alzheimertag wurde von der Dachorganisation Alzheimer’s Disease International (London) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen.

Seit 1994 finden am 21. September in aller Welt vielfältige Aktivitäten statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation der Alzheimer-Kranken und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen.

Weltweit sind etwa 35 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen, zwei Drittel davon in Entwicklungsländern. Bis 2050 wird die Zahl auf voraussichtlich 115 Millionen ansteigen.

Wenke Büssow-Krämer

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