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Stralsund Visionen für sieben Jahre gefragt
Vorpommern Stralsund Visionen für sieben Jahre gefragt
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01:00 25.04.2001
Richtenberg

Der Landratswahlkampf auf dem flachen Land bewegt Leute. Den Eindruck konnte gewinnen, wer am Montag das OZ-Wahlforum im Richtenberger Kulturhaus besuchte. Über 50 Interessierte, darunter aus Grimmen, Barth und Ribnitz-Damgarten, waren gekommen, um das Bewerbertrio drei Stunden lang auszufragen. Unter der Moderation von Peter Schlag, Grimmener OZ-Lokalchef, legten sich Wolfhard Molkentin (CDU), Manfred Gerth (SPD) und für die PDS der parteilose Wolfgang Weiß ins Zeug, um die Gunst der Wähler zu erringen

Die Palette der Themen war vielfältig. Erste Gegensätze wurden bei der Frage nach dem Zusammenwachsen des Landkreises deutlich. Für Amtsinhaber Molkentin ist der Kreis im wesentlichen zusammengewachsen. Nur in den Beziehungen zu Stralsund gebe es noch viel zu regeln. Allerdings nicht so, „dass Stralsund sein Territorium auf Kosten des Kreises erweitert“. Für Wolfgang Weiß dagegen muss der Landkreis erst noch zusammenwachsen. Er gab diesem Prozess zehn bis 20 Jahre, weil sich gewachsene Beziehungen zwischen Gemeinden und ihrem Umland seit der Kreisgebietsreform nur sehr langsam umstellen würden. Zum Verhältnis mit Stralsund plädierte Weiss dafür, zur Kenntnis zu nehmen, dass von den 120 000 Kreisbewohnern 18 000 Menschen ihren Alltag in irgendeiner Form auf die Hansestadt ausgerichtet hätten. Dabei auftretende Probleme zwischen Stadt und Kreis ließen sich nur über Kooperation lösen, so Weiß. Für mehr Zusammenarbeit mit der Hansestadt, ähnlich dem Beispiel zwischen dem Landkreis Bad Doberan und Rostock beim Verkehrsverbund, sprach sich auch Gerth aus, ohne „dass Stralsund gleich Kreisstadt werden müsse“.

Ins Schwimmen kamen die Kandidaten bei der Frage nach der Zukunft des Franzburger Gymnasiums. Laut Molkentin würde die Schulnetzplanung frühestens im Oktober den Kreistag passieren. Die Planungen würden von der Zahl vorhandener Kinder bestimmt. Für Manfred Gerth ließ sich mit dem derzeitigen Zahlenmaterial noch keine genaue Aussage treffen. Was aus dem Publikum zu Zwischenrufen führte, sich bitte genauer zu positionieren und nicht hinter Zahlen zu verschanzen.

Gerth reagierte auf den Vorwurf und betonte, dass es aus Verwaltungssicht gar nicht anders ginge, als mit vorhandenen Zahlen zu operieren. Wolfhard Molkentin machte eine Bilanz auf, nach der der Kreis zur Förderung der Bildung die drei Gymnasien in Ribnitz-Damgarten, Barth und Grimmen gebaut habe. Auch Franzburg könne bestehen bleiben, wenn die Schülerzahlen ausreichten, betonte er. Und Weiß forderte, statt Zahlenspielereien die Zukunft der Gymnasien an deren pädagogischen Konzepten zu messen. Eine klare Aussage zum Franzburger Gymnasium gab es jedoch nicht.

Jetzt allerdings wollte das Publikum Unterschiede zwischen den Bewerbern deutlicher benannt haben. Wer für die nächsten sieben Jahre antrete, müsse Visionen haben, hieß es. Visionär Weiß sprach sich dafür aus, auch in Defiziten, die es in der Kreisentwicklung gebe, Chancen zu sehen. Wenn die Abwanderung junger Leute das Durchschnittsalter hebe, dann ließe sich doch aus der Region ein Seniorenparadies und damit Arbeit schaffen.

Ein anderes Stichwort: Den ökologischen Landbau fördern. Der sei arbeitsintensiv und reproduziere gleichzeitig den einmaligen Lebensraum im Kreis. Molkentins Visionen drehten sich um die mit Tourismus verbundene Schaffung von Arbeitsplätzen. Schwerpunkte hier: Künftig sollten Züge über die Meiningenbrücke Touristen zum Darß bringen, und eine Sanierung des Boddens Besucher für Territorien abseits der Ostsee interessieren. Auch in Gerths Vorstellungen von der Zukunft spielte Arbeit eine Rolle. Er wolle die angestrebte regionale Wirtschaftsfördergesellschaft darauf orientieren, über gezieltes Marketing Investoren in den Kreis zu holen und gleichzeitig auch „bestehenden Unternehmen Bestandspflege angedeihen lassen“.

Am Ende der Diskussion schienen die Wähler in ihrer Einschätzung gespalten. Das Spektrum der Meinungen reichte von „Weiß immer noch nicht, wen ich wählen soll“ bis zu „So eine Veranstaltung könnte hier öfter stattfinden.“



JÖRG MATTERN