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Ton zwischen Grimmen und dem Landkreis wird rauher

Grimmen Ton zwischen Grimmen und dem Landkreis wird rauher

Stadtvertreter votieren einstimmig für Erhalt des Verwaltungsstandortes in Ex-Kreisstadt

Grimmen. Nicht nur in der Landes-CDU knirscht es, auch innerhalb Vorpommern-Rügens wird der Ton zwischen Christdemokraten rauher. Wer auf der letzten Grimmener Stadtvertretersitzung war, dem entging nicht, dass es zwischen der CDU-Fraktion und dem in Stralsund sitzenden CDU-Landrat Ralf Drescher Differenzen gibt.

Nachdem Drescher Anfang Oktober bereits mitteilen musste, dass Grimmen und Süderholz in Sachen Breitbandausbau leer ausgehen würden, und Grimmens Bauamtsleiterin quasi der schwarze Peter zugeschoben wurde, was jetzt auch Bürgermeister Benno Rüster (CDU) scharf zurückwies, machte nun eine weitere Meldung aus dem Landratsamt die Grimmener wütend. Dort hieß es vor wenigen Tagen, dass auf lange Sicht alle noch in der Ex-Kreisstadt tätigen Mitarbeiter, außer dem Bürgerservice, nach Stralsund wechseln würden.

Dabei handelt es sich immerhin um 271 Arbeitsplätze, wie Grimmens CDU-Abgeordneter Marco Jahns vorrechnete. Geht es nach dem Kreis, soll in Grimmen künftig nur noch ein Bürgerservice arbeiten. Mit weit weniger Personal. Um zu verhindern, dass Arbeitsplätze in Größenordnungen langfristig verschwinden, hat die Grimmener CDU-Fraktion jetzt einen Eilantrag in die Stadtvertretung eingebracht. Darin heißt es, dass der Bürgermeister beauftragt werde, sich für den Erhalt des Verwaltungsstandortes Grimmen des Landkreises Vorpommern-Rügen in seiner jetzigen Form einzusetzen. Die Vorlage bekam nicht nur alle CDU-Stimmen. Auch Linke und SPD waren dafür. Es gab keine Gegenstimme.

CDU-Fraktionschef Lutz Herzberg sagte, dass die benötigten Gebäude in Grimmen nicht nur vorhanden, sondern auch in einem baulich guten Zustand seien. In Stralsund wären bauliche Veränderungen, vielleicht sogar Neubauten, notwendig. Dies sei in angespannten Kommunalhaushalten Bürgern nicht mehr vermittelbar, argumentierte er und schob noch nach: „Im Zeitalter schneller Datenverbindungen ist es aus Sicht der CDU-Fraktion auch nicht mehr zwingend erforderlich, Verwaltungen zu konzentrieren.“

Rückendeckung bekam Herzberg von Linken-Fraktionschef Rainer Jeske, der meinte, dass Grimmen noch mehr Bauruinen hätte, käme es zu dieser Entscheidung des Landkreises.

Auch Grimmens Stadtpräsident Harry Glawe (CDU) blies in dieses Horn. „Das Bauamt ist in Grimmen gut angesiedelt“, sagte er. „Außerdem gehörten Mittelzentren, wie Grimmen, gestärkt und nicht geschwächt.“ Noch einen drauf gab CDU-Mann Walter Scholz, der den Landrat an seine vor der Kreisgebietsreform gemachten Versprechungen erinnerte. Damals habe Drescher nämlich betont, dass alle Standorte erhalten bleiben.

„Die gesamte Kreisgebietsreform“, so Stadtvertreter Marco Jahns (CDU), „hat bislang überhaupt keine Einsparungen gebracht.“ Es gäbe keine Entlastungen für die Kommunen. Sechs Millionen Euro habe der Landkreis in die Sanierung seiner Verwaltungsgebäude in Grimmen gesteckt.

Olaf Manzke, Sprecher von Landrat Ralf Drescher (CDU), der zurzeit Urlaub macht, versuchte gestern die Situation zu entschärfen. Es gäbe überhaupt noch keinen Kreistagsbeschluss, der eine Zentralisierung des sich jetzt noch in Grimmen befindlichen Bauamtes für Stralsund vorsehe, erklärte er. Dies sei auch in nächster Zeit nicht geplant. Und wenn so etwas geschehe, dann nur in einem sehr langfristigen Zeitraum. Manzke nannte mindestens zehn Jahre.

Aktuell sei der Verwaltungsstandort Grimmen erst einmal aufgewertet worden, weil gerade Bau-Abteilungen aus Ribnitz-Damgarten hier angesiedelt worden seien, betonte er. Das führe zu mehr Effektivität und Synergien, da Anträge viele Abteilungen von der Denkmalpflege bis zum Bauplanungsrecht zu durchlaufen hätten. Was die Bürgerbüros betrifft, die in Stralsund, Grimmen, Ribnitz-Damgarten und Bergen angesiedelt werden, so sollen diese mit allem notwendigen Personal von der Jugendhilfe bis zum Jobcenter ausgestattet sein, dass für die Arbeit vor Ort notwendig ist. Die Bürger sollen hier alle für sie relevanten Dinge regeln können.

Reinhard Amler

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