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Stralsund Verkehrschaos nervt Anwohner
Vorpommern Stralsund Verkehrschaos nervt Anwohner
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07:56 22.09.2016
Morgens halb zehn in der Wasserstraße: Sie zählt zu den meistbefahrenen Kopfsteinpflasterstraßen in der Stralsunder Altstadt. Quelle: Benjamin Fischer

Aufheulende Motoren, schlechte Luft, ständige Erschütterungen durch die vielen Lastwagen: Die in diesem Sommer besonders chaotische Verkehrssituation auf der Wasserstraße nervt die Anwohner in hohem Maße.

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Jeden Tag stauen sich in der Wasserstraße die Autos. Nachts wird gerast, was auf dem Kopfsteinpflaster besonders laut ist. Die Anwohner fordern eine Lösung.

Waltraud Anschütz will die Situation so nicht mehr hinnehmen und hat bei Bürgerschaftspräsident Peter Paul (CDU) um Auskunft darüber gebeten, wie das Problem gelöst werden kann. Bislang haben weder die Stadtverwaltung noch die Bürgerschaft konkrete Schritte eingeleitet, um der Lage Herr zu werden, die sich auf der Wasserstraße insbesondere im Sommer durch die vielen Touristen dramatisch zuspitzt.

Viele ältere Menschen in den Häusern an der Wasserstraße hätten inzwischen Schlafstörungen, weil der Verkehrslärm selbst nachts nicht nachlasse, sagt sie. Dann fahren zwar deutlich weniger Autos durch die enge Altstadtstraße, dafür aber mit deutlich höheren Geschwindigkeiten, was die Lärmemissionen um ein Vielfaches steigert. Das Kopfsteinpflaster und die hohen Altbauten rechts und links der Straße wirken dabei wie ein Verstärker.

Waltraud Anschütz zählt Menschen auf, die wegen der unruhigen Nächte unter Kreislaufproblemen leiden würden. Viele könnten ihr Schlafzimmer nicht in Richtung der Wasserstraße ausrichten. Gerade ältere Anwohner hätten sich ihre Wohnungen dort als Altersruhesitz gekauft oder für diesen Zweck angemietet. „Die Menschen wollen in Stralsund ihren Lebensabend verbringen und müssen nun wieder wegziehen, wenn sich die Situation nicht ändert.“

Auf ihre Anfrage in der Bürgerschaft hat sie letztlich nicht mehr als ein verbal untersetztes Schulterzucken erhalten. Der für die Straßen zuständige Abteilungschef im Rathaus, Stephan Bogusch, weckte bei den Anwohnern nur eine leise Hoffnung, dass sich die Lage verbessert. Das Verkehrsaufkommen in der Wasserstraße sei schon immer hoch gewesen, in diesem Jahr aber besonders, betonte Bogusch. Grund sei die Vollsperrung des Knieperwalls, der noch bis Ende Oktober umfangreich saniert wird. Viele Stralsunder weichen deshalb über die Wasserstraße aus, um die Altstadt zu umfahren.

Über gesundheitliche Beeinträchtigungen der Anwohner habe er bisher aber keine Erkenntnisse. Und, dass die Wasserstraße noch keine Tempo-20-Zone ist, liege laut Bogusch in der Verantwortung der Bürgerschaft, die das Vorhaben erst im Januar dieses Jahres abgelehnt habe.

In letzter Konsequenz dürfte die Wasserstraße aber in absehbarer Zeit nicht nur eine 20er-Zone sein, sondern streckenweise gleich ganz gesperrt werden. Grund ist die Adelung Stralsunds zum anerkannten Erholungsort, die die Landesregierung im August vorgenommen hat. Zu den Bedingungen dafür, dass die Stadt diesen Titel nicht wieder verliert, zählt die Umsetzung eines Verkehrskonzeptes für die Altstadt, das weniger mit dem Anspruch der Autofahrer, möglichst schnell voranzukommen, sondern vorrangig mit den Vorgaben eines richtigen Erholungsortes übereinstimmen muss.

In dem entsprechenden Bescheid heißt es wörtlich: „Die von der Hansestadt Stralsund mit der Fortschreibung des Verkehrskonzeptes für ihre Altstadt vorgesehenen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in der Innenstadt sind zur Entwicklung des Erholungsortscharakters umzusetzen.“ Dazu gehörte bislang neben der Einführung einer Tempo-20-Zone im gesamten Welterbe die Sperrung der Wasserstraße. Und eben dieser Vorschlag war im Januar am Widerstand der CDU und der Fraktion Bürger für Stralsund (BfS) gescheitert.

Die Anwohner hatten zuletzt Ende August anlässlich der Verleihung der Urkunde zum anerkannten Erholungsort vor dem Rathaus gegen die Verhältnisse protestiert.

Kerngebiet des Unesco-Welterbes

Die Wasserstraße gehört zum Kerngebiet des Unesco-Welterbes. Sie verläuft entlang der ehemaligen Stralsunder Stadtmauer.

Ihren Namen erhielt sie im Jahr 1858 auf ihrer gesamten Länge. Bis dahin hieß der Abschnitt zwischen Fährstraße und Semlower Straße Außerm Fährtor, zwischen Semlower Straße und Badenstraße Außerm Semlower Tor, zwischen Badenstraße und Heilgeiststraße Außerm Badentor, zwischen Heilgeiststraße und Langenstraße Außerm Heilgeisttor, zwischen Langenstraße und Frankenstraße Außerm Langentor und zwischen Frankenstraße und Frankenwall Außerm Frankentor.

Benjamin Fischer

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