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Trauer um einen Wegbereiter der Demokratie in Stralsund

Stralsund Trauer um einen Wegbereiter der Demokratie in Stralsund

Der Pastor und Kommunalpolitiker Paul-Ferdi Lange ist am 23. April im Alter von 73 Jahren gestorben

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Paul-Ferdi Lange (r.) am 1. September 2000. Der Pastor führt den damaligen finnischen Premierminister Paavo Lipponen bei seinem Besuch in Stralsund durch St. Nikolai.

Quelle: Jens-Köhler

Stralsund. Paul-Ferdi Lange ist tot. Der langjährige Pastor an St. Nikolai in Stralsund, Protagonist des politischen Umbruchs und Kommunalpolitiker starb am 23. April im Alter von 73 Jahren an den Folgen einer schweren Krankheit.

Dadurch, dass er seine eigene Furcht nicht zeigte, hat er viele in dieser Stadt furchtloser gemacht und dem aufrechten Gang Tausender den Weg gezeigt.“Der damalige Bürgerschaftspräsident

Helmut Panek zum Abschied von Paul-Ferdi Lange als Stadtvertreter

Einer der Wegbereiter der Demokratie in Stralsund, ja, das sei er gewesen, sagt Winrich Jax, über viele Jahre Pastorenkollege von Paul-Ferdi Lange in der Nikolaigemeinde und enger Vertrauter. Das war in einer Zeit, da es nicht selbstverständlich war, das System zu hinterfragen, in einer Zeit, da jegliche Kritik an Partei und Staat im Keim erstickt wurde.

In seiner Laudatio aus Anlass des Ausscheidens von Paul-Ferdi Lange aus der Stralsunder Bürgerschaft sagte der damalige Bürgerschaftspräsident Helmut Panek (1944 bis 2006): „Dadurch, dass er seine eigene Furcht nicht zeigte, hat er viele in dieser Stadt furchtloser gemacht und dem aufrechten Gang Tausender den Weg gezeigt.“

„Dabei“, so Winrich Jax, „ hat er sich nie als einer verstanden, der der Erste war, er hat immer die Gemeinschaft gesehen, deren Teil er war, die er aber mitreißen konnte.“ Sehr engagiert habe er sich bei der Beratung von ausreisewilligen DDR-Bürgern, in der christlichen Jugendarbeit und folgerichtig in der Zeit der Wende bei den Friedensgebeten in St. Nikolai und später in St. Marien. Er wirkte am Runden Tisch und in der Gruppe der Stralsunder 20, in jenen Institutionen also, die zur Basis für einen Neuanfang in Stralsund nach dem politischen Ende der DDR wurden.

Als ganz besonders hebt Winrich Jax die Leistungen seines Weggefährten für den Erhalt der Nikolaikirche in Stralsund schon in den 1970er- und 1980er-Jahren hervor. Später war Paul-Ferdi Lange Mitbegründer des Fördervereins für das imposante Bauwerk. Helmut Panek betonte, dass ohne sein jahrzehntelanges Wirken Stralsund nie der Welterbetitel verliehen worden wäre. Er habe schon zu DDR-Zeiten „die Grundlage für den Erhalt und die beispiellose Sanierung von St. Nikolai als unsere erste Kathedrale aus Stadtgründungszeit gelegt“.

Sein Streben nach Veränderung, Erneuerung und Mitgestaltung der werdenden Demokratie im Jahre 1989 mündete in der Wiederbelebung der Sozialdemokratie in Stralsund. Paul-Ferdi Lange gehörte zu den Mitbegründern der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP), die im Herbst 1990 in der SPD aufging. Bei den ersten demokratischen Kommunalwahlen kandidierte Paul-Ferdi Lange für die Stralsunder Bürgerschaft, wurde ihr Mitglied und blieb es über drei Legislaturperioden hinweg bis zum 30. Juni 2004. Er war Fraktionsvorsitzender, Mitglied des Präsidiums, arbeitete in zahlreichen Fachausschüssen mit und saß in Aufsichtsräten mehrerer städtischer Gesellschaften. Als er sich als Akteur von der kommunalpolitischen Bühne in der Hansestadt verabschiedete, sagte er: „Sicherlich habe ich in den Jahren, in denen ich hier und woanders in der Öffentlichkeit geredet habe, nicht allen nach dem Munde geredet. Das ist auch nie meine Meinung gewesen, dass ich es allen hätte recht machen können. Wenn ich jemandem zu nahe getreten bin, und bei dem Meinungsstreit ist das ja durchaus möglich, so möchte ich um Generalvergebung bitten.“

So ganz trennen konnte und wollte sich Paul-Ferdi Lange aber dann doch noch nicht vom Geschehen im Rathaus. Nach 2004 war er für eine Legislaturperiode Geschäftsführer der Bürgerschaftsfraktion „Bürger für Stralsund“, blieb dabei aber Mitglied der SPD.

Obwohl kein gebürtiger Stralsunder, fühlte sich Paul-Ferdi Lange immer ganz eng mit der Hansestadt verbunden. Studiert hatte er Christliche Kunst und Theologie in Leipzig und Berlin. Seine erste Pfarrstelle hatte er nach 1967 in Steffenshagen bei Bad Doberan. 1975 kam er nach Stralsund, wurde Pastor in der Nikolai-Gemeinde und blieb es bis zum 1. Juli 2001, als er in den Ruhestand ging.

Dort, in St. Nikolai, wo er 26 Jahre lang wirkte, beginnt morgen um 12 Uhr der Trauergottesdienst für Paul-Ferdi Lange. Anschließend wird er im Familien- und Freundeskreis auf dem Zentralfriedhof in Stralsund beigesetzt.

Von Jens-Peter Woldt

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