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Stralsund Trickdiebe scheitern an aufmerksamem Rentner
Vorpommern Stralsund Trickdiebe scheitern an aufmerksamem Rentner
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00:00 27.05.2016

In der Hansestadt sind offenbar Betrüger mit einer besonderen Masche unterwegs – sie wollen Abwasserleitungen reparieren – gegen horrende Bezahlung. Zielgruppe sind ältere Eigenheimbesitzer.

Bei Dieter Dzugga stand am Mittwochvormittag ein Mann mit Warnweste vorm Haus, der den Abwasseranschluss kontrollieren wollte. „Der etwa 50-Jährige stellte sich als Mitarbeiter des Umweltamtes Rostock vor, zeigte mir einen Zettel mit Stempel“, sagt der 75-Jährige.

Man habe in der Prohner Straße zu tun und wolle prüfen, wie dicht die alten Tonröhren des Hausanschlusses noch seien, erklärte der Fremde. Dazu müsse er im Haus Wasser laufen lassen. Sein Kollege sei mit entsprechender Technik bereits im Rohrsystem, fast unterm Grundstück. Er würde die Menge des abfließenden Wassers messen.

Dzugga nahm den Mann mit ins Haus, wo dieser ein Waschbecken voll Wasser füllte und ablaufen ließ. Der Kollege wurde übers Telefon kontaktiert und erklärte, dass angeblich 62 Prozent des Wassers versickern würden.

„Jetzt baute der Mann plötzlich Druck auf“, sagt der rüstige Rentner. „Er wollte mir das Wasser sperren, bis das Rohr saniert ist.“ Dann wurde Hoffnung verbreitet. Da der Kollege mit der Technik schon im Rohr stecke, könne er die undichten Stellen abdichten. Das würde 8400 Euro kosten. Teurer wär’s, den Abwasseranschluss aufzugraben und die Leitung zu wechseln. Dafür würden 34000

Euro fällig.

„Bei solchen Zahlen hätte ich gerne gewusst, wie diese zustande kommen“, sagt Dieter Dzugga. Der Schlossermeister im Ruhestand wollte einen bekannten Tiefbauer anrufen, was dem Fremden gar nicht gefiel. Dieser verabschiedete sich für zunächst eine halbe Stunde und ward nicht mehr gesehen. Dzugga rief die Polizei.

„Der Schlossermeister hat alles richtig gemacht“, bescheinigt Stralsunds Polizeichef Dietmar Grotzky. „Er ist bei den großen Summen stutzig geworden, hat sich nicht unter Druck setzen lassen und holte sich Rat bei einem Bekannten ein.“ Grotzky weiß, dass das nicht immer einfach ist: „Die Täter verstecken sich hinter Bezeichnungen, die Eindruck hinterlassen – sind vorgeblich Notare, Anwälte sogar Polizisten, kommen angeblich von Ämtern.“ Von soviel Schall ließ sich dieser Tage eine 76-jährige Stralsunderin nicht beeindrucken. Ein Anrufer hatte ihr am Telefon erklärt, dass sie 39

600 Euro gewonnen hätte. Eine Sicherheitsfirma wollte das Geld am nächsten Tag vorbeibringen. Für den Geldtransport sollten 900 Euro fällig werden. „Das hat die Frau stutzig werden lassen und sie rief uns an“, sagt Grotzky, der dazu auffordert, bei dem leisesten Zweifel stets die Polizei zu kontaktieren.

Bei der Regionalen Wasser- und Abwassergesellschaft Stralsund (Rewa) sagt Mathias Blümel, Leiter Rohrnetz, dass die Rewa größere Arbeiten oder Überprüfungen vorher durch Aushänge oder Anzeigen bekannt macht. „Wenn es aufs private Grundstück geht, kündigen wir uns auch schriftlich an und schlagen einen Termin vor.“

Gauner nutzen Vertrauen und Unsicherheit aus

300 Fälle alleine von Enkeltrickbetrug wurden nach Angaben von Michael Schuldt, Sprecher des Landeskriminalamtes MV, im letzten Jahr im Land registriert. Dabei wurde ein Schaden von etwa 640000 Euro angerichtet. 2014 waren es 200 Fälle.

Trickbetrüger setzen auf das Überraschungsmoment und nutzen Unsicherheit und Vertrauensseligkeit aus. Ihre Opfer sind zumeist ältere Menschen.

„Handwerksleistungen“ gehören immer wieder zum Repertoire von Gaunern. Bekannt geworden sind in MV Fälle von Haustürgeschäften mit überteuert angebotenen Arbeiten an Auffahrten, Fassaden oder Dachrinnen.

Die Polizei rät, sich nicht unter Druck setzen zu lassen, gesunden Menschenverstand zu bewahren. Bei größeren Geldsummen Rat einholen oder die Polizei anrufen: ☎ 03831/28900.

Jörg Mattern

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