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Team der Fischhalle will Isaacs Abschiebung verhindern

Stralsund Team der Fischhalle will Isaacs Abschiebung verhindern

41-jähriger Ghanaer hat in Stralsund Arbeit, Wohnung und nette Kollegen. Jetzt wurde sein Asylantrag endgültig abgelehnt — trotz gültiger Arbeitserlaubnis.

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Sie sind ein eingespieltes Team in der Fischhalle: Bernd Klein, Gerlinde Kelm, Isaac Owosu Gyabaah und Karsten Brauer (v.r.). Durch die drohende Abschiebung, könnte der Ghanaer bald nicht mehr dazu gehören.

Quelle: Jörg Mattern

Stralsund. Isaac Owusu Gyabaah geht es schlecht. Der 41-Jährige aus Ghana hat Post bekommen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Sein Asylantrag ist endgültig abgelehnt, er muss binnen vier Wochen Deutschland verlassen. Eine Mitarbeiterin des psychiatrischen Dienstes betreut den Afrikaner derzeit.

Das geschah auf Initiative von Bernd Klein. Der Mann, den viele Stralsunder aus der Fischhalle im Hafen kennen, hat Gyabaah im letzten Jahr Arbeit gegeben und es nicht bereut. „Hier im Team heißt er nur Isaac. Das ist ein Zeichen dafür, wie gut er sich eingearbeitet hat“, sagt Klein und ist voll des Lobes: „Isaac hat schnell gelernt, wie Fisch verarbeitet und präsentiert wird. Und so hilfsbereit wie er ist, hat er bei unseren Köchinnen einen großen Stein im Brett.“

Weil der Ghanaer so gut eingeschlagen hat, hat Klein ihn vor zwei Monaten fest eingestellt. Er hat den Afrikaner aus dem Asylbewerberheim geholt, ihm eine Einraumwohnung besorgt. „Die Truppe half beim Einrichten. Wir haben eine Küchenzeile eingebaut und ihm einen gebrauchten Fernseher spendiert“, berichtet Bernd Klein.

Isaac Owusu Gyabaah fühlt sich wohl am Sund: „Ich hab‘ Arbeit und Wohnung und kann Geld nach Hause schicken.“ Zu Hause, das ist Accra in Ghana, wo seine Frau und die zwei Kinder wohnen. Vom Geld aus dem fernen Stralsund soll sein ältester Sohn studieren können. Über Griechenland und Italien ist Gyabaah nach Deutschland gekommen. Sein Schwager sei bei politischen Unruhen in Ghana erschossen worden, berichtet er und dass er Angst gehabt habe damals. Isaac Owusu Gyabaah sagt aber auch offen, dass er gekommen ist, um Geld zu verdienen, weil es in Ghana wenig Jobs gibt und die Familie arm ist. Dass ihm das mit dem Geldverdienen gelungen ist, darauf ist er stolz. „Ich falle hier keinem zur Last“, betont er und versteht nicht, dass er zurück soll.

Bernd Klein schüttelt ebenfalls den Kopf. „Isaacs Arbeitserlaubnis gilt bis Ende 2017. Warum muss er da jetzt zurück nach Ghana?“

„Weil das zwei verschiedene Dinge sind“, erklärt Olaf Manzke, Sprecher der Kreisverwaltung Vorpommern-Rügen. Nach seiner Kenntnis habe das BAMF den Asylantrag von Isaac Owusu Gyabaah bereits 2013 abschlägig beschieden. Doch der Ghanaer habe nicht abgeschoben werden können, weil er keine gültigen Papiere vorweisen konnte. Bis zur Klärung seiner Identität bekam der Afrikaner eine Duldung zugesprochen. Auf deren Basis konnte die Bundesagentur für Arbeit eine Arbeitserlaubnis ausstellen. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, betont Manzke. Die Ausländerbehörde des Kreises sei über die endgültige Ablehnung des Asylantrages vom BAMF informiert worden und habe die Abschiebung notfalls umzusetzen.

Warum das jetzt so schnell geht? „Herr Gyabaah hat plötzlich doch einen Pass vorgelegt, damit steht seine Identität fest und er kann nach Ghana zurück“, so Manzke.

Dagegen will Isaac Owusu Gyabaah jetzt rechtlich vorgehen. Sonja Steffen, SPD-Bundestagsabgeordnete und Rechtsanwältin, will gegen die drohende Abschiebung Klage einlegen und einstweiligen Rechtsschutz beantragen. „Gut ist, dass mein Mandant Arbeit und Wohnung hat und im Kreise seiner Kollegen integriert ist“, hofft sie mit diesen Argumenten vor Gericht punkten zu können.

Armut zählt nicht
Wer seine Kollegen hört, kommt zum Schluss: Isaac Owusu Gyabaah ist gut integriert. Er hat Arbeit, Wohnung, liegt keinem auf der Tasche. Er ist beliebt. Im Stralsunder Hafen wird die Willkommenskultur gelebt, von der deutsche Politiker so gerne sprechen. Doch das nützt dem Afrikaner gerade nichts. Sein Heimatland Ghana ist weder durch politische Verfolgung noch Krieg auffällig.
Es ist n u r arm. Armut aber ist nach der Genfer Flüchtlingskonvention kein Grund, Asyl zu gewähren. Darauf beruft sich das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge — also:
Abschiebung. Zudem genießen nach dem Grundgesetz nur politisch Verfolgte Asyl in Deutschland. Gyabaah gehört nicht dazu. Er wollte der Armut entrinnen. Darauf gibt es keinen rechtlichen, höchstens einen moralischen Anspruch. Im Grundgesetz steht dazu: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Isaac Owusu Gyabaah in die Armut zurückzustoßen, ist unwürdig.

 



Jörg Mattern

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