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Stralsund Untreue-Verdacht gegen weiteren Rathaus-Mitarbeiter
Vorpommern Stralsund Untreue-Verdacht gegen weiteren Rathaus-Mitarbeiter
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00:28 18.05.2018
In dem Kanonenbootsschuppen (rechts) sind die städtische Segelschule und die Bootswerft Schaich untergebracht. Quelle: Foto: Benjamin Fischer

Knapp ein Jahr nach der Verurteilung des früheren Sportamtschefs Steffen Grieser wegen Amtsmissbrauchs und Korruption sind gegen einen weiteren Mitarbeiter im Rathaus neue Vorwürfe aufgetaucht. Wie aus Recherchen der OSTSEE-ZEITUNG hervorgeht, soll Thomas Schenk, Leiter der städtischen Kinder- und Jugend-Segelschule auf dem Dänholm, einen Boots-Kran dafür verwendet haben, um bei Stralsunder Seglern Geld zu verdienen und dieses in einer Firma versickern zu lassen, die direkt mit seinem Namen verbunden ist. Dies legen entsprechende Rechnungen nahe.

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Thomas Schenk soll als Chef der kommunalen Segelschule auf dem Dänholm Geld in eine Firma gepumpt haben, die seinen Namen trägt

Demnach hat Schenk für eine offensichtlich privat geführte „Thomas Schenk Segelschule“ Kran-Gebühren abgerechnet. Der verwendete Kran gehört nach Angaben der Stadtverwaltung aber weder ihm persönlich noch einer „Thomas Schenk Segelschule“, sondern dem Segelschul-Förderverein „Arbeit und Segeln.“ Dieser Verein unterstützt die städtische Segelschule, in der maritime Kinder- und Jugendarbeit betrieben wird. Schenk ist als Chef der Segelschule direkt bei der Stadtverwaltung beschäftigt. „Damit unterstützen wir die Kinder- und Jugendarbeit im Wassersport“, sagt Jörn Tuttlies, der für den Bereich zuständige Abteilungsleiter im Rathaus.

Insbesondere im Frühjahr und im Herbst, wenn die Stralsunder Segler ihre Boote zu Wasser lassen beziehungsweise wieder an Land holen, ist das Kranen ein einträgliches Zusatzgeschäft. Pro Boot kassiert Schenk laut den Rechnungen 50 Euro. Besonders häufig greift der Stralsunder Bootsbauer Philipp Schaich auf diese Leistung zurück, um die Boote seiner Kunden für Reparaturarbeiten aus dem Wasser heben zu lassen. Schaich betreibt im Kanonenbootsschuppen auf dem Dänholm in direkter Nachbarschaft zu der kommunalen Segelschule eine Bootswerft mit inzwischen zwölf Mitarbeitern. „Uns ist der Absender auf den Rechnungen wegen der undurchsichtigen Struktur der Segelschule nicht aufgefallen“, sagt er. 2017 habe er mehr als 1000 Euro an die „Thomas Schenk Segelschule“ überwiesen.

Ganz unten auf den Rechnungen heißt es immer: „Bitte überweisen Sie die Summe ohne Abzüge innerhalb von 14 Tagen auf mein Konto. Mit freundlichen Grüßen, Thomas Schenk.“ Bei der angegebenen Bankverbindung handelt es sich um ein anderes Konto als das des Vereins „Arbeit und Segeln“.

Das Verhältnis zwischen Schaich und Schenk ist bereits länger denkbar schlecht. Die Ungereimtheiten bei den Kran-Gebühren sind aufgefallen, nachdem Schaich mit Vorwürfen gegen Schenk an die Öffentlichkeit gehen will. Schenk führe sich auf dem Gelände wie ein Despot auf, sagt Schaich. „Der legt meinem Unternehmen ausschließlich Steine in den Weg.“ Schenk sagt im Gegenzug, dass angesichts der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eine gewisse Ordnung herrschen müsse.

Jörn Tuttlies bemüht sich, den Konflikt nicht eskalieren zu lassen. Eine Anfrage der OZ, in der es zunächst nur um den Streit zwischen Schaich und Schenk geht, beantwortet Tuttlies sehr detailliert und schlägt anschließend einen Vor-Ort-Termin gemeinsam mit Thomas Schenk vor. Dort dreht es sich dann vor allem um die Differenzen zwischen der Segelschule und der Bootswerft.

Auf die Frage, wie die Segelschule organisiert ist, sagen Tuttlies und Schenk unter anderem, dass ein Teil der Flächen rund um den Kanonenbootsschuppen der Stadtverwaltung gehörten und weitere Bereiche sowie der Kran am Wasser Eigentum des Fördervereins seien. Frage: „Das Geld fürs Kranen bekommt dann also der Verein?“ Antwort Schenk: „Ja!“ Von einer weiteren Segelschule neben der städtischen sagt er nichts.

Philipp Schaich stutzt, als er hört, dass der Kran Eigentum des Fördervereins ist. Er sieht in seinen Rechnungen nach, wohin er die Gebühren überwiesen hat – an eine „Thomas Schenk Segelschule“. Vom Förderverein ist auf den Rechnungen nichts zu lesen.

Im Zuge der Recherche berichten weitere private Stralsunder Segler, dass sie die 50 Euro für jeden Einsatz des Kranes immer gleich in bar bezahlt und nie eine Quittung erhalten hätten. Schaich benötigt als Unternehmer für seine Buchführung indes Rechnungen.

In der ersten von mehreren OZ-Anfragen zu dem Thema an die Stadtverwaltung hieß es durchaus zugespitzt, dass Schenks „Verhalten und die Form seines Auftretens dem Anschein nach offenbar eine gewisse Inspiration im System Grieser gefunden“ haben könnten. Dazu sagt Schenk während des Termins auf dem Dänholm noch: „Schreiben Sie das bitte nicht, das ist nicht wahr.“ Im Unterschied zu ihm habe sich Grieser bereichert. Peter Koslik, der Sprecher der Stadtverwaltung, sagt: „Das Bestreben der Hansestadt Stralsund ist es, erst alle Fakten zu analysieren und dann zu bewerten.“

Benjamin Fischer

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