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Vielleicht ist plattes Land bald wieder in

Eine Region im Wandel: Die OSTSEE-ZEITUNG schaut sich in der Trebelstadt um Vielleicht ist plattes Land bald wieder in

Der Tribseeser Bürgermeister Thomas Molkentin sieht Einwohnerschwankungen als geschichtliche Entwicklung.

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2650 Einwohner z�hlt Tribsees. Empfangen werden Besucher durch viele Kunstwerke an der Kirche, auf dem Markt und wie hier am Stadteingang vor dem M�hlentor. Die Edelstahl-Welle ist 16 Meter lang, vier Meter hoch und wiegt 1,2 Tonnen.

Tribsees. „Was soll ich tun, vom Balkon springen?“ Tribsees Bürgermeister Thomas Molkentin versucht, das Thema Demografie und die weitreichenden Folgen mittlerweile mit viel Humor zu nehmen.

Denn es ist für den CDU-Mann nicht damit abgetan, dass wir alle älter werden und kaum noch Jugend nachwächst. Das wäre zu einfach. Für die Städte und Gemeinden auf dem platten Land hängt viel mehr dran — ihre nackte Existenz. Denn natürlich stellt sich auch Molkentin die Frage, was in zehn oder fünfzehn Jahren in Tribsees los sein wird.

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Nach dem Einwohnertief kommt wieder ein Hoch. Davon bin ich überzeugt.“Thomas Molkentin (47)

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Wird es die Stadt in ihrer jetzigen Form überhaupt noch geben? Oder ist nach dem Niedergang der wichtigen Arbeitgeber und der damit verbundenen Arbeit auch das letzte Stück Hoffnung der Menschen dann gestorben. „Nein“, sagt Molkentin konsequent. Er lässt jetzt den Humor beiseite. „Es hat immer Wellen in der geschichtlichen Entwicklung gegeben“, betont der 47-Jährige. „Hochs und Tiefs“, so der passionierte Historiker.

Der Bürgermeister deutet auf ein kleines rotes Büchlein mit altertümlicher Schrift. „Das ist der Provinzial-Kalender für Neuvorpommern und das Fürstentum Rügen von 1843“, klärt er auf. Darin steht, dass in jenem Jahr 2608 Einwohner in Tribsees lebten.

Heute, so sagt es die Statistik vom Amt Recknitz-Trebeltal, wohnen hier 2650 Menschen. Es sind wieder genauso viele wie vor 160 Jahren. Dazwischen erlebte die Kleinstadt an der Trebel, was ihre Einwohnerzahl betrifft, allerdings ein Hoch. Über 4000 waren es zum Ende der DDR. Es war die höchste Zahl in der mittlerweile 328-jährigen Geschichte der Stadt.

Aber damals gab es hier auch noch Arbeit. Hunderte Menschen waren in der Landwirtschaft, beim VEB Bau, in der Berufsausbildung oder den vielen Geschäften links und rechts der Karl-Marx-Straße in Lohn und Brot. Davon ist heute nicht mehr viel geblieben. Es gibt ja nicht einmal mehr Busse, die von Tribsees aus regelmäßig in die Kreisstadt fahren. Wer kein Auto hat, hat hier schon ein Problem. Und die Prognosen bis 2030 sagen aus, dass die Stadt noch einmal 20 Prozent Einwohner verliert.

„Aber wir sind noch da. Und wir bleiben es auch“, versucht Molkentin Optimismus mitklingen zu lassen. „Ich habe keine Illusionen, dass morgen ein großer Investor vor der Tür steht“, betont er nüchtern. „Aber gute Gründe, die Stadt weiter zu entwickeln.“

Der Bürgermeister verweist auf Kita, Grund- und Realschule, drei Supermärkte, Seniorenheim, Arztpraxen, Handwerksbetriebe, die schöne Natur ringsherum und das überaus rege Vereinsleben. „Eines haben wir auf jeden Fall, was großen Zentren heute fehlt“, ist er überzeugt: „Bei uns kennt man sich, hier hilft man sich, hier steht man zusammen, wenn es eng wird.“

Vielen Bürgern fiele es allerdings immer noch schwer zu begreifen, dass es vieles nicht mehr gibt, was sie früher umgab. „Wir hatten doch immer so eine schöne Altstadt.“ Immer wieder hört er diesen Satz, wenn er sich mit alten Tribseesern unterhält. Heute sieht man dort aber kaum noch Menschen. Dass es vor 25 Jahren in Tribsees noch viele Plumpsklos gab und heute eine moderne Entwässerung existiert, wird eher übersehen. Vielleicht liegt es daran, dass diese im Boden verbuddelt ist.

Da fallen die verhangenen Schaufenster, der bröckelnde Putz und die Häuser, die neben den sanierten vor sich hin gammeln, schon eher auf.

Letztere gehören meist Menschen, die weit weg wohnen und sich einen Deiwel um Tribsees scheren, so Molkentin. „Irgendwann haben sie in der Kleinstadt Immobilien erworben. Offenbar in der Hoffnung, dass damit noch einmal das große Geld zu verdienen ist.“ Machen kann das Stadtoberhaupt dagegen wenig. Das erklärt er immer wieder. Genauso wenig, wie er Arbeitsplätze schaffen kann. Was er aber machen kann, und das sagt er seinen Bürgern immer wieder, ist, für den Erhalt der vorhandenen Infrastruktur zu kämpfen. Dafür wirbt Molkentin und hat auch immer wieder Mitstreiter um sich.

Gerade erst wurde der sanierte Sportplatz inclusive Sportlerheim übergeben. Das sei ein Schmuckstück geworden. Ebenso wurden über 90 neue Fenster in die Kita eingebaut. Der dreigeschossige Plattenbau entstand noch zu DDR-Zeiten, als auch Tribsees vom Babyboom erfasst wurde. Das Haus soll noch generalsaniert werden.

Die Kindertagesstätte ist nämlich mit ihren 136 Plätzen auch heute wieder komplett ausgelastet. Das macht dem Bürgermeister, der übrigens das Internat des Fachgymnasiums in Velgast leitet, Hoffnung. Und das lässt ihn dann auch wieder ein wenig optimistischer dreinblicken. „Tribsees liegt zwischen Rostock und Greifswald“, sagt er . In beiden Städten schießen die Immobilienpreise momentan voll nach oben. In Tribsees liegen sie im Keller.

„Wer sagt uns denn, dass es nicht irgendwann wieder einen Trend gibt, aufs platte Land zu ziehen“ , hofft Molkentin und verweist auf die Geschichte der Stadt und auf die Wellen in ihrer Entwicklung, die es immer wieder gegeben hat.

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Ein Region

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Reinhard Amler

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