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Urkunden der Hansezeit für das Welterbe

Stralsund Urkunden der Hansezeit für das Welterbe

Stralsund und Lübeck wollen Dokumente des Städtebundes in das Weltgedächtnis aufnehmen lassen

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Eine zeittypische Darstellung aus dem 19. Jahrhundert, wie man sich damals die Friedensverhandlungen im Mai 1370 zwischen der Hanse und den Dänen vorstellte. FAKSIMILE: HANSESTADT STRALSUND

Stralsund. Der 24. Mai 1370 war ein bedeutendes Datum in der Geschichte Stralsunds und der Hanse. Siegelten doch an jenem Tag vor nunmehr fast 647 Jahren die Vertreter von 23 Städten sowie Gesandte des Königreiches Dänemark zwei Papiere für das Ende eines Krieges, das später als der Friede von Stralsund in die Geschichte eingehen sollte. Erstmals hatten Kaufleute und Bürger eines Städtebündnisses einer feudalen Großmacht in einem Krieg weitreichende Privilegien abgetrotzt.

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Stralsund und Lübeck wollen Dokumente des Städtebundes in das Weltgedächtnis aufnehmen lassen

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„Ein Ereignis, das durchaus seinen Platz im Gedächtnis der Welt bekommen sollte“, findet Dirk Schleinert. Der Leiter des Stralsunder Stadtarchivs arbeitet mit seinem Team seit 2014 daran, einen Auftrag der Bürgerschaft umzusetzen. Diese hatte die Stadtverwaltung beauftragt, sich mit den einzigartigen Urkunden aus der Hansezeit bei der Aufnahme in das Weltdokumentenerbe „Memory of the World“

zu bewerben.

2015 wurde ein entsprechender Antrag beim deutschen Nominierungskomitee gestellt. „Wir bekamen daraufhin die Empfehlung, in dieser Sache mit Lübeck zusammenzuarbeiten“, sagt der Stralsunder Archivleiter. „Die Lübecker Kollegen waren ebenfalls dabei, wertvolle Dokumente aus der Hansezeit für die Aufnahme in das Weltgedächtnis vorzubereiten.“

Nach der Kontaktaufnahme zeigten sich die Lübecker Archivare aufgeschlossen für die Idee, die internationalen Zusammenhänge der Hanse gemeinsam zu dokumentieren. Es begann eine intensive Zusammenarbeit, galt es doch, aus der Vielzahl erhaltener Schriftstücke die aussagekräftigsten auszuwählen. Dirk Schleinert gibt ein Beispiel: „Wir mussten etwas heraussuchen, dass irgendwo auf der Welt einem Außenstehenden, der noch nie etwas von der Hanse gehört hat, gewissermaßen auf einen Blick erkennen lässt, was dieser Städtebund im mittelalterlichen Europa gewesen ist, was ihn ausmachte.“ Die Urkunden des Stralsunder Friedens sind aus Sicht der Experten dafür hervorragend geeignet.

Der Sieg der Hanse über das dänische Königreich sicherte ihr die Vormacht im Ostseeraum und somit ungehinderten Handel. Damit wurde für eine lange Zeit die starke Rolle des Städtebündnisses festgeschrieben. Aus Schleinerts Sicht wurde damit aus der Perspektive des Mittelalters sogar Weltgeschichte geschrieben. Festgehalten in den beiden Urkunden des Stralsunder Friedens von 1370.

Am 27. Juni 2002 waren Stralsund und Wismar gemeinsam für ihre historischen Altstädte mit den nahezu unverändert erhaltenen mittelalterlichen Baufluchten von der Unesco in die Liste des Welterbes aufgenommen worden.

Für die Hansestadt am Strelasund wäre der offizielle Eingang ihrer mittelalterlichen Dokumente in das Weltdokumentenerbe bereits die zweite wichtige Ehrung für die Bewahrung des historischen Vermächtnisses. Stralsund ist übrigens die einzige Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, die sich derzeit darum bewirbt.

Da der Antrag dafür bei der Unesco nur alle zwei Jahre gestellt werden kann, laufen jetzt die Vorbereitungen dafür, diesen bis zum Sommer auf den Weg zum deutschen Nominierungskomitee zu bringen.

Laut Dirk Schleinert geschieht das unter der Führung der Hansestadt Lübeck.

Ein Erfolg wäre ein gutes Signal im Vorfeld des 650. Jahrestages des Stralsunder Friedens, der für Mai 2020 im Kalender steht. Eng damit verbunden ist auch der 150. Geburtstag des hansischen Geschichtsvereins, der in Stralsund gegründet wurde und heute in Lübeck agiert. Wie Dirk Schleinert weiß, hat Stralsund schon eine Einladung ausgesprochen, das Jubiläum des Vereins in drei Jahren am Strelasund zu feiern.

So wird das kollektive Gedächtnis der Menschheit bewahrt

Das Weltdokumentenerbe der Unesco gibt es seit 1992. Das Programm steht unter dem Titel „Memory of the World“ (Gedächtnis der Welt).

Aufgenommen werden etwa Bücher, Handschriften, Partituren, Bild-, Ton- und Filmdokumente, die das kollektive Gedächtnis der Menschheit repräsentieren.

Die Zugehörigkeit zum Weltdokumentenerbe verpflichtet die jeweiligen Staaten, für den Erhalt und die Verfügbarkeit der Dokumente zu sorgen.

Die Liste des Weltdokumentenerbes umfasst derzeit über 300 Dokumente. Alle zwei Jahre können neue Vorschläge unterbreitet werden.

Mit bislang 22 Einträgen in der Liste ist Deutschland vertreten. Seit 2013 unter anderem mit der „Goldenen Bulle“ aus dem Jahre 1256. Dabei handelt es sich um eine Art Verfassung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, die die Modalitäten zur Wahl der römisch-deutschen Könige und Kaiser bis zur Niederschlagung des Reiches durch Napoleon im Jahre 1806 regelte.

Zusammen mit den Niederlanden nominierte Deutschland 2013 das „Kommunistische Manifest“ und „Das Kapital“ (Band I) von Karl Marx.

Im Jahr 2015 kamen Schriften der Reformationsbewegung zum Weltgedächtnis dazu.

Jörg Mattern

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