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Stralsund Übung für Horror-Szenario: Explosion mit 200 Toten
Vorpommern Stralsund Übung für Horror-Szenario: Explosion mit 200 Toten
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00:00 20.03.2017

Die knappe Nachricht schlägt ein wie eine Bombe: „Schwere Explosion bei einer Rügener Großveranstaltung mit über 200 Toten – alle verfügbaren Rettungskräfte mobilisieren.“

Dieser Notruf geht am vergangenen frühen Samstagnachmittag im Konferenzsaal einer noblen Hotel-Anlage im beschaulichen Vaschvitz ein, wo der Krisenstab des DRK-Kreisverbandes Rügen-Stralsund ein Katastrophen-Szenario realitätsnah durchspielt. Der angenommene Super-Gau ereignet sich an einem schönen warmen Sommerabend bei einer gerade begonnenen Großveranstaltung mit etwa 9200 Besuchern und bricht wie aus heiterem Himmel über das Publikum herein.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass in Zeiten einer erhöhten Terrorgefahr auch das eigentlich Undenkbare gedacht oder besser bedacht werden muss. Eigentlich möchte sich keiner wirklich vorstellen, wie dieser Ernstfall aussehen würde – die professionellen Retter im Lande müssen es jedoch tun. Bei der simulierten schweren Explosion, deren Ursachen noch unbekannt und in diesem Moment auch erst einmal zweitrangig sind, wurden über 350 Menschen schwer verletzt. Eine Alarmierungskette nach einem festgelegten Algorithmus wird sofort in Gang gesetzt, bei dem sowohl die lokalen, aber auch schon die regionalen Rettungskräfte informiert werden. „Wenn der K-Fall, sprich Katastrophen-Alarm, ausgerufen wird, sind wir gesetzlich befugt, auch andere Hilfskräfte wie zum Beispiel die Bundeswehr anzufordern“, sagt Dirk Mai, der Chef des DRK-Rettungsstabes, in dem am Wochenende 15 ehrenamtliche Mitarbeiter per Computer, Funksprechgerät und Mobiltelefon ihre speziell zugewiesenen Aufgaben abarbeiten.

Es gibt mehrere Sachgebiete und ein sogenanntes Kommunales Auskunftsbüro, kurz KAB, das unter anderem Anrufe von Angehörigen der Opfer entgegennimmt. Eine KAB-Mitarbeiterin ist beispielsweise für die Medieninformationen zuständig und muss Journalisten über eine vom Stabschef anberaumte Pressekonferenz in Kenntnis setzen. Der LNA, also der leitende Notarzt, ist in Windeseile am Unglücksort und fordert zunächst fünf weitere Mediziner an. In diesem Fall ist der in Vaschvitz anwesende LNA ein echter Arzt: Der Rügener Chirurg Werner Giesel gehört seit Jahrzehnten zum großen Team der ehrenamtlichen Helfer im DRK-Kreisverband, wo er unter anderem nach medizinischen Fortbildungskursen auch die Prüfungen der Teilnehmer abnimmt.

Werner Ziegenhagen vom Präsidium des DRK-Kreisverbandes Rügen-Stralsund hat indes eine staatstragende Funktion, weil er als Präsidiumsmitglied die politische Verantwortung hat. Eine schwere Bürde, die der 72-jährige Rüganer im Ernstfall schultern würde. Mit 44 Jahren an Praxiserfahrung in der Zivilverteidigung der DDR und nach 1989 in leitender Position im Katastrophenschutz ist er sprichwörtlich ein alter Hase, der auch in Extremsituationen ein kühlen Kopf bewahrt.

Christian Rödel

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