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So schützen sich Bauern vor der Schweinepest

Stralsund So schützen sich Bauern vor der Schweinepest

Der Landkreis bereitet sich auf ein Seuchen- szenario vor. Ziel: Die Folgen eines möglichen Ausbruchs der für Tiere tödlichen Krankheit klein halten.

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Wildschweine könnten die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland einschleppen.

Quelle: Fotos: Elisabeth Woldt/ Patrick Pleul/dpa

Stralsund. Die Afrikanische Schweinepest ist im Anmarsch. Noch hat sie Deutschland nicht erreicht, doch in der Ukraine, Polen und Tschechien ist sie bereits ausgebrochen.

 

OZ-Bild

„Die Ausbreitung des Virus selbst ist von Menschen gemacht.Wilhelm Middendorf, Schweinezüchter

Unter Schweinemästern im Landkreis Vorpommern-Rügen nehmen die Sorgenfalten zu.

Bei Landwirt Wilhelm Middendorf in Wilmshagen sind die Tore zum Hof und zu den Schweineställen fest geschlossen. Die komplette Hofanlage ist umzäunt. Der Zaun kann von Wildschweinen nicht unterwühlt werden. „Das ist Teil eines ganzen Sicherheitspakets, mit mit dem wir versuchen, den Kontakt zu unseren Hausschweinen auszuschließen“, sagt Middendorf. Gut 3000 Tiere hat er in den Ställen. Die dürfen seine Mitarbeiter nur nach Kleiderwechsel und einer Dusche betreten. Selbst das Futter wird von zertifizierten Lieferanten bezogen, um das Virus draußen zu halten. „Die Einhaltung des kompletten Maßnahmepakets wird vom Veterinäramt überprüft“, betont der Landwirt.

Amtstierärztin Dr. Leonore Lange bestätigt das: „Die Herstellung der Biosicherheit bei Schweinehaltern ist eine wichtige Voraussetzung, die Afrikanische Schweinpest aus den Ställen fern zu halten“, machte sie jetzt vor dem Umweltausschuss des Kreistages deutlich. Doch das Problem ist vielschichtig. Da zählt es schon zu den guten Nachrichten, dass das Virus für den Menschen ungefährlich ist.

Die schlechte Nachricht ist: Der Erreger breitet sich unaufhaltsam aus. Die Fachdienstleiterin Veterinärwesen der Kreisverwaltung verwies vor dem Ausschuss darauf, dass nach Berechnungen der Ausbreitungsgeschwindigkeit bereits 2015 mit ersten Fällen der afrikanischen Schweinepest in Deutschland gerechnet wurde. „Bislang hat es aber noch keine Auffälligkeiten gegeben“, so Leonore Lange.

Zeit also, sich auf ein mögliches Seuchenszenario vorzubereiten.

Dazu zählt vor allem die Überwachung des Wildschweinbestandes im Kreis. „Erjagte Tiere oder gefundene tote Wildschweine werden im Rahmen dieses Monitorings auf das Virus getestet“ berichtete Amtstierärztin. Bislang fielen die Tests negativ aus.

16 Gesellschaftsjagden haben Mitarbeiter des Forstamtes Poggendorf seit November organisiert – zwei mehr als traditionell. Dabei wurden mehr als 500 Wildschweine erlegt. „Wir versuchen alles, um den Schwarzwildbestand zu reduzieren und die Afrikanische Schweinepest aufzuhalten“, so Matthias Sandmann, Sachbearbeiter für Holzvermarktung und Jagd im Forstamt. Für Wilhelm Middendorf zumindest ein Weg, die Ausbreitungswahrscheinlichkeit dieser Tierseuche etwas zu senken. Denn: „Die Ausbreitung des Virus selbst ist von Menschen gemacht.“ Durch achtlos in der Natur weggeworfene Fleisch- oder Wurstreste, die von Wildschweinen gefressen und weitergetragen werden. Durch die Verfütterung von Küchenabfällen in kleinen Hausschweinhaltungen etwa, die zwar verboten ist, aber immer noch praktiziert wird. Und durch Fleischimporte aus Ländern, in denen die afrikanische Schweinepest ausgebrochen ist.

Das erste nachgewiesene Virus in Deutschland wäre für die Schweinemastbetriebe eine Katastrophe. „Deutschland ist Exportweltmeister von Schweinefleisch. Sobald Schweinepestfälle bekannt werden, stoppen die Importeure ihre Bestellungen“, glaubt Leonore Lange. Da das System industrieller Schweinemast wie ein feines Räderwerk ineinandergreift, beginnen Absatzausfälle dieses System empfindlich zu stören. Preisverfall gehört zu den weiteren Folgen. Middendorf siedelt deren Kosten deutschlandweit im geschätzten Milliardenbereich an. Nicht zuletzt auch wegen der Tatsache, dass betroffene Schweinebestände komplett getötet werden, sollte das Virus trotz aller Vorsichtsmaßnahmen in einen Stall eindringen.

Kein Impfstoff

Seinen Ausgangspunkt hat das Virus der Afrikanischen Schweinepest im Warzenschwein, das selbst immun gegen den Erreger ist.

Das Virus fand seinen Weg über den Kaukasus und Russland nach Europa. Gezeigt hat sich u. a., dass es sich entlang von Transitstrecken ausbreitet.

In rohen Fleisch- und Wurstwaren bleibt es lange ansteckend. Deshalb ist es wichtig, etwa Fleisch- und Wurstreste nicht in Papierkörben oder der freien Natur zu entsorgen, wo Wildscheine Zugriff haben. Das gilt insbesondere auch für Rastplätze an Fernverkehrsstrecken.

Einen Impfstoff wie gegen die Klassische Schweinepest, gibt es für die Afrikanische Schweinepest aktuell nicht. Damit ist auch die Chance einer vorbeugenden Impfung des Wildschweinbestandes, wie sie Anfang der 1990er-Jahre im Landkreis erfolgte, für den afrikanischen Erreger nicht gegeben. Bauernverbände fordern daher eine stärkere Bejagung der Wildschweinpopulation.

Bei Seuchenausbruch greift im Landkreis ein Szenario ähnlich dem der Vogelgrippe. Sperr- und Beobachtungsbezirke werden eingerichtet.

Jörg Mattern und Almut Jaekel

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