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Tuberkulose ist wieder auf dem Vormarsch

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Vorpommern-Rügen hatte im letzten Jahr mit 18 Infizierten die meisten Fälle im Land / Impfung stellte sich als nicht wirksam heraus

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Ein Arzt zeigt einen Tuberkulose-Fall anhand eines Röntgenbildes – in Vorpommern-Rügen stieg die Zahl der Tbc-Kranken von neun im Jahre 2016 auf 18 im vergangenen Jahr.

Quelle: Foto: Dpa

Stralsund. Eine längst ausgerottet geglaubte Krankheit ist in Vorpommern-Rügen wieder auf dem Vormarsch: Tuberkulose (Tbc). Allein im letzten Jahr wurden dem Gesundheitsamt des Kreises 18 Fälle gemeldet. Das ist traurige Spitze im Land. In Vorpommern-Greifswald gab es nur fünf, in Rostock sechs Menschen, die sich mit dieser Lungenkrankheit angesteckt hatten. Der Anstieg ist umso gravierender, wenn man bedenkt, dass 2016 nur neun Menschen an Tbc erkrankt waren.

OZ-Bild

Vorpommern-Rügen hatte im letzten Jahr mit 18 Infizierten die meisten Fälle im Land / Impfung stellte sich als nicht wirksam heraus

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Tuberkulose ist eine weltweit verbreitete bakterielle Infektionskrankheit, die durch verschiedene Arten von Mykobakterien verursacht wird. In ganz Mecklenburg-Vorpommern wurden letztes Jahr 85 Tbc-Fälle registriert – bundesweit waren es 5915 Kranke. Seit 2014 steigt die Zahl wieder an, dabei galt die Krankheit, die besonders nach dem Zweiten Weltkrieg für viele Todesopfer sorgte, schon als besiegt. So fielen auf 100000 Einwohner 2016 nur 7,2 Tuberkulose-Patienten. Allerdings gab es in dem Jahr 100 Todesfälle. 65 Männer und 35 Frauen starben an der Infektion. Weltweit liegt die Zahl der Todesopfer bei rund einer Million. Tendenz steigend.

Der Anstieg geht laut Jörg Heusler vom Fachdienst Gesundheit im Landkreis auf zwei Gründe zurück: Erstens die älter werdende Bevölkerung und zweitens auf den Zuzug von Flüchtlingen. Die Tuberkulose-Raten seien bei Menschen aus Afrika, Südostasien und Osteuropa sowie den Balkanstaaten besonders hoch. Von den 18 Tbc-Kranken im Kreis waren acht Asylbewerber. „Angesichts dessen, dass die Flüchtlinge nur einen kleinen Teil der Bevölkerung ausmachen, ist das ein hoher Wert“, sagte Jörg Heusler im Gesundheits- und Sozialausschuss des Kreises.

„Tuberkulose fühlt sich zunächst meist wie eine Grippe an, man hat Husten, fühlt sich kraftlos, leidet unter Nachtschweiß. Manchmal husten Patienten Blut, klagen unter Atemnot“, erklärt Regine Möller die Symptome. Die 68-Jährige ist Lungenärztin und hat jahrzehntelang in Stralsund eine Pneumologie-Praxis geführt. „Besonders gefährdet sind die Menschen, deren Immunsystem schon ganz unten ist. So erklärt sich auch, dass Flüchtlinge oft betroffen sind. Anhusten, beim Ausschnauben die Bakterien versprühen – das sind die Wege der Ansteckung“, erklärt die Stralsunderin, die immer mal wieder Tbc-Kranke in ihrer Praxis behandelt hat. „Ganz ausgerottet war die Krankheit nie, aber durch die so genannte Volksröntgen-Aktion in der DDR hat man schon alles sehr früh erkannt.“

Sollte man die Röntgenwagen, die bis 1983 unterwegs waren, wieder auf Tour schicken? „Nein, das ist nicht nötig, denn die Flüchtlingen werden ja nun sofort bei der Ankunft zum Röntgen geschickt.“

Zudem seien heute sehr gute Medikamente auf dem Markt. Das Problem: Wir entwickeln immer mehr Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika.

Die Meisten von uns sind sicher auch noch gegen Tuberkulose geimpft. Auch ein Erfolgsrezept der DDR (die nachweislich weniger Fälle hatte als die Bundesrepublik)? „Wir waren in gutem Glauben. Erst später hat man herausgefunden, dass die Impfung kaum wirksam ist. Leider ist das noch immer so“, so die Medizinerin und wirft ein: „Allerdings hat der Impfstoff sehr gute Ergebnisse gezeigt bei jenen, die im Zuge der Tbc eine Hirnhautentzündung bekommen haben.“

Tuberkulose-Tagesliegestätte einst am Knieperteich

Stralsund. In der Hansestadt gab es mehrere Heilanstalten, in denen sich die Lungenkranken erholen sollten. Eine befand sich auf der Mühlenbastion, wo später die Kita Spielkiste entstand.

Eine weitere öffnete am 15. Juli 1950 am Knieperdamm 80 seine Türen: Die Tuberkulose-Tagesliegestätte „Clara Zetkin“ befand sich dort, wo einst ein Gartenlokal der Kaufmanns-Ressource die Stralsunder eingeladen hatte. Zu diesem Lokal gehörten sogar eine Kegelbahn, eine Krocketanlage und die Bootsanlegestelle. Die Gaststätte samt wunderschönem Musikpavillon befand sich auf einem der begehrtesten Grundstücke am Knieperteich. Nachdem dort acht Jahre lang Tbc-Kranke gesund gepflegt wurden, fand das Haus eine neue Bestimmung. Am 15. März 1958 eröffnete Säuglingsschwester Vera Janzen hier eine Kinderkrippe mit 15 Knirpsen. In den 90er-Jahren übernahm der Internationale Bund das Haus, das heute Krippe und Kindergarten beherbergt. Die Kita will natürlich den 60.

Geburtstag feiern. iso

100 Tbc-Todesfälle pro Jahr in Deutschland

Tuberkulose, kurz Tbc (lateinisch tuberculum ‚kleine Geschwulst') ist eine weltweit verbreitete bakterielle Infektionskrankheit, die durch verschiedene Arten von Mykobakterien verursacht wird und beim Menschen am häufigsten als Lungentuberkulose auftritt. Doch es gibt auch Nieren- und Darm-Tbc.

Die Krankheit muss dem Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden.

5915 Menschen erkrankten 2016 in Deutschland an Tuberkulose. Die Hälfte davon waren im Ausland Geborene.

100 Todesopfer forderte die Krankheit 2016 in der Bundesrepublik, 65 Männer und 35 Frauen starben an der Infektion. Weltweit waren eine Million Tuberkulose-Tote zu beklagen.

Ines Sommer und Alexander Müller

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