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U-Boot-Kommandant war ein Stralsunder 1917 gesunken und jetzt wiederentdeckt: Die Spur eines Schiffswracks führt von der Nordsee an den Sund

Stralsund U-Boot-Kommandant war ein Stralsunder 1917 gesunken und jetzt wiederentdeckt: Die Spur eines Schiffswracks führt von der Nordsee an den Sund

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Nach seinem Tod mit 30 Jahren wurde Stenzler auf dem Alten Frankenfriedhof in Stralsund bestattet.

Quelle: Fotos: Privat

Stralsund. Für Schlagzeilen hat in der vergangenen Woche ein spektakulärer Wrackfund in der Nordsee gesorgt: Der Däne Gert Normann Andersen (67), Direktor des Sea War Museums in Thyborøn, entdeckte ein paar Kilometer westlich von Esbjerg ein lange verschollenes deutsches U-Boot, das im Ersten Weltkrieg 1917 gesunken war.

OZ-Bild

Für Schlagzeilen hat in der vergangenen Woche ein spektakulärer Wrackfund in der Nordsee gesorgt: Der Däne Gert Normann Andersen (67), Direktor des Sea War Museums ...

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Vergeblich hatten Taucher jahrzehntelang versucht, das Schiff zu orten. 99 Jahre nach dem Verschwinden wurde es nun zufällig bei Recherchen für eine dänische Fernsehsendung gefunden. Und es sollen sich sogar noch 18 scharfe Minen und sechs Torpedos an Bord befinden.

Wie sich nun herausstellte, führt eine Spur von der dänischen Küste bis in die Hansestadt Stralsund. Denn der Kommandant des Kriegsschiffes SM UC-30 war Heinrich Stenzler, ein Stralsunder. Das bestätigte gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG der Mitarbeiter des Stralsunder Stadtarchivs, Dr. Andreas Neumerkel.

„Johann Heinrich Wilhelm Maximilian Stenzler ist in der Hansestadt aufgewachsen. Die Familie lebte im Johannisklosterhof, im Pastoratshaus Nr. 15“, sagte Neumerkel. Er hat das städtische Gymnasium besucht und zu Ostern 1905 sein Abitur gemacht. Dann ging er zur Marineschule nach Kiel. Seine erste Kadettenfahrt führte ins Mittelmeer. 1908 wurde er zum Leutnant ernannt. Im Mai 1913 heuerte er als Offizier auf dem Schiff „Seydlitz“ an. Zur U-Boot-Waffe wurde er im Oktober 1915 kommandiert. Im August 1916 übernahm er das Kommando auf dem UC-30.

An seine Mutter schrieb der Kapitän am 28. März 1917 kurz bevor er mit seiner Mannschaft von Helgoland auslief, um südlich von Irland Seeminen zu legen: „Meine Ostergrüße sende ich dir schon jetzt.

Für die nächsten vier Wochen warte nicht auf Nachricht von mir. Du hast keinen Grund zur Unruhe.“

Hatte sie doch. Wenig später der verhängnisvolle Schicksalsschlag. Am 19. April 1917 empfing die kaiserliche Marine das letzte Signal von Stenzler. Da befand sich das U-Boot 75 Meilen von der norwegischen Südküste entfernt und hatte Maschinenprobleme. Seit dem 21. April galt es als verschollen. Am 20. Juni wurde Stenzlers Leiche mit zwei weiteren Männern an der Westküste vor Dänemark angespült. Die Familie erhielt am 11. Mai die Nachricht, dass das Schiff vermutlich auf eine Mine gelaufen ist und alle 27 Mann ums Leben kamen.

Anfangs konnte Stenzler nicht identifiziert werden. Dann fand man einen Briefkopf mit dem Namen Johanna Wellmann. Das war seine Tante in Berlin. Und im Hemd des Toten war der Name Stenzler eingedruckt. Der 30-Jährige wurde zunächst in Dänemark beerdigt, im November 1917 jedoch nach Stralsund überführt und auf dem Alten Frankenfriedhof bestattet.

Stenzler erhielt postum das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Der Chef der U-Boot-Flotte, Fregattenkapitän Hermann Bauer, nannte den Stralsunder ein „Vorbild für spätere Generationen“ und schrieb weiter in dem Brief an die Mutter: „Wir Offiziere von der U-Boot-Waffe verlieren in Ihrem Sohn nicht nur den erfolgreichen, vielversprechenden Mitarbeiter, sondern besonders auch den bewährten, von allen geliebten und verehrten Kameraden.“

Das alles geht aus einem Manuskript hervor, das sein Bruder Jürgen Detlof Stenzler 1937 über die „Familie Israel-Stenzler in Stralsund“ verfasst hatte. Denn Heinrich Stenzler war kein geringerer als der Sohn des Stralsunder Bürgermeisters Max Israel. Dass er nicht Israel, sondern Stenzler hieß, hatte einen besonderen Grund. Bevor Max Israel sein Bürgermeisteramt 1898 in Stralsund antrat, das er bis zu seinem Tod 1906 ausübte, hatte man dem Juristen in Kassel den Aufstieg im Staatsdienst aufgrund seines jüdisch klingenden Namens verwehrt. Israel ging in seine Heimatstadt zurück, entschied aber 1904, dass alle seine fünf Kinder den Namen seiner Großmutter – Stenzler – annehmen, um ihnen den beruflichen Weg zu ebnen.

Entscheidung Dänischer Behörden steht noch aus

Von dem 49,3 Meter langen U-Boot-Wrack, das jetzt in der Nordsee etwa zehn Kilometer westlich der dänischen Hafenstadt Esbjerg gefunden wurde, geht immer noch Gefahr aus.

In den kommenden Tagen wollen die dänischen Behörden darüber entscheiden, ob die 18 Minen und sechs Torpedos, die sich noch an Bord befinden, sicher entschärft werden können.

Möglicherweise wird das Wrack der kaiserlichen Marine sonst gesprengt. Museumschef Gert Normann Andersen würde den Fund, mit dem ein Mysterium gelöst sei, gern für sein Museum haben. Auf dem Video-Portal Youtube sind Bilder des deutschen U-Bootes SM UC-30 zu sehen.

Im Gedenken an den toten Kapitän Heinrich Stenzler schrieb seine ehemalige Jugendfreundin Hildegard Röse im Sommer 1917 auf Hiddensee das Gedicht „Immortellen“ und veröffentlichte es in der Stralsunder Zeitung. Ein Vers lautet: „Als letzten Gruß, weit in der Wellentanz, nimm hin von mir den Immortellenkranz.“

Marlies Walther

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