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Stralsund Trabi im Hangar: Nur Fliegen ist schöner!
Vorpommern Stralsund Trabi im Hangar: Nur Fliegen ist schöner!
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22:32 07.11.2017
Andreas Berg (52) aus Stralsund mit seiner grünen „Rennpappe“. Hinter dem Scheibenwischer klemmt die OSTSEE-ZEITUNG aus dem Produktionsjahr 1988 des Trabants. Quelle: Christian Rödel
Stralsund

Auch wenn er damit nicht abhebt – der Stralsunder Hobbypilot Andreas Berg (52) schwört auf seinen Trabi 601 S, den er in einem Hangar unweit der Hansestadt hegt und pflegt. In der Halle des kleinen Flugplatzes von Kedingshagen hat der Informatiker die moosgrüne „Rennpappe“ den Winter über eingemottet. „Nur Fliegen ist schöner“, meint Trabi-Fan Berg lachend und zeigt auf das Ultraleicht-Flugzeug des Flugsportklubs „Volkswerft Stralsund“, das gleich neben der „Duroplast-Karosserie“ aus dem VEB Sachsenring Automobilwerk Zwickau steht.

Den Trabi hatte Andreas Berg kurz nach der Wende von seinen Schwiegereltern „geerbt“, weil die sich Anfang der 90er Jahre endlich das erste eigene „Westauto“ kaufen konnten. Der Diplom-Ingenieur war schon als Jugendlicher von Motorsport begeistert gewesen und entdeckte nun seine Freude am Zweitakt-Otto-Motor mit dem 0,6-Liter-Hubraum.

Ein bisschen (N)ostalgie ist natürlich auch mit im Spiel des „gelernten DDR-Bürgers“. Mit einem Schmunzeln erinnert er sich, wie sein Vater einst nach 14 Jahren Warten stolz einen nagelneuen Trabant in Empfang nehmen konnte.

800 Kilometer pro Jahr

Auf der Hutablage seines grünen Kleinwagens, der zu DDR-Zeiten in sogenannter Sektionsbauweise hergestellt worden war, liegt neben zwei Reparatur-Handbüchern auch eine OSTSEE-ZEITUNG aus dem Produktionsjahr 1988. Genau 72 501 Kilometer hat der Trabant von Andreas Berg auf dem Tacho, und bisher hat er ihn noch nie unterwegs auf freier Strecke stehen lassen. „Etwa 800 Kilometer fahre ich das Auto von Frühling bis zum Spätsommer mit einem Saisonkennzeichen, aber wirklich nur zum Spaß“, erzählt der Stralsunder. Ausfahrten führten ihn auch zu den Ostblock-Treffen nach Pütnitz bei Ribnitz-Damgarten, wo regelmäßig Fans von Fahrzeugen aus den ehemals sozialistischen Ländern des RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) anrollen.

Rennpappe bald Oldtimer

Im Alltag bewegt sich Berg mit einem modernen VW Sharan durch die Lande, aber der tuckernde Motor des DDR-Kleinwagens hat für ihn dennoch einen besonderen Reiz. „Die Technik ist so übersichtlich, und man kann an dem Fahrzeug noch so viel selbst an kleinen Reparaturen vornehmen“, sagt der IT-Fachmann, der das Rechenzentrum der Stralsunder Hochschule leitet. Nicht ohne Stolz erzählt er, wie er die Bremsen nachstellen kann, und wie kinderleicht ein Ölwechsel zu bewerkstelligen ist. Bergs Trabi, der noch eine gültige TÜV-Plakette bis September 2018 hat, wird bald zum Oldtimer, denn nach 30 Jahren Zulassungsdauer zählt ein Auto in Deutschland zu dieser Kategorie.

Ein Saisonkennzeichen ist für Oldtimer nicht mehr zulässig, so dass Steuern und Haftpflicht dann ganzjährig bezahlt werden müssen. Die etwas erhöhten Betriebskosten nimmt Andreas Berg jedoch gerne in Kauf und möchte das Fahrzeug noch so lange wie möglich behalten. Ob eines seiner drei Kinder den guten alten Trabi später einmal in Obhut nehmen möchte, ist noch nicht ganz geklärt, meint Berg. Im kommenden Jahr steht ein Reifenwechsel für das 26 PS starke Gefährt an, und ein Ausflug zum Technikmuseum in Pütnitz sollte auch wieder dazu gehören.

35 000 Trabis rollen noch

In MV fahren derzeit noch 2788 der Kunststoff-Kleinwagen, viele liebevoll restauriert und gepflegt. Trabi-Bundesland Nr. 1 in Deutschland ist Sachsen. Laut Statistischem Bundesamt sind im Freistaat noch 8769 Exemplare des DDR-Kultautos zugelassen und damit mehr als in allen alten Bundesländern zusammen (7398). Auf Platz zwei folgt Brandenburg mit 5640 Autos vor Thüringen mit 4989 und Sachsen-Anhalt mit 4847. In Berlin fahren 976 Trabis. Bundesweit sind noch etwa 35 000 Trabis zugelassen. Von 1957 bis 1991 waren in Zwickau gut drei Millionen der Autos produziert worden.

Fotoaktion „Mein Trabi und ich“

Weil genau am 7. November vor 60 Jahren bei Sachsenring Zwickau der allererste Trabi vom Band lief, sucht die OSTSEE-ZEITUNG im Nordosten Geschichten und Leserfotos zum Thema „Rennpappe“. Wenn Sie jemals im Leben Trabant gefahren sind, schicken Sie uns doch bitte Bilder und erzählen Sie uns originelle Geschichten, die Sie mit ihrem Auto erlebt haben. Die schönsten Storys drucken wir in der Zeitung ab, die Fotos machen wir in Bildergalerien im Internet sichtbar.

Außerdem wollen wir den coolsten noch fahrenden Trabi in Mecklenburg-Vorpommern wählen. Auch dazu können Sie, liebe Leser, uns ihre Trabi-Fotos samt Geschichte schicken. Laden Sie dafür einfach ein Foto, das Sie mit ihrem Trabi zeigt, über das „FOTO HOCHLADEN“-Formular unter diesem Beitrag hoch. Eine OZ-Jury wird die Besten fürs Finale auswählen, am Ende entscheidet eine Leser-Wahl über die „coolste Rennpappe in MV“. Für die Gewinner-Trabis gibt es tolle Überraschungsgeschenke.

Christian Rödel

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