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Tourismuschef wegen Nötigung verurteilt

Bergen Tourismuschef wegen Nötigung verurteilt

Ernst Heinemann soll im vergangenen Jahr einen Motorradfahrer bedrängt haben.

Bergen. Sein angeblich hitziges Temperament scheint Tourismuschef Ernst Heinemann nun zum Verhängnis geworden zu sein. Wegen Nötigung verurteilte ihn das Bergener Amtsgericht gestern zu einem Monat Fahrverbot und einer Geldstrafe von 1000 Euro. Auch die Kosten des Verfahrens muss Heinemann tragen. Der Putgartener Bürgermeister und Vorsitzender des Tourismusverbandes Rügen musste sich wegen Verkehrsgefährdung und Nötigung vor Gericht verantworten, weil er im Juli vergangenen Jahres einen von drei Motoradfahrern geschnitten haben soll, als diese eine verkehrsberuhigte Zone in Putgarten befuhren. „Ich habe in den Spiegel geschaut, auf einmal war ein PKW neben mir, der immer weiter rüberkam“, erinnert sich Marian N., der gestern als Zeuge geladen war. Der Berliner hatte gemeinsam mit seiner Freundin Jenny K. und Kumpel Michael S. im vergangenen Jahr seinen Urlaub auf Rügen verbracht. Auf dem Weg zu den Leuchttürmen am Kap Arkona hatten die drei mit ihren Motorrädern hintereinander die Dorfstraße befahren. Vor ihnen sei eine Pferdekutsche gefahren, daher seien sie nur im Schritttempo vorangekommen, berichteten die Zeugen.

„Ein dunkles Auto ist mit 50 oder 60 Stundenkilometern an mir vorbeigefahren, direkt auf meinen Freund zu, also habe ich seinen Namen geschrieen“, erinnert sich die 28-Jährige. „Ich war geschockt und habe ihn schon unter dem Auto liegen sehen.“ Nur durch ein rechtzeitiges Ausweichmanöver nach rechts habe dieser eine Kollision mit dem Pkw verhindern können. Ganz anders stellte sich die Situation aus Sicht des Tourismuschefs dar. „Ich habe ordnungsgemäß geblinkt und die Motorradfahrer in korrekter Geschwindigkeit überholt“, war sich Heinemann gestern keiner Schuld bewusst. Danach habe er angehalten und die drei auf die Verkehrsberuhigte Zone aufmerksam gemacht, erklärte der Tourismuschef. „Als wir ihn gefragt haben, warum er das Manöver veranstaltet hat, hat er gesagt, dass sei mit Absicht geschehen“, erklärt Marian N. Ihr habt hier nichts zu suchen, ich bin der Bürgermeister, soll Heinemann nach Aussage der drei Zeugen lauthals geäußert haben. „Ich habe keinen Zweifel, dass dies bewusst geschehen ist, um die Motorradfahrer zu maßregeln", sagte Richter Harald Nolte mit Blick auf das Schneiden des Motorradfahrers Marian N. Das Verhalten stelle eindeutig eine Nötigung dar.

Der Vorwurf der Straßenverkehrsgefährdung hingegen wurde fallengelassen. „Es handelt sich zwar um ein rücksichtsloses Verhalten, aber eine grobe Verkehrsgefährdung auf Leib und Leben ist hier sicher nicht gegeben“, erläuterte Nolte. Heinemann selbst zeigte sich mit der Entscheidung des Gericht nicht zufrieden. „Ich akzeptiere das Urteil nicht", sagte er nach der Verhandlung. „Die Zeugen haben sich abgesprochen und hier etwas konstruiert, dass technisch überhaupt nicht möglich ist. Das lasse ich mir nicht gefallen.“ Der Tourismuschef hat nun die Möglichkeit, in Berufung zu gehen: „Wir werden die nötigen Rechtsmittel dafür prüfen, das bin ich auch meiner Familie schuldig.“

Stefanie Büssing

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