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Theatergeschichte amüsant notiert

Stralsund Theatergeschichte amüsant notiert

Absolut lesenswert: „Dem edlen Bürgersinn dies Haus geweiht“ — ein Buch der Stralsunder Autorin Juliane Voigt.

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Die Autorin Juliane Voigt stellt ihr Buch über die Theatergeschichte vor.

Quelle: Christian Rödel

Stralsund. Mit einem Bürgerschaftsbeschluss für ein riesiges Stralsunder Investitionsprojekt und einer mehrtägigen Dienstreise durch Deutschlands Theaterlandschaften fing alles an! Das war schon, einschließlich klammer Kassen, vor über 100 Jahren so, als sich die Abgeordneten mehrheitlich dazu durchrangen, einen modernen Musentempel in der Hansestadt errichten zu lassen.

Die Stralsunder Autorin Juliane Voigt hat aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Stadttheaters eine lange, aufwändige Recherche betrieben, um die wechselvolle, facettenreiche Geschichte des Großen Hauses am Olof-Palme-Platz neu auszuleuchten.

Am gestrigen Sonntagvormittag stellte die freie Kulturjournalistin und Theaterkritikerin ihr frisch im Berliner Verlag Theater der Zeit erschienenes Buch „Dem edlen Bürgersinn dies Haus geweiht“ der Öffentlichkeit im Theater vor.

Am 16. September 1916, also mitten im Ersten Weltkrieg, wurde das Stralsunder Stadttheater eingeweiht, obwohl es schon im April 1915 aus baulicher Sicht übergabereif gewesen war.

„Das eigentliche Theater war also der Krieg, das Publikum befand sich zu großen Teilen an der Front“, beschreibt Juliane Voigt pointiert die Zeit in der Warteschleife vor der offiziellen Einweihung des Hauses.

Der Kölner Regierungsbaumeister Carl Moritz war ein viel beachteter Theater-Architekt seiner Zeit. Er war es, der Anfang Mai 1913 den Auftrag erhalten hatte, für Stralsund einen modernen Musentempel zu entwerfen. Der damalige, hoch engagierte Theaterdirektor Ludwig Treutler, dessen altes Haus gegenüber vom Rathaus längst nicht mehr dem modernen Standard entsprach, hat vergeblich Druck gemacht, das Haus vor der Stadt noch im Jahr 1915 zu eröffnen.

Doppeltes Schicksal für ihn: Treutler verstarb am 28. August desselben Jahres und konnte ein gutes Jahr später die Theatereröffnung nicht mehr miterleben. Eigentlich eine banale Erkenntnis, aber: Das wahre Leben ist mindestens genauso dramatisch, wie das auf der Bühne.

Als sich dann endlich ein gutes Jahr später die Pforten des neuen Hauses öffneten, schrieb die Presse wie im Rausch des Kriegstaumels über dieses besondere Ereignis: „Das gewaltige Völkerringen, Sorgen und Kummer des Alltags, waren für einige Stunden vergessen.“ Lässig bis amüsant, ironisch, aber stets um Exaktheit bemüht, beschreibt Juliane Voigt die nachfolgenden 100 Jahre in dem Haus, wo sich nicht nur auf der Bühne Dramen abgespielt haben.

Fazit: Ein absolut lesenswertes Buch, das zusätzlich noch detailreiche Kenntnisse über das Theaterleben Stralsunds bis weit ins 18. Jahrhundert vermittelt.

Früher wurde auf dem Markt gespielt

Theater in Stralsund hat eine lange Tradition. Belegt sind Aufführungen auf dem Alten Markt in den Jahren 1553 und 1584. Im Haus der Brauer und Mälzer

in der Heilgeiststraße fanden Schauspieler im frühen 18. Jahrhundert ein festes Domizil.

Ein weiterer Spielort war der Alexandersaal in der Mühlenstraße. Das Gebäude Mönchstraße 18 wurde 1765 zum Stadttheater umgebaut. Es hatte einen unbeheizbaren Saal mit schlechter Akustik für bis zu 700 Zuschauer. Der Grundstein für das Stadttheater am Alten Markt 4 (heute steht dort das Gewerkschaftshaus) wurde am 21. März 1833 gelegt. 1834 eröffnet, bot es 600 Zuschauern Platz.

Nach einer Brandkatastrophe während einer Vorstellung in dem Haus starben 1861 zwei Tänzerinnen. 1913 wurde das Theater wegen baulicher Mängel geschlossen.

Das „Neue Theater“ vor dem Kniepertor wurde während des Ersten Weltkriegs am 16. September 1916 mit Ludwig van Beethovens „Fidelio“ und Heinrich Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ eröffnet.

Von Christian Rödel

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