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Stralsund Totschlag am Heiligabend: Angeklagter bestreitet Tat
Vorpommern Stralsund Totschlag am Heiligabend: Angeklagter bestreitet Tat
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00:01 16.06.2017

Vor dem Stralsunder Landgericht hat gestern der Prozess gegen einen 35-jährigen Tschetschenen mit russischer Staatsbürgerschaft begonnen. Dem Mann wird vorgeworfen, am 24. Dezember 2016 in Grünhufe einen Inder getötet zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird dem Mann Totschlag, aber kein Mord vorgeworfen.

Wie Staatsanwalt Christoph Schäfer in der Anklage formulierte, sei es in der Wohnung des Inders zu einem Streit gekommen, in dessen Folge der Tschetschene zum Messer gegriffen haben soll. Fest steht nach dem Gutachten der Gerichtsmedizin: Dem 42-jährigen Opfer wurden 23 Messerstiche in Brustkorb und Oberbauch zugefügt, dabei wurden Herz, Leber und Darm schwer verletzt. Außerdem wurden auch Halsmuskel und Kehlkopf durchtrennt, so dass der Mann verblutet ist. Erst, nachdem der Bruder aus Kaufbeuren (Bayern) den Mann als vermisst gemeldet hatte, weil er ihn tagelang nicht erreichte, wurde der Tote in seiner Wohnung gefunden – am 30. Dezember (OZ berichtete). Der Angeklagte, seit dem 20. Januar in Untersuchungshaft, hat die Tat in bisherigen Vernehmungen bestritten, äußerte sich auch gestern nicht zu den Vorwürfen. Stockend berichtete der bärtige Mann nur, dass er bei seiner Oma aufgewachsen sei und nach zwei Kriegen in Tschetschenien – 1994 und 1999 – auf der Flucht gewesen sei. Er habe keinen Beruf, sei seit vier Jahren als anerkannter Flüchtling in Deutschland – mit seiner Ehefrau und den sechs Kindern im Alter von 4 bis 13 Jahren. Die Vorsitzende Richterin Birgit Lange-Klepsch hatte da ganz andere Informationen: Der Mann hätte nicht nur ein Drogenproblem, sondern sei laut Interpol 2006 in Tschetschenien wegen Mitgliedschaft in einer illegalen bewaffneten Formation zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Laut Ausländerbehörde sei sein Asylantrag mehrfach abgelehnt und die Abschiebung angeordnet worden. Die Familie hätte Anfang Dezember ausreisen müssen. Warum sie dennoch eine Wohnung in Barth bekam, ist unklar. Die mit Kopftuch erschienene Ehefrau des Angeklagten, gegen die im Zusammenhang mit diesem Fall ebenfalls ermittelt wird, machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Auch der 13-jährige Sohn verweigerte die Aussage. Wie die Ermittler berichteten, habe der Junge im Zuge der Befragungen völlig hysterisch reagiert, wollte weder zur Polizei noch zum Jugendamt und habe sogar eine Ohnmacht vorgetäuscht, wie ein hinzugerufener Arzt feststellte. Vor Gericht saß er schüchtern und blass da, sackte in den Zuschauerreihen weinend zusammen, lächelte – ebenso wie seine Mutter – schon kurz danach seinem Vater zu. Der revanchierte sich am Ende des ersten Rausgehens mit einem „Daumen hoch“.

Ines Sommer

OZ

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