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Ukrainer forschen auf der „Gorch Fock“

Stralsund Ukrainer forschen auf der „Gorch Fock“

Geplant ist eine Ausstellung in Cherson, wo das Segelschulschiff als „Tovarishch“ seinen Heimathafen hatte

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Mykola Homanyuk (42/r.) und Lukash Nalaskowski (40) aus Cherson in der Ukraine, wo die damalige „Tovarishch“ und heutige „Gorch Fock“ (I) lange ihren Heimathafen hatte, recherchieren für eine große Ausstellung in ihrer Heimatstadt an Bord des Traditionsseglers in Stralsund. In der Hand halten sie einen Bildband über die Region Cherson mit einer Aufnahme von der Bark. Fotos (2): Jens-Peter Woldt

Stralsund. In der ukrainischen Stadt Cherson soll Ende dieses Monats eine Ausstellung über die „Gorch Fock“ (I) eröffnet werden. Dort hatte das Segelschulschiff über viele Jahre sein Zuhause, als es als „Tovarishch“ unter sowjetischer und später unter ukrainischer Flagge fuhr.

OZ-Bild

Geplant ist eine Ausstellung in Cherson, wo das Segelschulschiff als „Tovarishch“ seinen Heimathafen hatte

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Zusammengestellt wird die Ausstellung von Mykola Homanyuk. Der 42-jährige Soziologe und Autor von Theaterstücken hat dazu auch an Bord der Bark im Stralsunder Hafen recherchiert. Gemeinsam mit seinem Freund Lukash Nalaskowski begab er sich für zwei Tage auf Spurensuche an der Ballastkiste.

Denn: Bis heute ist das Schiff, dessen ehemaligen Namen Homanyuk nicht mit „Genosse“, sondern mit „Freund“ übersetzt, in Cherson unvergessen. Obwohl es 21 Jahre her ist, dass es den dortigen Hafen verlassen hat und nie wieder dorthin zurückgekehrt ist. „Es war und ist immer noch ein wichtiges Symbol für die Stadt und die ganze Region“, sagt Homanyuk. „Wir haben die ,Tovarishch’ zwar physisch verloren, aber in unserer Erinnerung hat sie einen +festen Platz.“

Nach seinen Worten ist sie in der 340000 Einwohner zählenden Stadt am Mündungsdelta des Dnepr allgegenwärtig. Es gibt Souvenirs und Postkarten, ja sogar Restaurants wurden nach dem Segelschulschiff benannt. Außerdem trägt in Cherson eine Straße den Namen eines langjährigen Kapitäns des Segelschulschiffs: Oleh Vandenko. Dieser Kapitän war es übrigens auch, der 1995 die inzwischen marode Bark vom Dnepr nach Newcastle im Nordosten Englands segelte, wo sie mit Hilfe privater Sponsoren repariert werden sollte. Das Vorhaben scheiterte allerdings an den hohen Kosten.

Trotzdem blieb die Tovarishch bis 1999 in Newcastle, wurde dann mit Hilfe des deutschen Vereins Tallship Friends nach Wilhelmshaven geholt, gekauft und im September des Jahres 2003 mit Hilfe eines Dockschiffs nach Stralsund gebracht.

Die Ausstellung in Cherson, die vom Goethe-Institut in Kiew gefördert wird, soll schon am 28. Oktober eröffnet werden. Zu sehen sein werden Fotos, Gemälde und Filme über das Schiff, das als „Gorch Fock“ am 27. Juni 1933 von der deutschen Reichsmarine in Dienst gestellt wurde. Einen zentralen Platz wird natürlich die Darstellung der wechselvollen Geschichte einnehmen. Darüber hinaus geht es um die touristische Bedeutung des Dreimasters.

Mykola Homanyuk sieht übrigens zwischen Cherson und Stralsund viele Gemeinsamkeiten. Als Beispiele nennt er die kommunistische Vergangenheit, die Rolle als Marinestützpunkt, den Niedergang der Industrie nach 1990 und die jetzige Rolle als Ziel vieler Touristen.

Traditionssegler mit wechselvoller Geschichte

Die „Gorch Fock“ wurde 1933 bei Blohm & Voss in Hamburg als Nachfolger des 1932 gesunkenen Segelschulschiffs „Niobe“ für die deutsche Reichsmarine gebaut. Von 1935 an war Stralsund ihr Heimathafen.

Die Deutschen versenkten die Bark am 30. April 1945 im Strelasund vor Drigge, damit sie nicht der Roten Armee als Kriegsbeute in die Hände fällt.

Gehoben wurde das Schiff , das der UdSSR als Reparationsleistung zugesprochen worden war, 1947. Die Reparatur erfolgte in Rostock und Wismar.

Den Namen „Tovarishch“ erhielt die Bark 1949. Seit 1951 war sie Segelschulschiff der sowjetischen Marine mit Heimathafen Cherson am Dnepr, 30 Kilometer entfernt vom Schwarzen Meer.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion fuhr sie seit Dezember 1991 unter ukrainischer Flagge und gehörte zur Handelsmarine der ehemaligen Sowjetrepublik. Allerdings musste die „Tovarishch“ nur zwei Jahre später wegen ihres schlechten Zustands außer Dienst gestellt werden.

Pläne für die Instandsetzung mit Hilfe privater Geldgeber in Newcastle (England) scheiterten 1995. Trotzdem blieb die „Tovarishch“ dort noch weitere vier Jahre und wurde dann nach Wilhelmshaven gebracht, wo sie im Jahr 2000 Flaggschiff der Expo 2000 war.

Der Verein Tallship Friends kaufte das Schiff und transportierte es 2003 nach Stralsund, wo es wieder auf „Gorch Fock“ getauft wurde.

Da das Segelschulschiff der Deutschen Marine (gebaut 1956) ebenfalls „Gorch Fock“ heißt, wird dem Namen der ursprünglichen „Gorch Fock“ eine römische Eins in Klammern angefügt.

Pläne für die Übernahme durch die Stadt Stralsund sind bislang ebenso gescheitert wie das Ziel, die „Gorch Fock“ wieder seetauglich zu machen. Als Museum ist sie täglich geöffnet.

Jens-Peter Woldt

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